Wohnen und Arbeiten in DTLA

Um zu beweisen, dass sich nicht nur Daniel im Bereich der Mobilität auskennt, ist es an der Zeit mit meinen Texten über die Downtown Los Angeles etwas weiterzumachen. Immerhin habe ich im letzten Artikel bereits erwähnt, dass es durchaus interessante Ergebnisse gibt, wenn man einmal die Umzugsmotive, die Verkehrsmittelwahl und den Arbeitsort in die Auswertung mit einbezieht.

Umzugsmotive in die Downtown Los Angeles

Etwa 60% der Umfrageteilnehmer arbeiten innerhalb der Downtown in mehr oder weniger typischen Berufen, welche mit einer Innenstadt assoziiert werden. Daher stellt sich nun die Frage, ob der Umzug hauptsächlich wegen der Arbeit oder aus anderen Gründen erfolgte.

Die aufgestellte Hypothese, dass ein Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Arbeitsaufnahme und dem des Umzugs besteht, kann verifiziert werden. Es besteht ein mittlerer statistischer Zusammenhang zwischen diesen beiden Variablen (Cramers V = 0,296; Signifikanzniveau von 0,001). So leben über 50% derer, die seit mehr als zehn Jahren in der Downtown arbeiten, auch seitdem dort. Ebenso sind 36% von denen, die erst seit weniger als einem Jahr in der Innenstadt wohnen, auch erst seit dieser Zeit dort angestellt.

Wohndauer und Gebäudewahl

CBD Downtown L.A.Da die Wohndauer der meisten Bewohner recht kurz ist – 45% leben weniger als vier Jahre in der Downtown – wurde nach der Bereitschaft gefragt, in ein Gebäude mit Mischnutzung oder affordable units zu ziehen. Die Bereitwilligkeit in ein Mixed-Use-Gebäude zu ziehen, bzw. der Anteil derer, die bereits dort lebten, betrug 49,5% bzw. 38,1%. Lediglich 3,9% konnten sich nicht vorstellen, in ein MXD Gebäude zu ziehen. Bei den affordable units bzw. den Gebäuden, die ebendiese beinhalten, war die Bereitschaft etwas geringer. Hier gaben 43,6% an, dass sie dorthin ziehen würden und lediglich 11,8% lebten bereits in einem solchen Gebäude. Darüber hinaus wussten 51,8% aller Befragten, dass ihr Gebäude von der Adaptive Reuse Ordinance profitiert hat. Außerdem leben ziemlich genau zwei Drittel in Mietobjekten und lediglich 30% wohnen in Eigentumswohnungen.

Zusammenhang zwischen Arbeits- und Wohnort

Des Weiteren konnte ein mittlerer statistischer Zusammenhang (Cramer V = 0,349;  Signifikanzniveau von 0,001) zwischen dem Zeitpunkt der Arbeitsaufnahme und dem Arbeitssektor ermittelt werden. So leben und arbeiten beispielsweise nahezu 70% der Regierungsangestellten schon länger als zehn Jahre in der Downtown, wohingegen es beim Art & Design Sektor nur 7% sind. Die künstlerischen Berufsgruppen verhalten sich, ähnlich wie die Gruppe der Studenten, konträr zu der Entwicklung der Regierungsangestellten. Während beide Gruppen vor zehn Jahren nur 5,3% und 1,3% ausmachten, sind es bei den Neubewohnern 30,6% bzw. 10,2%.

Ausbildung kreativer Quartiere im Historic Core und Old Bank DistrictDies lässt zum einen Rückschlüsse auf die Ausbildung kreativer Quartiere zu und kann, besonders durch den Anteil der Studenten, der sich in den zehn Jahren immerhin fast verzehnfacht hat, ein Indiz für eine beginnende, mögliche Gentrifizierung sein, da diese Gruppe oftmals als Pionierbevölkerung in solche Gebiete zieht.
Zusammen mit der Gruppe der Studenten, die zwar in der Downtown wohnen, aber nicht innerhalb der Grenzen studieren, steigt diese Zahl noch beträchtlich. Immerhin 23% der in South Park lebenden und nicht in der Downtown Beschäftigten gaben bei der Umfrage an, Studenten zu sein.
Die räumliche Nähe zum Campus der University of Southern California und das vielfältige Freizeitangebot des Stadtteils spielen hier sicherlich eine Rolle für die Wohnortwahl. Hierdurch steigt die Attraktivität des Bereiches South Park als Wohnort für diese Gruppe immens an, wie im Folgenden noch näher erläutert wird.

Innerhalb einiger Berufszweige bestehen somit statistische Zusammenhänge zwischen dem Arbeitsumfeld und der Wohndauer. Wie am Beispiel der Studenten kann aber auch festgestellt werden, dass es zur Ausbildung eines Standortprestiges kommt und die Innenstadt für junge Erwachsene immer attraktiver wird.

