Super Bowl 2013, The Wire und Full House

In der Nacht von Sonntag auf Montag startet das Spiel der Spiele im American Football. Der Super Bowl 2013. Die San Francisco 49ers treffen in New Orleans auf die Baltimore Ravens. Beide Teams stehen mehr oder weniger überraschend im Finale und haben sich gegen Teams wie die New York Giants, die New England Patriots oder die Denver Broncos durchgesetzt. Gerne wird im Vorfeld dieser Spiele immer nach irgendwelchen Besonderheiten gesucht, um den Kampf um die Vince Lombardi Trophäe noch interessanter vermarkten zu können. Sei es die Auseinandersetzung zwischen Alt und Jung (2012), der Kampf zwischen zwei Teams aus dem „Rust Belt“ (2011) oder die Auferstehung von New Orleans (2010). – Was ausgeschlachtet werden kann, wird vermarktet und medienwirksam inszeniert.

Facebook Statistik über Super BowlDieses Jahr ist die Geschichte vom Super Bowl nicht anders. Immerhin stehen sich mit der Stadt an der Bucht und der Mob Town zwei Städte gegenüber, die sich nicht nur an gegenüberliegenden Küsten befinden, sondern unterschiedlicher nicht sein können. Zumindest, wenn es nach den Medien geht. Es gibt aber auch sehr interessante Einblicke, wie ich finde. Sean Taylor, seines Zeichens immerhin Praktikant bei Facebook, hat das Ereignis zum Beispiel aus Sicht des sozialen Netzwerkes bzw. mit Hilfe der neuen Suchmaschine – welches sich noch in der Beta-Phase befindet – einmal untersucht.

Trainiert von Brüdern (John und Jim Harbaugh) befinden sich beide Teams dennoch in anderen Welten. San Francisco ist die Stadt in der Sonne, in der zwar auch nicht alles problemlos läuft, die allerdings wirtschaftlich, touristisch und finanziell floriert, während Baltimore eigentlich nur für zwei Dinge bekannt ist: The Wire und Homicide.

Die Stadt im Film

Verlassenes Haus in BaltimoreBaltimore befindet sich seit Jahren in einer wirtschaftlichen und infrastrukturellen Schräglage. – Beeindruckend nebenbei, in der letzten Saison ebenfalls bei einem Footballspiel bewiesen: während einer landesweiten Spielübertragung fiel der Strom und somit das Licht für 15 Minuten im Stadion aus.

Allerdings, und dies ist vermutlich ebenso hervorzuheben, wird das gute alte Baltimore in der nächsten Saison das einzige Team der American Football Liga sein, das sich tatsächlich noch „in“ der Stadt befinden wird. Während Teams wie die beiden New Yorker Teams, Washington und der Patriots der Downtown schon vor langer Zeit den Rücken gekehrt haben, wird zur neuen Saison auch das vorletzte Team der NFL seine Downtown verlassen. Besagtes, vorletztes Team ist: San Francisco.

Vorausgesetzt, das Dilemma in Los Angeles bleibt bestehen. Die Metropole wird ab 2016 zwar ein Stadion im Zentrum der Downtown haben (und somit die Gegend um L.A. Live und das Staples Center zu einem Traum für jeden Entertainment und Sport Fan machen, sofern dies noch nicht geschehen ist), der Stadt fehlt aber nach wie vor noch ein Team. Seit dem Abzug der Raiders nach Oakland, steht die Film- und Fernsehstadt ohne Team der höchsten Spielklasse da und möchte dies nun seit einigen Jahren ändern. Mal sehen, ob sich die Saison 2016/2017 (nach Fertigstellung des Stadions) wieder mit einem Team aus Los Angeles zeigen wird.

Baltimore und die Kriminalität

Erdgeschoss WohnungKommen wir aber wieder zurück zur Darstellung im Film. Baltimore ist dreckig, kriminell und heruntergekommen. Genau wie der vermutlich bekannteste und gleichzeitig umstrittenste Spieler der Ravens: Ray Lewis. Wenn man seine Vita liest, meint man direkt in einer der bekanntesten Krimiserien der Stadt zu stecken: The Wire.

Aber auch andere Filme und Serien, die sich mit Baltimore beschäftigen, strotzen nicht unbedingt vor glücklichen Menschen. Seien es die ohnehin nicht unbedingt massentauglichen Filme eines John Waters (Pink Flamingos, Cry-Baby, Hairspray oder Polyester), die drei Filme um den Serienmörder Hannibal Lecter oder eben die zweite bekannte Film- und TV-Krimi-Reihe der Stadt: Homicide – Life on the Street.

