Urbanicom – die digitalen Effekte auf die konkrete Stadt

Am 8. und 9. Juni findet in Dortmund die 38. Studientagung zum Thema „Die digitalen Effekte auf die konkrete Stadt“ statt. Veranstalter ist die Urbanicom – Deutscher Verein für Stadtentwicklung und Handel e.V.. Als internationale Vereinigung „Stadtentwicklung und Handel“ 1966 in Brüssel gegründet, trifft sich die deutsche Abteilung seit 1976 jährlich um über die Förderung von Urbanität, Nutzungsvielfalt und Lebendigkeit in städtischen Zentren zu beraten.

Thema in diesem Jahr sind nun eben „Die digitalen Effekte auf die konkrete Stadt“, bei der es unter anderem um diese Hauptpunkte gehen wird:

  • „Veränderungen im Handel“
  • Neue Partnerschaften in der Stadt“

In einzelnen Vorträgen wird es also darum gehen den Einfluss digitaler Entwicklungen auf den lokalen Handel und lokale Gastronomien sowie die einzelnen Akteure der konkreten Stadt zu gehen.

Referenten bei „Die digitalen Effekte auf die konkrete Stadt“

Vortragende sind laut der Homepage des Referenten Michael Lobeck (promediare / Geographisches Institut der Universität Bonn) folgende:

  • Linda Wonneberger / checkitmobile GmbH: „Mobile Marketing am Point of Sale“
  • Roland Wölfel / CIMA Beratung + Management Gmbh: Sinn und Unsinn lokaler Online-Plattformen
  • Daniel-Jan Girl / DGMK Deutsche Gesellschaft für multimediale Kundenbindungssysteme mbH: „Digitale Anwendungen in der Stadt“
  • Prof. Dr. Ina Schieferdecker / Fraunhofer Institut für offene Kommunikationssysteme FOKUS: „Stadt, die die Digitalisierung »lebt«“
  • Axel Weber / Axel Weber & Partner: „Neue Gastronomiekonzepte für die Stadt“ & „Destinationen einer Digitalen Welt“
  • Dr. Dieter Kraemer / InWIS Forschung & Beratung GmbH / Geschäftsführer: VBW Bauen und Wohnen GmbH (a.D.): „Lebendige Innenstädte durch vermehrte Wohnnutzung“
  • Und natürlich noch Michael Lobeck / promediare & Geographisches Institut der Universität Bonn: „Kommunale Digitalisierung in der Praxis“ & „Was Kommunen aus dem Smart-City-Projekt T-City Friedrichshafen lernen können“

Insgesamt also eine recht lange Liste, die sich auf der (zumindest mobil nicht optimierten) Website von Urbanicom irgendwo finden lässt. Vermutlich. Jedenfalls die besten Voraussetzungen für eine Veranstaltung in der es um die digitale Entwicklung und die Zukunft der Städte geht. Aber dank des mobilfähigen Blogs von Michael Lobeck, der nebenbei zu der Arbeitsgruppe des Professors gehört, bei dem ich meine Diplomarbeit geschrieben habe (Prof. Dr. Wiegandt, Stadt- und Regionalforschung), gelang es mir nun auch über das Handy diese „digitalen“ Informationen zu gewinnen.

Ein kleiner Exkurs zur mobilen Digitalisierung und der Wohnnutzung in der Innenstadt

Durch WordPress ist es möglich nicht nur Urbanfreak.de in einem responsiven Design darzustellen und für alle digitalen Endgeräte zu optimieren. Egal ob Smartphone, Tablet oder Desktop-PC. Alle Blogs, die auf WordPress basieren, eines der (meistens kostenlosen) Themes benutzen und in den letzten 2-3 Jahren ab und an einmal aktualisiert wurden haben diese Funktion, welche ich auf der Veranstaltungsseite nicht finden konnte. Aber gut, kommen wir wieder zum eigentlichen Thema und schauen wir uns an, worum es bei der 38 Studientagung zur digitalen Zukunft in unseren Städten im Genauen geht.

Immerhin wohne ich ja in Bonn, in der Stadt, die dieses Jahr nicht nur das Karneval in der Altsatdt aufgrund eines klagenden Anwohners absagte, sondern in den letzten Jahren auch noch zentrale Veranstaltungen in der Innenstadt bzw. dem Münsterplatz verloren hat, da sich einige (wohlhabende) Anwohner der Innenstadt über Lärm beschwerten. Seien es nun ein national hochkarätig besetztes Beachvolleyball-Event, die Klangwelle (wo Wasser bei Beethoven-Musik durch die Luft gepustet wird), die Rheinkultur nicht mehr existiert oder die durch weitere „besorgte“ Innenstadt-nahe Anwohner in Verruf geratenen Konzerte. – Eine Liste, die beliebig erweitert werden könnte und in denen die „vermehrte Wohnnutzung“ in der Innenstadt wohl eher nicht zur Stärkung des Einzelhandels beigetragen hat.