Der Umzugsgrund

Walt Disney Concert Hall DTLADie Wahl des Wohnortes wird durch die Frage nach dem Umzugsgrund unterstützt. Gleichzeitig stellt sie wiederum die Frage nach den Beweggründen der Bewohner für einen Umzug in die Innenstadt. Die Frage des Umzugsgrundes wurde in sechs Klassen eingeteilt (Arbeit, Familie, Standortvorteil, Mobilität, Wohnung, Sonstiges).

Bei offener Antwortmöglichkeit gab hierbei immerhin ein Viertel der Befragten an, hauptsächlich wegen der Arbeit in die Innenstadt gezogen zu sein. Übertroffen wurde dies nur von 29% der Befragten, die einen Standortvorteil ausmachten und daher in die Downtown gezogen sind.
Diese subjektiven Vorteile reichten dabei von den Freizeiteinrichtungen, den Vorteilen innerhalb eines expliziten Stadtteils, bis zu den Tierhaltungsregeln der meisten Mietwohnungen, der die Bewohner zu einem Umzug veranlasste:

„But the thing is, his [Tom Gilmores] apartments allowed dogs. And many apartments in L.A. don’t allow dogs. He said yes, because there are cement concrete floors and so the dogs don’t do any damage. That helped a lot. Suddenly you have people, especially women were willing to walk around at night along Skid Row with their dogs. And that put people on the streets.” (Interview H)

 

„So, he [Tom Gilmore] decided to make no limitations for pets in his buildings. Zero. Now there are 239 units in the Old Bank District about 300 people and probably close to 200 dogs in that area. That started a trend in downtown L.A.. (…) And now you have this community here. Because pets built communities.” (Interview C)

Durch diese Aussagen erscheint es sinnvoll, die Umzugsmotive nach den Berufsgruppen einzuteilen. Hierdurch wird innerhalb der Arbeitssektoren folgendes deutlich:

Warum_zieht_man_in_die_Downtown_L.A._

Bei den Selbstständigen und Künstlern sind es besonders die Standortvorteile, wie die Nähe zu künstlerischen Einrichtungen sowie die Atmosphäre und die Wohnungsvielfalt, die geschätzt Affordable Housing und Live/Workwerden. Einwohner, die in der Downtown wohnen und arbeiten, profitieren zumindest innerhalb bestimmter Berufszweige von Synergien, die sich an ihrem Wohnort gebildet haben. Bedeutend hierfür ist wiederum die Live/Work Regelung, die gerade Künstlern hilft, da diese auch von der alten Regelung, dass fast zwei Drittel der Wohnfläche als Arbeitsplatz genutzt werden müssen, profitierten.

Für die typischen CBD-Arbeitsplätze (Financial und Professional & Business Activities) stehen die Nähe zur Arbeit sowie Standortvorteile wie etwa die Nähe zu Unterhaltungseinrichtungen, Alleinstellungsmerkmale und die Atmosphäre im Vordergrund.

Mobilitätsgründe wie etwa die Verringerung des Arbeitsweges und das Einsparen von Benzinkosten sind weitere Faktoren, die für immerhin 10% der Befragten eine Rolle spielten. Infolge steigender Erhaltungskosten für den motorisierten Individualverkehr (MIV) rücken Mobilitätsgründe, wie etwa die „Stadt der kurzen Wege“ weiter ins Zentrum der Entscheidungen und sind ein weiterer Grund, um einen Wohnort in der Downtown zu erwerben.

„Ultimately we will get the situation were it [the housing] will all fill up, because there’s already a critical mass in terms of residents who live here and we still have a situation in Los Angeles, where it takes forever to drive in this area, traffic is probably going to get worse, not better, and the buildings will fill up.” (Interview F)

 

„People who are ready are getting exited about this idea of: “Hey I don’t wanna drive this much any more, I wanna live closer to things, I wanna live closer to work” and so I think that certainly it’s not something that’s going to appeal to everyone but there is a large audience that was just waiting for that opportunity.” (Interview G)

 

„Freeway’s are starting to get clogged up and the gas is going up and people are losing hours and hours in commute and now something is going by the word, that maybe living in suburban isn’t such a good thing after all.” (Interview I)

Die Downtown weist also gewisse Vorteile im Vergleich zu anderen Stadtteilen in Los Angeles auf, die sie in den letzten Jahren attraktiver für einen Wohnstandortwechsel gemacht haben und von ihren Bewohnern geschätzt wird.

