URBEX: Urban Exploration

Tunnelsystem Island

Vermutlich liegt es ein wenig an den ganzen Filmen, die ich bei dem Wetter anschaue, oder an dem Spiel, dass seit eingen Tagen in der Facebook-Grupper herumgeistert, aber heute geht es um Stadterkundung. Genauer gesagt um das Erforschen verlorener, vergessener Plätze überall auf der Welt. Immerhin gab es am Wochenende den ein oder anderen Horrorfilm und eins haben diese dann meistens ja doch immer gemeinsam: gruselige Plätze.

Was ist UrbEx?

Als Urban Exploration bezeichnet man zumeist die Erkundung von Ruinen, Kanalisationen oder Katakomben und anderer recht verlorener Plätze. Immerhin hat jeder Ort doch seinen ganz besonderen Reiz. Egal wie weit dieser weg liegt und egal wie lange dieser Ort schon verlassen ist. Schon als Kind hatte man seinen Spaß dabei als Urban Explorer Häuserruinen (ok, noch nicht fertiggestellte Neubauten) zu besichtigen und auch die geheimsten der geheimen Ecken zu finden. Spätestens ab einem zweistelligen Lebensjahr lässt diese Faszination zwar ein wenig nach bzw. wird dummerweise etwas, für das man auch durchaus einmal belangt werden kann, aber so ganz darauf verzichten will man meistens dennoch nicht auf diese Erkundungsausflüge.

Dies kann dann mal das Tunnelsystem unter Berlin sein, wie im Film Urban Explorer, den ich am Wochenende gesehen habe (sehr coole Bilder nebenbei), oder die Erkundung von verlassenen Ortschaften sein.

Urban Exploration als olympische Sportart

Von der Faszination angesteckt begab ich mich direkt auf die Recherche und fand weitere Orte, die schon von UrbEx Enthusiasten angegangen worden sind. So habe ich auf dem YouTube Kanal von Urbantravel zum Beispiel das Video über die olympischen Sportstätten in Berlin gefunden.

Nach den Spielen von Berlin 1936 wurden viele Einrichtungen zunächst zur Ausbildung für Militärs genutzt und schließlich, nach dem Krieg, vom sowjetischen Militär als Kasernen genutzt. Sicherlich sind alles nicht unbedingt die Dinge, für welche die Olympischen Spiele eigentlich stehen, aber interessanterweise ist es etwas, dass sehr vielen olympischen Stätten wiederfahren ist. Ein klein wenig Recherche später, gelang es mir nämlich folgende Olympia-Städte zu finden, die heutzutage wohl nur noch von Urban Explorern aufgesucht werden.

1924, 1984, 2004

Sowohl Paris als auch Sarajevo und Athen scheinen nämlich nach den jeweiligen Spielen kein großes Interesse mehr an den Sportstätten gehabt zu haben. Zugegebenermaßen, die Spiele von Paris liegen mittlerweile fast 90 Jahre zurück und die Sportstätten sind etwas in die Jahre gekommen und Sarajevo hatte zumindest in den 1990er Jahren sicherlich andere Sorgen als seine Sportstätten zu pflegen. Was Athen allerdings aus den investierten 13 Milliarden Euro gemacht hat, ist schon als eher abschreckendes Beispiel olympischer Nachhaltigkeit zu sehen. Da kann man ja fast froh sein, dass die recht florierende Region um die Stadt Leipzig die Spiele 2012 (Olympia als Hoffnungsträger regionaler Entwicklungspolitik [pdf]) nicht bekommen hat.

Es scheint fast so, als ob sich die meisten Gastgeberstädte der Olympischen Spiele nach Abschluss der Feierlichkeiten nicht mehr wirklich um die Sportstätten kümmern würden. Gut für die Urban Explorer, aber schade für den Sport. Vor allem, wenn man sich ansieht was aus den ach so prachtvollen Spielen von Peking im Jahr 2008 übrig geblieben ist.

Ein paar Einblicke

Wenigstens scheint sich die Bob-Bahn der Spiele in Sarajevo hervorragend zum Mountainbiken zu eignen. Die passionierten und vor allem angstfreien Outdoorsportler und UrbEx Affinen sollten daher auf ihre Kosten kommen.

Zwar werden die 11 Millionen, die es jährlich kostet das Pekinger “Bird’s Nest” zu unterhalten in keinster Weise durch Veranstaltungen reingeholt, aber besser als das Beachvolleyballstadion sieht es allemal noch aus. Hier hat sich seit den Olympischen Spielen 2008 sicherlich niemand mehr zum spaßigen Beisammensein getroffen.

Weitere Orte und Plätze, die sich für ein UrbEx-Wochenende eignen, gibt es im Virtual Museum of Dead Places des Studiengangs Kommunikationsdesign der HTW Berlin zu finden. Von verlassenen Basaltabfüllanlagen im Raum Kassel bis hin zum Bokor Mountain Casino in Kambodscha lassen sich dort allerhand Plätze auf der Welt finden, die es zu erkunden gilt. Zumindest, wenn man sowieso in der Nähe ist. Aber die nächste beliebte Touristenmetropole ist bei vielen dieser Urban Exploration Möglichkeiten sicherlich nicht weit weg. – Na ja, außer vielleicht im Fall von Kassel.

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