Ich persönlich wüsste nun zum Beispiel nicht, wann ich das letzte Mal etwas in der Bonner Innenstadt gekauft hätte. Ich glaube im Studium hieß es „Aktivitätenkopplung“ und bedeutete, dass man gerne mehrere Dinge miteinander verbindet. Ein Umstand, der mittlerweile in der schönen Bundesstadt immer schwieriger wird, wenn man zwischen Arbeit, shoppen und einem Cocktail Abends nur bis ca. 22h Zeit hat, sofern man gerne draußen vor einer der Kneipen sitzen möchte. – Also einer der zwei Kneipen wo dies generell noch geht und die tatsächlich noch bis 22h draußen Getränke anbieten (dürfen).

Ergebnis ist, dass Galeria Kaufhof (nebenbei traditioneller Ausrichter der Vorabends der Studientagung), Karstadt und Media Markt in Bonn nichts mehr von meinem Geld sehen, da sich die bereits angesprochene Kopplung von Aktivitäten für mich viel besser bezahlt macht, wenn ich nach der Arbeit dort ein neues Buch oder eine neue DVD oder BluRay (und von beiden habe ich einige) kaufe, wo ich anschließend länger als bis 22h ausgehen kann. Besonders erfreulich ist es natürlich noch, wenn nicht nur die Auswahl an Handel und Gastronomien größer ist sondern auch noch die Preise günstiger sind (oder nicht so horrend hoch wie in Bonn), da es so etwas wie Konkurrenz zwischen den einzelnen Cocktail-Anbietern (bei denen man draußen sitzen kann) gibt.

Welchen Herausforderungen müssen sich Handel und Städte im Zuge der Digitalisierung stellen?

Beantworte ich also doch direkt zwei der Fragen der Studientagung aus „Betroffenen Sicht“: durch die Digitalisierung kann ich innerhalb kürzester Zeit sehen, was ich wann und vor allem wo zu welchen Voraussetzungen bekommen kann. Seien es nun Produkte des episodischen oder periodischen Bedarfs. Unterhaltungselektronik, Bücher, Klamotten bekomme ich entweder in der Stadt oder über das Internet. Was ich wo kaufe mache ich von mehreren Punkten abhängig. Neben Qualität und Preis zählt bei mir vor allem die Zeit. Wie lang muss ich auf ein Produkt warten und wie schnell kann ich bekommen, wenn ich mich darum bemühe? Während ich einen Film eigentlich immer zur Veröffentlichung haben möchte, kann ich bei einem Wandbild als Galerie-Print in etwa einem Quadratmeter Größe auch mal sechs Tage auf eine Lieferung warten… 😉 Immerhin wiegen die Teile einiges und unhandliche 7 kg möchte ich nun nicht unbedingt in der Größe auf dem Rad transportieren.

Allerdings muss ich sagen, dass mich der Einzelhandel hier bislang gerne Enttäuscht.

Unzufriedenes Einkaufen im stationären Handel

Ich meine, sagen wir es ist der 10. Dezember 2007 (es war ein Montag) und man hat zufällig am Tag des DVD-Release einen etwas weniger stressigen Tag an der Uni und überlegt sich, dass man das Geschenk für Freitag (Eine Transformers DVD) ja schon kaufen könnte. Drei Geschäfte und etwas zwei Stunden später (Pro Markt, Kaufhof und Karstadt) weiß man, dass in allen drei Geschäften keine DVD dieses Blockbusters zu bekomen ist, da diese laut Geschäftsmitarbeitern:

  • noch nicht erschienen ist
  • schon Ausverkauft ist
  • erst Morgen geliefert wird

Ich hatte also knappe zwei Stunden meiner Zeit verloren, kam mit leeren Händen nach Hause bzw. zur Uni und durfte mir von schlecht informierten Leuten anhören, dass ich mich im Tag irren würde, weil so ein Blockbuster natürlich mit mehreren Kopien angeliefert werden würde (P.S. beim Pro Markt waren es zehn, die geliefert wurden!)…

Ende vom Lied war daher, dass ich die DVD bei Amazon bestellte und direkt zum Geburtstagskind am 14.12. liefern ließ. Soviel also zum lokalen Handel und der digitalen Zukunft. Dass es wirklich hoffnungslos ist, sich in Bonn auf die Suche nach bestimmten DVDs zu begeben bemerkte ich dann spätestens sechs Jahre später nochmal, als ich Ende Februar 2013 (wieder als Geschenk!) die Filme Paranormal Activity 1 – 4 besorgen sollte. Nach derselben Route wie 2007 hatte ich am Ende den dritten Teil erobern können. Der vierte – eine Woche vorher veröffentlich – hatte seinen Weg noch nicht in die Regale gefunden oder war wieder vergriffen und bei „so alten Filmen“ müsse man eben damit rechnen, dass diese bei so begrenztem Platz nicht mehr Verfügbar seien.