Die Fortbewegungsmittel in DTLA

Straßenbahn bzw. U-Bahn Los AngelesWeil festgestellt wurde, dass große Anteile der Bewohner auch innerhalb der Stadt arbeiten und sich somit lange Zeit in ihr aufhalten, werden nun die täglichen Pendlerströme untersucht. Nutzungsmischung und die Stadt der kurzen Wege sollen schließlich viele Erledigungen zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln fördern. Immerhin ist eines der wichtigsten Instrumente der Stadtplanung von Los Angeles das transit oriented development. Ein wichtiger Punkt der Nutzungsmischung in Downtown L.A. ist schließlich die elegant density, die eine hohe Bevölkerungsdichten an Verkehrsknotenpunkten des ÖPNV fördern soll. Darüber hinaus gaben schließlich knapp 11% aller Befragten beim Umzugsgrund Mobilitätsgründe an.

Inwieweit der Aus- und Umbau der ÖPNV Einrichtungen in der Downtown erfolgreich war, zeigt dabei die Darstellung des täglichen Fortbewegungsmittels. Zur besseren Übersicht wurde auch hier wieder nach dem Arbeitsort unterschieden, da generell davon ausgegangen werden sollte, dass sich dadurch eine unterschiedlich lange Pendelstrecke zur Arbeit ergibt.

Fortbewegungsmittel_in_der_Downtown_Los_Angeles,_nach_Arbeitsort

Bei der Möglichkeit von Mehrfachantworten gaben 80% (511 Nennungen bei 637 Befragten) der Befragten an, dass sie sich täglich zu Fuß fortbewegen. Bei den in der Downtown Angestellten ist die Zahl mit 85% (325 Nennungen bei 382 Befragten, die in der Innenstadt arbeiten) sogar noch höher. Die Beobachtung von Wohnort und Wahl des Fortbewegungsmittels ergibt schließlich, dass die Menschen, die in der Downtown wohnen und arbeiten öfter zu Fuß gehen und seltener das Auto benutzen.

Zusätzlich dazu, nehmen sie auch die öffentlichen Verkehrsmittel in Anspruch. Allen voran den Dash Bus, der für 25 Cent große Gebiete der Downtown anfährt, ebenfalls wesentlich öfter. Während 62% derer, die in der Stadt wohnen und arbeiten, den Dash benutzen, sind es bei den außerhalb Arbeitenden nur 38%.

„(…) downtown transit is actually quite good. (…) Dash is the only bus that the people will take by choice. There’s a push for it going larger. And then there’s a push for downtown streetcar.” (Interview E) 

 

„I think Los Angeles is still not to the point where everybody can get away with not having a car but certainly in Downtown you can get away with using a car a whole lot less. (…) and it’s less likely to walk down the subway to get across downtown because its really build for going a longer distances. Same thing is with the metro busses. The system is designed for getting around L.A. rather than getting around downtown.” (Interview G)

Dies lässt darauf schließen, dass die Bewohner der Downtown durchaus bewusst in die Nähe ihres Arbeitsortes gezogen sind und die Akzeptanz des ÖPNV innerhalb dieser Bevölkerungsgruppen sehr ausgeprägt ist.

„Having a one block commute (in Historic Downtown) is very common” (Interview K)

Die Mischung der Funktionen Verkehr, Wohnen und Arbeit funktioniert also in der Downtown sehr gut und könnte durch den geplanten Ausbau des Verkehrsnetzes noch forciert werden. Eine Tendenz, das Auto stehen zu lassen, um so die urbanen Vorteile einer Nutzungsmischung genießen zu können, ist durchaus zu erkennen. Mit dem geplanten streetcar und einem weiteren Ausbau des Straßen- und U-Bahnnetzes könnten weitere Alternativen geschaffen werden, von denen die Bewohner der Downtown profitieren könnten.

Die Frage nach dem Modal Split kann also insofern beantwortet werden, dass es eine Tendenz gibt, Wege zu Fuß zurückzulegen. Dies ist zwar wesentlich ausgeprägter bei denen, die auch zentrumsnah arbeiten, aber dies lässt sich vorrangig durch das noch mangelhafte ÖPNV-Netz und lange Pendelzeiten erklären, was durch die Experten auch so ausgesagt wurde.

Die aktuelle Situation

Wie sehr sich das allgemeine Vorurteil des immer im Auto sitzenden Amerikaner von den tatsächlichen Bewohnern der Downtown unterscheidet, zeigen weitere Auswertungen, die sich unter anderem mit dem Entertainment- und Freizeiteinrichtungen sowie den Naherholungsmöglichkeiten beschäftigt haben. Aber auch hierfür ist noch etwas Geduld gefragt, bevor es mit den Auswertungen der Entertainment-Komplexe weitergeht, die sicherlich auch für den nächsten Urlaub von Interesse sein könnten. – Zusätzlich natürlich zur derzeitigen Lage des Schul-, Verkehrs- und Imageproblems einiger Bereiche der Downtown von Los Angeles.

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