The Last Bookstore

Nachdem es im letzten Beitrag ja etwas wissenschaftlich(er) zur Sache ging, ist es mal wieder Zeit für etwas Bildung nebenbei. Quasi zum mitnehmen und on-the-go bzw. eher on-the-bus. Heimlich still und leise merke ich nämlich, dass meine Beiträge doch tatsächlich aufmerksam gelesen und sogar einem größeren Publikum (dank Facebook Likes oder geteilten Inhalten) zugänglich gemacht werden. Und dafür möchte ich mich natürlich auf meine Weise bedanken. – Mit einem Reisetipp, falls es in nächster Zeit jemanden nach Los Angeles verschlägt.

Immerhin sollten Freaks ja geradezu angezogen werden von den erstaunlichen und wundersamen Orten dieser Welt. Zu meinen Nachschlagewerken gehört daher vor einem Urlaub immer der Atlas Obscura. Und wie es der Zufall so will, steht in nicht mal zwei Wochen mein nächster USA Aufenthalt an. Diesmal wird es zwar die Ostküste werden, aber das muss ja kein Hindernis sein um von der Westküste zu sprechen. Genauer gesagt über den schon in der Facebook-Gruppe erwähnten The Last Bookstore in Downtown Los Angeles.

Erdgeschoss des Last Bookstore

Die letzten werden die ersten sein

In Ordnung, wer nach dem Einleitungsbild noch nicht verstehen kann, warum ich einen ganzen Artikel über The Last Bookstore schreibe, wird nun (hoffentlich) eines besseren belehrt. In der Facebook-Gruppe hatte ich ja schon auf einen Artikel der L.A. Times hingewiesen, der nicht unbedingt kurz war und sich mit dem Laden auseinandersetzte.

Gründe hierfür sind schnell genannt. So befindet sich der Buchladen in einem der begehrtesten Wohnviertel der Downtown Los Angeles mitten in dem ehemaligen Hauptquartier der Citizens National Bank und der Laden erreicht mit seinen ein Dollar Produkten so viel Aufmerksamkeit wie der Filmstar von nebenan (sprichwörtlich).

So sieht der Last Bookstore in Downtown Los Angeles von Innen aus

Auswirkungen auf die Quartiersentwicklung

Außerdem ist es ein Paradebeispiel für die Aufwertung von innerstädtischen Quartieren durch nachbarschaftliche Hilfe. Sowohl der Umzug in die momentane Adresse als auch der Umbau bzw. die Renovierung des Gebäudes wurde zu großen Teilen durch die ansässigen Künstler durchgeführt. Vor kurzem wurde sogar expandiert und das zweite Stockwerk des riesigen Bankgebäudes wurde angemietet um noch mehr Platz für die Bücher und Platten zu schaffen. Momentan wird in besagten zweiten Stockwerk auch ein Bücherlabyrinth auf die Beine gestellt, welches den Last Bookstore nun wirklich zu einem Hauptanlaufpunkt in Downtown werden lässt.

Das Labyrinth beginnt

Während alle davon reden, dass Bücherläden langsam aussterben, schafft es dieser zu expandieren, während die Banken ringsum langsam aber sicher die Segel streichen. Der mittlerweile in Spring Arts Tower umbenannte Gebäudekomplex befindet sich außerdem an einer der Stellen mit den höchsten Grundmieten im gesamten Stadtteil. Schließlich gehörte die Gegend um Spring und Main Street zu den ersten revitalisierten Straßenzügen und wurde vom Investor Tom Gilmore seitdem mit viel Liebe zu Detail gepflegt. – Sicherlich auch, weil er in einem der Penthouses dort wohnt.

Alleinstellungsmerkmale und Authentizität

Innerhalb von weniger als zwei Jahren schaffte es The Last Bookstore nun nach ganz vorne und wurde nicht nur von Autoren hoch gelobt, die dort immer wieder gerne Signierstunden geben, sondern auch von Besuchern, Medien und Bewohnern der Stadt. Irgendwie fühlt man sich in den Filmklassiker High Fidelity versetzt, wenn man die Räume betritt und die Besucher beobachtet. Allein der Ort an sich hat etwas magisches. Vor allem für die nicht mehr so kleinen „Jungen“ der Stadt.

