Stromausfall New York

Ich habe es zwar gerade schon auf Facebook gepostet, aber einige Dinge können ja auch mehrfach beschrieben werden. Mir ist doch tatsächlich entfallen, dass heute der zehnte Jahrestag eines der schlimmsten Stromausfälle in der Geschichte der USA ist.

Heute vor genau zehn Jahren ging nämlich in den meisten Metropolen der US-Ostküste der Strom aus. Ein Umspannwerk sorgte dafür, dass über mehrere Tage ein Stromausfall New York, Philadelphia, Detroit oder das kanadische Toronto komplett von der Stromversorgung abschnitt.

Sicherlich ein Umstand, den man hierzulande nicht so großartig mitbekommen hat, der mich vor Ort aber schon in jede Menge skurrile Situationen brachte. Immerhin verlebte ich gerade mein AuPair Jahr in Connecticut und lebte somit in direkter Nachbarschaft von New York City. Allerdings war ich ausgerechnet zum Zeitpunkt des historischen Blackouts mit zwei Freunden in Boston. – Einer der wenigen Metropolen an der Ostküste, die von dem Stromausfall verschont blieb. Anstatt also im Fahrstuhl auf dem Weg zum Empire Städte Building stecken zu bleiben oder die Skyline komplett ohne Licht zu sehen, war ich in einem klimatisierten Kino und habe an einem der heißesten Tage des Sommers den Film S.W.A.T. angesehen.

Als wir am späten Nachmittag aus dem Kino kamen, fragten wir uns recht schnell, warum vor den Restaurants, Gaststätten und Cafes mit Fernseher solche Menschenmassen standen und gebannt auf die Bildschirme starrten. Ich meine, man darf nicht vergessen, dass die Anschläge auf das World Trade Center damals noch keine zwei Jahre zurücklagen. Spätestens als wir auf den Bildern erkannten, dass auf den wichtigsten Brücken Manhattans ganze Menschenmassen die Insel in Richtung Vororte verließen, bekamen wir eine Gänsehaut und schauten, was es mit den Bildern auf sich hatte. Schnell erzählte man uns, dass es wohl „nur“ ein Stromausfall wäre und die Stadt New York sowie viele Städte der US-Ostküste komplett ohne Strom seien. Seit einigen Stunden schon… – S.W.A.T. ist schließlich ein etwas längerer Film gewesen.

Zu Fuß verließen die New Yorker also die Insel Manhattan und versuchten in die anderen Nachbarschaften der Stadt zu kommen. Immerhin (wie mir meine Gastmutter später noch des öfteren gerne erzählte), konnten die Hotels dank elektrischer Schlösser, nicht funktionierender Kreditkartenlesegeräte und natürlich auch wegen der riesigen Nachfrage keine Gäste mehr aufnehmen.

Anstatt sich aber den widrigen Bedingungen zu beugen, machten die Menschen an der Ostküste das Beste daraus. Sei es nun die Flasche Rotwein aus dem Jahre 1989, die meine Gastmutter mit Kollegen aus der Kanzlei trank, während sie im Büro – mit einem Blick über die dunkle Skyline – übernachteten oder die Parties, die zeitgleich im Central Park stattfanden. – Immerhin gab es ja Lebensmittel, die verbraucht werden mussten.

Alles in allem, gab und gibt es jede Menge Geschichten (und T-Shirts) von damals, die wirklich hörenswert sind. Momentan läuft zum Beispiel gerade auf der Google+ Seite der Huffington Post die Suche nach dem spannendsten Bericht von damals.

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Veröffentlicht von

Sicherlich fragen sich jetzt alle, wer hier schreibt: Mein Name ist Helen Schrader, seit 2010 bin ich Diplom-Geographin (Uni Bonn) und eigentlich bin ich bei PIXUM in Köln im Bereich Online Marketing tätig. In meiner Freizeit schreibe ich an UrbanFreak und versuche der Geographie zumindest ein wenig treu zu bleiben.

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