Na ja, sagen wir einfach, dass ich seitdem keine DVD / BluRay mehr in Bonn gekauft oder es versucht habe. Hier war ebenfalls wieder meine nächste Tat die estellung bei Amazon. Und wie 2007 auch, profitierte der viel gescholtene Großkonzern auch 2013 wieder von seinem Cross-Selling Potenzial, da ich mir auch hier wieder BluRays und Bücher holte, weil man auf weiteres „shoppen“ ja irgendwie keine Lust mehr in der Stadt hatte, da man sein eigentliches Ziel ja nicht erreichen konnte.

Aussagen wie die folgende kann ich daher leider aus eigenen Erfahrungen nur milde Belächeln:

„Der Handel ist hierbei zugleich Innovationstreiber und Betroffener und koppelt sich im E-Shopping von den herkömmlichen Planungsparadigmen der Kommunen ab“ (Urbanicom).

Für mich hat es der „typische“ Stationäre Handel versäumt sich auf dieses „Neuland“ Internet einzulassen. Große Einzelhandelsunternehmen vermisst man im Internet meistens und wenn diese dort sind, ist die Nutzererfahrung für mich meistens so schlecht, dass ich mich wieder zu dem amerikanischen Vorreiter orientiere.

Für mich ist die Krise im Einzelhandel zu großen Teilen selbst gemacht. Anstatt sich auf Dinge zu konzentrieren, die den lokalen Einzelhandel einst ausmachten (Verfügbarkeit, Beratung, Zentralität & Exklusivität), sind dies nun alles Punkte, die mir persönlich fehlen, wenn ich in die Stadt gehe. T-Shirts und Pullover gibt es anscheinend aus Prinzip nur in XS und XXL, Schuhe in Größe 39-40 scheint auch niemand kaufen zu wollen und wer will schon aktuelle Blockbuster, wenn sie aktuell sind…Hinzu kommen schlecht informierte und aufgrund der (vermutlich) minimalen Bezahlung auch noch die schlecht gelaunten Verkäufer sowie ein graues Einerlei an den immer wieder gleichen Geschäften in der Innenstadt.

Hinzu kommt, dass sich zu den immergleichen Geschäften bzw. Ketten die ebenfalls immer einheitlicher werdenden Gastronomien & Franchisenehmer gesellen. Statt zum Erlebnis-Shoppen wird ein Stadtbesuch dann schnell zum Frustbesuch, welcher zusätzlich noch dadurch getrübt wird, dass es immer weniger Plätze gibt an denen man seinen Abend ohne Auflagen verbringen kann.

Unabhängig davon, ob man sich nun im/am Brauhaus Machold, dem Pawlow, dem Lichtblick, dem Tacos oder einer der anderen „drei“ Kneipen in Bonn befindet. Spätestens ab 22h wird man hereingebeten bzw. darüber aufgeklärt, dass man ab jetzt leider keine Bewirtung draußen mehr bekommen dürfte. – Die lieben Anwohner und so…

Für mich ein Grund vermehrt meine Gehälter (ein guter Online-Unternehmer hat ja schließlich eigene Projekte wie diesen Blog) vermehrt in anderen Städten der Umgebung auszugeben, wo man sich als Kunde nicht ganz so unbeliebt vorkommt wie in Bonn. – Von einigen Ausnahmen natürlich abgesehen 😉

Die urbanicom-Studientagung und die Zukunft der Städte im digitalen Zeitalter

Dritter Punkt auf der Agenda sind die Partnerschaften und Allianzen, die sich ergeben müssen, damit die Städte nachhaltig überlegebn können. Ich bin gespannt auf die Ergebnisse und habe anhand des T-City Projektes, zu dem ich damals ein Geländepraktikum bei Prof. Dr. Wiegandt und Michael Lobeck gemacht habe, gesehen, was man mit der Verbindung von digitaler Technik und Stadtentwicklung alles erreichen kann. Allerdings bin ich noch nicht ganz davon überzeugt, dass der wichtigste Akteur im Ganzen „die Stadt“ begriffen hat, wer hier wirklich der „Feind“ ist.

Aber schauen wir doch einfach welches „Großereignis“ in innenstadtnähe als nächstes in Bonn abgesagt wird.

(1 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...

Veröffentlicht von

Sicherlich fragen sich jetzt alle, wer hier schreibt: Mein Name ist Helen Schrader, seit 2010 bin ich Diplom-Geographin (Uni Bonn) und eigentlich bin ich bei PIXUM in Köln im Bereich Online Marketing tätig. In meiner Freizeit schreibe ich an UrbanFreak und versuche der Geographie zumindest ein wenig treu zu bleiben.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar