Wie mobil sind die Bonner?

Aufbauend auf meinem ersten Artikel zur Mobilität, möchte ich heute den zweiten Teil meiner (Fahrrad)Reise durch die wundervolle Stadt Bonn schildern. Im Rahmen meiner Diplomarbeit habe ich das Mobilitätsverhalten der Bonner Bürger im Allgemeinen und genauer, der Bonner Universitätsangestellten und –studenten untersucht und möchte nun einige meiner Erkenntnisse mit einer breiten Leserschaft teilen.

Die Bundesstadt Bonn

Die Stadt Bonn liegt im südlichen Teil von Nordrhein-Westfalen und ist in die vier Bezirke Hardtberg, Bad Godesberg, Bonn und Beuel untergliedert. Sie wird, im Norden angefangen und im Uhrzeigersinn fortlaufend, von den Nachbargemeinden Niederkassel, Troisdorf, Sankt Augustin, Königswinter, Bad Honnef, Remagen, Wachtberg, Meckenheim, Alfter und Bornheim umgeben. Bis auf Remagen, welches zu Rheinland-Pfalz (Landkreis Ahrweiler) gehört, zählen die Gemeinden zum Rhein-Sieg-Kreis. Die Stadt Bonn erstreckt sich in Nord-Süd- bzw. Ost-West-Richtung auf 15 km bzw. 12,5 km. Dabei lebt knapp die Hälfte der Einwohner im Stadtbezirk Bonn (147.716 Personen). Der Bezirk Hardtberg stellt den kleinsten Stadtteil Bonns dar (32.776 Personen).

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität wurde 1818 gegründet und bietet rund 30.000 Studierenden einen Studienplatz. Etwa 9.000 Arbeitsplätze stehen für Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter sowie für die Mitarbeiter in Technik und Verwaltung zur Verfügung. In der Summe machen die Universitätsangehörigen ca. 1/10 der Bonner Bevölkerung aus und bringen somit einen erheblichen Anteil in das Gesamtverkehrsaufkommen der Stadt Bonn mit ein.

Gerade weil die Universität Bonn als Bildungs- und Arbeitsstätte fungiert, ist sie als Untersuchungsobjekt interessant. Nicht nur Studierende, sondern auch Lehrkräfte, Auszubildende sowie Mitarbeiter aus Technik und Verwaltung finden täglich den Weg zu den jeweiligen Instituten und bieten ein breites Spektrum an individuellen Mobilitätsmustern.

Campus City

Der Campus City liegt im Stadtzentrum und umfasst diverse Gebäude. Dort befinden sich die Geisteswissenschaften sowie die Theologische Fakultät. Zum City Campus gehören weiterhin die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät, die weiter südlich vom Hauptgebäude liegt. Mit dem ÖV ist der Campus City sehr gut zu erreichen, da dieser in der Nähe des Hauptbahnhofes und des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) gelegen ist. An diesem Hauptverkehrsknotenpunkt treffen U- und S-Bahn sowie nahezu alle Buslinien der Stadt zusammen. Auch der überregionale Schienenverkehr ist am Bonner Hauptbahnhof angeschlossen. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, die U-Bahn-Haltestelle „Universität-Markt“ zu nutzen und direkt am Hauptgebäude auszusteigen. Die Staatswissenschaftliche Fakultät wird von der U-Bahn an der Haltestelle „Juridicum“ bedient. Das Vorfeld des Hauptgebäudes ist für Kfz gesperrt, so dass viel Platz für das Abstellen von Fahrrädern zur Verfügung steht.

Vorplatz Hauptgebäude Universität Bonn

Campus Poppelsdorf

Der Campus Poppelsdorf liegt am Fuße des Venusberges. Hier befinden sich die Institute der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen, der Landwirtschaftlichen sowie der Medizinischen Fakultät (Vorklinik). Weiterhin sind die Botanischen Gärten der Universität hier angelegt.

