Wie wird man Suburbanist?

Buchempfehlung: Meine Frau will einen Garten

Studenten, junge Singles und Paare sind klassische Innenstadtbewohner: möglichst zentral, möglichst eine Auswahl an Einkaufsmöglichkeiten und Kneipen um die Ecke und nahe an der Uni bzw. später dem Büro gelegen, so die Kriterien bei der Wohnungssuche. Jungen Familien wird hingegen das Einfamilienhaus im Umland als klassischer Wohnstandort zugeordnet. Auch wenn das Einfamilienhaus mit Garten für einen großen Teil der Familien immer noch das Ideal bilden, gilt dies für das Umland nicht. Zahlreiche Wanderungsmotivuntersuchungen haben gezeigt, dass Suburbia von Familien nicht als idealer Wohnstandort angesehen wird. Die überwiegende Zahl der ins Umland ziehenden Familien sucht zunächst in der Stadt nach einem bezahlbaren Einfamilienhaus. Erst die Feststellung, dass in den teuren Großstädten an die Finanzierung eines halbwegs großen Einfamilienhauses nicht zu denken ist, treibt die Familien ins Umland.

Die Herausforderungen

Aber wie vollzieht sich dieser krasse Übergang vom Wohnen in der zentralen Mietwohnung hin zum Häuschen im Grünen? Tatsächlich ist es ja nicht so, dass Paare sobald sie ein Kind in die Welt setzen, direkt auch ein Haus kaufen. Meist kommen diese Überlegungen erst später, oft erst mit dem zweiten Kind. Zum einen stehen die Eltern dann zunehmend vor einem Platzproblem in ihrer Wohnung, das heißt ein Umzug ist ohnehin unausweichlich. Zum anderen ist das erste Kind dann bereits in einem Alter, in dem es theoretisch alleine draußen spielen könnte – wäre da nicht das Problem der vierspurigen Straße vor der Tür. Der Abwägungsprozess, sein Leben auf diese Weise umzukrempeln muss enorm sein, denn nicht nur die Alltagsorganisation ändert sich radikal, wenn nicht mehr alles mehr oder weniger fußläufig erreichbar ist. Auch das soziale Umfeld ist ein anderes, allein schon, weil die Erwartungen, die man an den Kontakt zu den Nachbarn stellt, in einer Einfamilienhaussiedlung andere sind, als in einem 10-Parteien Mietshaus.

Die (Vorab-)Überlegungen

Man stelle sich vor, zu diesen Überlegungen kommt noch hinzu, dass ein Ehepartner meint auch in einer zentralen Altbauwohnung könne man doch ganz prima Kinder großziehen. Und um das noch zu toppen, stellen wir uns das ganze noch auf dem Münchner Wohnungsmarkt vor, in dem man das nächstgelegene bezahlbare Einfamilienhaus schon fast in den Alpen suchen muss. Unter diesen Ausgangsbedingungen hat der Süddeutsche-Redakteur Gerhard Matzig ein Haus am Münchner Stadtrand gebaut und darüber ein Buch geschrieben. Man denkt nun an großen Frust und ausgewachsene Ehekrisen und doch ist „Meine Frau will einen Garten: Vom Abenteuer, ein Haus zu bauen“ eines der lustigsten Bücher, die ich im vergangenen Jahr gelesen habe. Viel besser als statistische Untersuchungen zu Wanderungsmotiven und Umzugsverhalten bietet das Buch außerdem ein Verständnis dafür, welche Abwägungs- und Entscheidungsprozesse der einzelnen Haushalte hinter dem Prozess der Suburbanisierung stecken.

Noch nicht gänzlich überzeugt?

Im Folgenden YouTube Video erzählt der Autor, Gerhard Matzig, noch ein wenig über die Entstehungsgeschichte des Buches. Immerhin basiert dieses Buch wirklich auf wahren Tatsachen und Erlebnissen. Vermutlich der Grund, warum es so herrlich unterhaltsam ist. Die besten Geschichten erzählt nun mal das Leben selbst.

Kommentare

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Wohnen in Münster - UrbanFreak

  2. Pingback: Nutzungsmischung in den USA - UrbanFreak

Schreibe einen Kommentar