Der Tresorraum im Buchladen an der Ecke Spring und Main

Ich meine, noch nicht einmal die Thalia Buchhandlung im renovierten Metropol-Kino der Bonner Innenstadt kann mit so einem Standort beeindrucken. Egal ob leise Lesestunden im umgenutzten Tresorraum oder einsame Stunden im Bücherlabyrinth, der Last Bookstore schafft es Geschäft und Erlebnispark in einem zu sein, was bei den Kunden ankommt. Authentizität vermittelt nämlich nicht nur der Laden selbst, sondern auch der Besitzer, Josh Spencer.

Während andere Besitzer Wochen und Monate damit verbringen einen geeigneten Standort für ihr Geschäft zu finden und dann noch hunderte von Dollars in Markt- und Zielgruppenforschung stecken, folgte Josh einfach seinem Instinkt. Und das zu einer Zeit in der in den USA immerhin mit Borders eine der größten Buchketten Insolvenz anmelden musste.

Überall begegnen einem kleine Dinge, die den Last Bookstore so unikat machen

Nachbarschaftliche Hilfe und Unterstützung

Getrieben von der Idee, dass die Zeit reif für einen Laden mit gebrauchten Büchern, DVDs, Schallplatten und CDs war, öffnete der Last Bookstore im Jahr 2009 seine Pforten. Sein Traum war es (frei übersetzt aus einer Skype Unterhaltung mit ihm), dass er einen Platz schafft in dem sich alles befindet, was er cool findet und gerne teilen möchte. Ohne größere monetäre Aufwendungen wurde daher das Geschäft renoviert und Ausgestattet. Seien es die Skulpturen von Mike Piscitello, einem Studenten des nahegelegenen SCI-Arc oder die Belichtung von Brad Goldhorn. – Hauptberuflich immerhin Inhaber eines Fahrradladens in der näheren Umgebung.

Die gesamte Umgebung tat alles um diesen Traum zu erfüllen und schuf nun wirklich etwas, was sicherlich nicht nur Mr. Spencer „cool“ findet. Selbst Borders half beim Gelingen des Unterfangens. Durch die Pleite des Büchergiganten konnten dankenswerterweise Bücherregale billig in einem kürzlich geschlossenen Borders-Geschäft im nahe gelegenen Glendale erstanden werden.

Schallplatten, DVDs und CDs gibt es ebenfalls zu erwerben

Die Draufgänger der Downtown

Zum Erfolg des Last Bookstores trägt in gewisser Weise auch die direkte Umgebung bei. Zwar habe ich eingangs erwähnt, dass dort mittlerweile beeindruckende Mieten erreicht werden, aber zu einen großen Teil geht auch eine gewisse Anziehungskraft von diesem Ort aus. Nur einen Straßenzug weiter beginnt die so genannte Skid Row. Also das Viertel indem sich die Obdachlosen tummeln, Stundenhotels an jeder Ecke stehen und es Nachts durchaus mal passieren kann, dass man der Polizei des Öfteren begegnet. Unweit des Edelrestaurants Gorbals begegnen sich Meinungen zum Last Bookstore L.A.nämlich alle Dinge, welche die Downtown so interessant machen: Künstler, Obdachlose, Millionäre und Filmstars leben sprichwörtlich Tür an Tür und kommen (bislang) ohne Probleme miteinander aus. Es ist eine Art Milieu entstanden, in der sich alle Bewohner in einer gewissen Weise wohl fühlen und miteinander interagieren können, ohne dass es zu Spannungen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsschichten kommt.

Und gerade dieses Milieu scheint Interesse an den gebrauchten Gegenständen zu haben. Laut eigener Auskunft wurden in den ersten drei Tagen nach Eröffnung mehr Bücher verkauft (oder getauscht) als innerhalb eines Monats am alten Standort.

Definitiv eine Reise wert

Wem meine Erzählungen und die von der Pinterest Seite des Last Bookstores dankenswerterweise zur Verfügung gestellten Bilder Lust auf mehr gemacht haben, der sollte bei seinem nächsten Besuch in Los Angeles wirklich eine Reise in die Downtown einplanen. Neben den schon angesprochenen Produkten gibt es im Erdgeschoss des Last Bookstores nebenbei auch immer wieder Konzerte, Signierstunden und sogar Filmdrehs zu begutachten. Alle Informationen gibt es tagesaktuell auf der Homepage des Geschäftes.

Alle Bilder wurden von Josh Spencer genehmigt, der Pinterest Seite entnommen und von folgenden Fotografen gemacht: Jordan Nakamura, Reynaldo Arrieta, Coral Reyes aka Nii-chan & Rachel Kim.

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