US-amerikanische Stadtentwicklung

USA Stadtentwicklung und die regionalen unterschiede in der US-amerikanischen Stadtentwicklung

US-Stadtplanung und somit auch us-amerikanische Stadtentwicklung in den USA unterscheidet sich in vielen Punkten von den europäischen Ansätzen. Der zehnte Zusatzartikel der Verfassung von 1791 sieht keine übergeordneten, nationalen Planungsleitbilder vor, die von den einzelnen Staaten berücksichtigt werden müssen. Aufgrund des Systems der politischen Fragmentierung in den USA gibt es somit keine bindenden Vorschriften oder Rahmenbedingungen. Jede Stadt hat das Recht eigene Planungsvorschriften zu entwerfen und umzusetzen.

Selbstbestimmte Planung

Natürlich sind aber auch amerikanische Städte nicht gänzlich ungeplant. – Selbst wenn dies vielleicht ab und an den Anschein hat. Geregelt wird die städtische Planung in den USA durch einen stadtweiten general plan, oder ein general plan framework, in dem die wichtigsten Regelungen aufgestellt und einsehbar sind. Eventuelle Fragen oder Streitigkeiten werden ausschließlich durch Gesetze bzw. Gesetzesänderungen geklärt, die notfalls in langwierigen Gerichtsverhandlungen abgeändert oder nicht abgeändert werden.

Law and Order

us-amerikanische Stadtentwicklung: Hausfassade eines Hotels in Downtown Los AngelesRaumplanung in den USA ist daher unumgänglich ein „Fall für’s Gesetz“, welches aber dezentral festgelegt wird und von Stadt zu Stadt sehr unterschiedlich geregelt bzw. ausgelegt sein kann. Durch diese föderale Politik, welche die Zentralisierung jeglicher Art verhindern soll, wird privates Unternehmertum gefördert und kommunale Entscheidungen werden forciert.

Der so genannte privatism ist daher eine äußerst wichtige Kraft in der us-amerikanischen Stadtentwicklung. Dieser ermöglicht den Einbezug der Privatwirtschaft in eigentlich staatliche oder kommunale Bauaufgaben. Da sich die Privatwirtschaft aber wiederum aus vielen verschiedenen Interessenverbänden zusammensetz, die sich mit unterschiedlichen Zielen in die Stadtplanung einmischen ist die Regierungsgewalt der öffentlichen Einrichtungen eingeschränkt. Gerne werden die öffentlichen Stellen daher eher als ein Vermittler zwischen den einzelnen Parteien statt als Regulierungsmedium verstanden.

Die zwei Parteien

Die Regierung erhält durch das System der so genannten checks and balances eine reaktive Stellung. Hierdurch steht die us-amerikanische Stadtentwicklung ganz im Sinne der privaten Investoren, und daher in erster Linie unter dem Prinzip der Profitmaximierung. Während die Privatwirtschaft dabei durchaus bereit ist Risiken einzugehen, um den größtmöglichen Profit aus einem Geschäft herauszuholen, warten staatliche Behörden meistens ab und folgen dem Markt statt ihn zu bestimmen. Dies ist dann auch einer der Gründe, warum gerade die Hochhäuser auch immer als Statussymbol angesehen werden und weitaus imposanter sind als die europäischen Gegenparts. Wer investiert will eben auch zeigen, dass er den längsten (Wolkenkratzer) besitzt.

Öffentliche Bürokratie und die Gewinnmaximierung

Raum- und Stadtplanung spielt sich also in den USA zwischen zwei sehr gegensätzlichen Akteuren ab: Auf der einen Seite steht der öffentliche Akteur, der bei Fehlplanungen zur Rechenschaft gezogen wird, daher Risiken scheut und das bürokratische Rahmenprogramm stellt. Auf der anderen Seite geht der private Unternehmensakteur Risiken ein, um sein Kapital zu vergrößern.
Für gewöhnlich besitzen die jeweiligen Kommunalverwaltungen so genannte comprehensive oder community plans, in denen die wichtigsten Kernthemen der lokalen Raumplanung flächendeckend geregelt sind.
Diese legen in erster Linie die Vorgehensweisen und Ziele der lokalen Stadtplanung für Landnutzung, Erschließung und sozio-ökonomische Entwicklung fest.

Stadtteil South Park in L.A. als Beispiel us-amerikanischer StadtentwicklungZudem werden in ihnen die rechtlichen Grundlagen wie etwa die Höhen- oder zoning-Vorschriften, bzw. das transfer of development rights und eventuell noch andere, zusätzlich bestehende lokale Verordnungen behandelt. Gerade bei der Höhe gibt es sehr dezidierte Vorschriften, die zwar wiederum in jeder Stadt unterschiedlich ausgelegt werden können, die aber im Kern immer ähnlich sind. – Je höher ein Haus in der Umgebung, desto niedriger muss die Peripherie sein. Was allerdings als „hoch“ und was als „Peripherie“ bezeichnet wird, ist je nach Stadt sehr verschieden.

Was wird wo gebaut?

Die Landnutzung und Bebauung wird insoweit geregelt, dass festgelegt wird, wo industrielle und kommerzielle Nutzungen erfolgen dürfen, oder wo Wohnnutzung im Vordergrund stehen muss. Meist erfolgt neben dieser Einteilung noch eine weitere Unterteilung in Ein- und Mehrfamilienhaussiedlungen, sowie öffentliche und unterhaltungsorientierte Flächen. Wie weitreichend diese generalisierten Pläne sind, wird in späteren Beiträgen am Gebiet der Central City von Los Angeles noch näher erläutert.

Durch die starke Konzentration der amerikanischen Stadtplanung auf die Privatwirtschaft, die im Gegensatz zu den öffentlichen Einrichtungen wesentlich freier über Kapital verfügen kann und wesentlich weniger ortsgebunden ist, wird das Kapital dort eingesetzt, wo es den meisten Ertrag abwirft. Das bedeutet, dass die nachgefragten Metropolen florieren und in Detroit mehr und mehr Landwirtschaft in den Stadtgrenzen betrieben wird. – Das wäre aber ein anderes Thema.
Die Maxime der Gewinnmaximierung führte zur Dezentralisierung, steigender Suburbanisierung und der Ausbildung von Bürostandorten oder edge cities. Steigende Grundstückspreise in den zentralen Teilen der Städte führten im Laufe der Zeit dazu, dass sich der flächenintensive Wohnungsmarkt, besonders für Einfamilienhaussiedlungen, immer weiter in das suburbane Umland ausbreitete, wo die Grundstückspreise niedriger, die Flächen größer waren und somit mehr Rendite abwerfen konnten.

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