Zu erreichen ist der Campus mit den Buslinien 601 bis 607 sowie der Linie 631, die jedoch nicht den ZOB bzw. Bonner Hauptbahnhof anfährt. Pkw-Parkplätze sind wegen anliegender Wohngebiete sowie des Poppelsdorfer Subzentrums nicht nur für Studierende und Angestellte interessant. Daher ist z.B. am Parkplatz in der Nähe des Geographischen Instituts eine Schrankenanlage installiert ist, damit nur berechtigte Personen die Parkplätze nutzen können. Fahrradabstellanlagen sind in unterschiedlicher Anzahl und Qualität institutsbezogen am gesamten Campus Poppelsdorf vorhanden.

Innenhof des Geographischen Institutes der Universität Bonn

Der neue Campus Poppelsdorf wird auf den „100-jährigen Versuchsfeldern“ der Landwirtschaftlichen Fakultät entstehen. Bis 2015 werden hier drei Gebäudekomplexe für Institute und ein Hörsaalgebäu-de erbaut, die den bisherigen Campus erweitern. Die Bauarbeiten haben im Februar 2012 begonnen.

Campus Endenich

Am Campus Endenich befinden sich weitere Einrichtungen der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen und der Landwirtschaftlichen Fakultät. Der Campus Endenich liegt unmittelbar an der BAB 565 und beherbergt das Institut für Evolutionsbiologie und Ökologie, die Fachgruppe Chemie und Pharmazie sowie vier weitere Institute der Universität. Angeschlossen ist der Campus an das Busliniennetz der Stadtwerke Bonn (SWB) und wird mit den Linien 610 und 611 bedient. Etwas weiter entfernt in Richtung Norden befindet sich die U-Bahn Haltestelle „Probsthof Nord“ (Linien 16 und 63). Der Campus Endenich bietet zwei großflächig angelegte Pkw-Parkflächen sowie Fahrradabstellanlagen, die zum Teil überdacht sind.

Fahrrad Abstellanlagen Endenich

Campus Bonn-Castell (Römerstraße)

Dieser Campus liegt im Norden von Bonn. Die Römerstraße, die BAB 565 sowie der Rhein inklusive der Promenade grenzen das Areal ab. Der ÖV bedient den Campus mit den Buslinien 551, 600 und 601, Haltestelle „Pädagogische Fakultät. Eine Tiefgarage bietet Autofahrern eine komfortable Parkmöglichkeit. Fahrradfahrer können aus nördlicher oder südlicher Richtung die Rheinpromenade zur Anfahrt nutzen.

Ehemals ansässige Einrichtungen, wie das Zentrum für Evaluation und Methoden (ZEM), die Fachbereiche Altamerikanistik und Psychologie mussten wegen der PCB-Belastung an andere Standorte umziehen. Die Informatik ist noch in der Römerstraße zu finden, wurde jedoch teilweise in das ehemalige Landesbehördenhaus (Olof-Palme-Allee/ Bundesstraße 9) ausgelagert. Voraussichtlich stehen ab 2014 die neuen Bauten auf dem Campus Poppelsdorf zur Verfügung.

Fahrrad Abstellanlagen Römerstraße

Ehemaliges Landesbehördenhaus

Das ehemalige Landesbehördenhaus liegt an der Bundesstraße 9 in Richtung Bad Godesberg (südöstlich der Bonner Innenstadt), nahe der BAB 562. Der Autobahnanschluss der BAB 562 liegt in Sichtweite des Gebäudes. Fußläufig befindet sich die U-Bahnhaltestelle „Deutsche Telekom/ Olof-Palme-Allee“ die von den Linien 16/ 63/ 66/ 67 und 68 bedient wird. Südwestlich des Gebäudes befindet sich ein Fahrradweg, der entlang der Bahntrasse 3,6 km lang direkt in die Bonner Innenstadt führt. Es sind Parkplätze sowie überdachte Fahrradabstellanlagen vorhanden.

Fahrrad Abstellanlage LBH

Universitätskliniken

Topographisch gesondert zu den vorangegangenen Campus-Standorten liegt das Universitätsklinikum der Universität Bonn (im Folgenden UKB) auf dem 176 m hohen Hochplateau des Venusberges. Die anderen Standorte der Universität liegen auf ca. 60 m üNN im Stadtgebiet von Bonn. Der Höhenunterschied des UKB zu den anderen universitären Standorten könnte sich auf das Mobilitätsverhalten der Probanden auswirken. Die Unikliniken sind über die Busse 600, 601, die Nachtbuslinie N5 und die Linie 630 zu erreichen, wobei die 630 nicht den ZOB anfährt. Auf dem Gelände werden zurzeit mehrere Parkhäuser gebaut, die dem MIV gute Parkmöglichkeiten bieten. Fahrradabstellanlagen verschiedenster Qualität sind vorhanden. Leider scheinen hier die Angestellten und Studenten aber besonders beschäftigt zu sein, da sich das UKB an meiner Erhebung als einzige Institution nicht so recht beteiligen wollte.

Und nun?

Im Rahmen meiner quantitativen Befragung und im Zuge der persönlichen Beobachtungen an diesen Standorten, habe ich nun versucht herauszufinden, wie die Bonner Ihre Arbeits- und Ausbildungswege gestalten. Der entworfene Fragebogen wurde in Kooperation mit dem Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) „Betriebe lösen Verkehrsprobleme“ im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2012 bzw. mit der Arbeitsgruppe Stadt- und Regionalforschung der Universität Bonn abgestimmt. Dadurch war es mir möglich, erste Erfahrungswerte des Fragebogens einzubeziehen. Der weitere Projektverlauf sieht bis März 2013 vor ca. 200 Bonner Betriebe bzgl. ihres Mobilitätsverhaltens zu untersuchen und hinsichtlich eines betrieblichen Mobilitätsmanagements zu beraten.

Das Institut für Bodenkunde an der Universität Bonn

Und? Wie mobil sind die Bonner nun?

Moment, ganz so weit sind wir noch nicht. Es ist wichtig zu wissen, ob es an den einzelnen Orten Gründe gibt, vielleicht auf das Rad zu verzichten und doch eher den PKW zu nehmen. An jedem der Standorte hatte ich daher eine Bestandsaufnahme mittels Fotografien durchgeführt und positive wie negative Gegebenheiten dokumentiert. Hierbei wurden insbesondere Fahrradabstellanlagen, ÖPNV-Anschlüsse der untersuchten Standorte sowie Besonderheiten der Parkplatzsituation für Pkw in Augenschein genommen.

Gerade im Bereich der Fahrradmobilität zählen Fahrradabstellanlagen zu den aufzunehmenden Infrastruktureinrichtungen. Sind diese überdacht, sicher und/ oder beleuchtet und in Quantität und Qualität ausreichend verfügbar – das sind nur einige Faktoren, die untersucht werden. Diese Punkte können ausschlaggebend bei der Entscheidung für oder gegen das Fahrrad bei der Fahrt zur Universität sein. Ähnlich wird die Parkplatzverfügbarkeit für Pkw an den Instituten erhoben. Der Anschluss des ÖV ist an allen Instituten gegeben, jedoch stellen sich hier vielleicht auch Standortvorteile und -nachteile heraus. Die Institute wurden aufgrund von ähnlich hohen Studierendenzahlen aus dem Wintersemester 2008/ 2009 ausgewählt. Zu der Zeit waren an jedem ausgewählten Institut über 1.000 Studierende immatrikuliert.

Aber jetzt!?

Nun soll vorerst verraten werde, wer überhaupt an der Studie teilgenommen hat, bevor sich den Ergebnissen gewidmet werden kann:

Im Rahmen der Diplomarbeit wurden 655 Fragebögen komplett ausgefüllt und zurückgegeben, wovon 48,1% der Teilnehmer in Wirklichkeit Teilnehmerinnen waren und 47,5% waren männlich. Weitere 4,4% der Befragten konnten sich entweder nicht entscheiden bzw. gaben bei dieser geschlossenen Frage keine der beiden Antwortmöglichkeiten an.

Am aktivsten unterstützen die Universitätsangehörigen vom Campus in Poppelsdorf (52,1%) den fleißigen Diplomarbeitsschreiber, wohingegen der Venusberg nicht viel von nachbarschaftlicher Hilfe hält. Ausgerechnet die angehenden Ärzte vermieden es bis auf wenige Ausnahmen an der Studie teilzunehmen. – Eigentlich schon fast wieder ein Thema für eine neue Arbeit, oder? Wirkt sich der Studiengang etwa auf die Teilnahmebereitschaft an Studien aus?
Zumal es sich die geringe Teilnahmebereitschaft sowohl auf die Mitarbeiter als auch die Kommilitonen bezog.

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