Sowohl Homicide als auch The Wire basieren auf einer Reportage des Autoren David Simon. Der Polizeireporter erhielt als erster Journalist überhaupt den uneingeschränkten Zugang zu den Polizeiarchiven der Stadt Baltimore und schuf eine wahnsinnig spannende und krasse Darstellung der Stadt und seiner Bewohner. Ich bin zwar kein Fan dieser „beruht auf einer wahren Begebenheit“ Phrasen, aber sowohl David Simon’s Bücher (Homicide: Ein Jahr auf mörderischen Straßen und The Corner: Bericht aus dem dunklen Herzen der amerikanischen Stadt) als auch die Filme und Serien (meistens nebenbei zu großen Teilen mit Darstellern von der Straße verfilmt) selbst zeigen einen ungeschönten Einblick in die Situation einer nahezu verloren scheinenden Stadt.

San Francisco und die Olsons

LombardGanz im Gegenteil hierzu verhält es sich mit der Stadt San Francisco. Diese war zwar in früheren Jahren ebenfalls bekannt für seine Krimiserien (Die Straßen von San Francisco), aber gerade seit den 90ern kennt man Gewalt in Film und Fernsehen eher weniger aus der Stadt in Nordkalifornien. Comedies wie Full House, Dharma & Greg oder Eli Stone überwiegen. Und wenn es doch einmal Gewalt gibt, dann findet sie entweder im Bereich Mystery (Charmed), der komödiantischen Überspitzung (Monk) oder im Weltall statt (Star Trek). – Das Hauptquartier der Sternenflotte befindet sich nämlich in der Stadt…

Des Weiteren ist die Stadt, zumindest meiner Meinung nach nicht unbedingt die hübscheste und schönste in den USA, hat aber durchaus einige nette Ecken zu bieten, die man wiederum in Baltimore vergeblich suchen würde. Sei es das Hippie Viertel Haight Ashbury, die Fisherman’s Wharf, die bekannten Kurzen der Lombard Street oder eben die berühmt berüchtigten bunten Häuser der Marina mit Blick auf die Golden Gate Bridge, die man ja aus der Serie mit den Olson-Zwillingen kennt.

Statistische Ungleichgewichte

Haight AshburyDie Gegend um das Silicon Valley, wo sich die neuen Technologien nahezu täglich neue Innovationen präsentieren, wo Start-Ups aus dem Boden sprießen und eine Gegend, die berühmt ist für ihren weißen Wein tritt also gegen eine Stadt an, die durch fallende Bodenmarktpreise, eine abwandernde Industrie und hohe Arbeitslosigkeit gekennzeichnet ist.

Während Baltimore in den letzten Jahren fast 5% seiner Bevölkerung an die Suburbanisierung verloren hat, fast jeder Vierte unterhalb der Armutsgrenze lebt und lediglich 25% der Bevölkerung über 25 Jahren einen Bachelor Abschluss haben, sieht die Situation in San Francisco etwas anders aus.

Gerade einmal 12% leben unterhalb der Armutsgrenze, mehr als jeder Zweite hat mindestens einen Bachelor in der Tasche und pro Jahr gewinnt die Stadt knapp 1% an Bevölkerung hinzu. Ansonsten, sind in San Francisco die Asiaten mit knapp 34% die größte Minderheit. In Baltimore sind es die mit 31,5% die Weißen. Mehr als 60% der Bewohner Baltimores sind laut Census-Daten Schwarz und unter 18 Jahren (insgesamt 21,6%).

Underdog gegen Favorit

Wenn es nach der Facebook Auswertung geht scheint die Sache beim Super Bowl heute Nacht eine klare Angelegenheit zu werden. Es gibt aber natürlich auch Stimmen, die für den Underdog der Ostküste sprechen. Jeder, der es schafft wach zu bleiben, kann sich jedenfalls auf ein bestimmt spannendes Spiel und jede Menge Geschichten zu den beiden Teams während der Super Bowl Übertragung freuen. Und wer weiß, vielleicht schafft es Sat1 ja dieses Jahr eine vernünftige Übertragung auf die Beine zu stellen. Immerhin hat der Sender, der seine Zuschauer letztes Jahr mit lediglich 3 verschiedenen Werbespots über nahezu 5 Stunden quälte und es darüber hinaus noch schaffte, einen Touchdown mit eben dieser Werbequälerei zu verpassen, sollte sich einiges einfallen lassen um seine Zuschauer bei der Stange zu halten.

Weitere Statistike bei YouTube

Einen Hinweis haben wir noch: soeben hat YouTube den Kanal Ad Blitz geöffnet. Wer also Hintergrundberichte, Statistiken und/oder Partyrezepte haben möchte, kann sich dies alles auf AdBlitz anschauen.

Kommentare

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Pot Bowl 2014 - UrbanFreak

  2. Pingback: Weltereignisse und Porno Konsum - UrbanFreak

Schreibe einen Kommentar