Do-it-Yourself StreetArt und Urban Design

Wer aus Bonn kommt bzw. in Bonn wohnt, hat ja generell reichlich wenig zu lachen, wenn es um Kultur und Freizeit geht. Dem einen „Wutbürger“ bzw. eher „Klagebürger“ sind die geliebten Klangwellen (immerhin eine Veranstaltung, die 1x im jahr stattfindet und dann auch nicht unbedingt einen Monat dauert) zu laut und einem anderen fällt irgendwie erst nach dem Kauf seines Grundstückes auf, dass er neben einer Freizeitanlage wohnt.

Ergebnis in beiden Fällen: Klagen der Anwohner, denen statt gegeben wurde und die nun die ohnehin schon äußerst belächelte Bundesstadt gänzlich zum „Bundesdorf“ werden lassen. Wer kann schließlich schon damit rechnen, dass es in den wundervoll gentrifizierten bzw. den sich in der Gentrifizierung befindenen Stadtteilen Altstadt und Innenstadt auch nach 22 Uhr noch Menschen wagen sich auf der Straße zu unterhalten. Die vielen Eckkneipen, das junge Publikum und die Biergärten und Hinterhöfe lassen dies ja in keinster Weise vorab erkennen. Daher ist es ja auch nicht verwerflich, wenn der Bonner Neubürger als erstes einmal gegen alles klagt, was den eigentlichen Stadtbewohnern (und die Betonung liegt auf STADT) heiß und innig ist.

Zwar wird die Stadt Bonn laut Destination Brand Studie überproportional oft in Verbindung mit Kulinarik und Kultur im Internet von (potenziellen zahlenden) Besuchern gesucht, dass hält aber Stadt und Bewohner nicht davon ab, dieses Angebot seit Jahren schrittweise zu verringern. Die Klangwelle ist nun noch höchstens eine „Welle“, weil man Beethoven nicht mehr hören kann und Open-Air bezieht sich eigentlich auch nur noch auf den Rheingarten, der außer Luft in diesem Sommer vermutlich nicht mehr so viel zu bieten haben wird.

Unsere Stadt kann mehr

Immerhin regt sich langsam aber sicher ein wenig Widerstand in der Bevölkerung. „Bonn kann mehr„, dachten sich einige findige Kulturliebhaber der Stadt und gründeten neben der Facebookgruppe (mittlerweile über 30.000 Fans) noch eine Initiative zur Rettung Bonner Großveranstaltungen. Immerhin könnte man ja meinen, dass eine Bundesstadt gewisse Ansprüche an sich selbst stellen sollte. Den Bewohnern ein paar Möglichkeiten der Freizeitgestaltung zu bieten zum Beispiel. Oder eben dafür zu sorgen, dass die Stadt wieder ein wenig schöner und vor allem interessanter wird. Für jede Menge Gesprächsstoff ist sicherlich gesorgt. Immerhin gibt es nicht mehr so viele Großprojekte in der Stadt, die man noch zu einem positiven Ergebnis führen kann, wenn man mal ganz ehrlich ist. Das World Conference Center Bonn ist fast so gut gelungen wie der Berliner ProblemBER und Oper, Beethovenhalle, Rheinkultur und KunstRasen ergeben ebenfalls nochmal jede Menge Punkte, welche die Kulturstadt Bonn eher als Kunstbanausen dastehen lassen.

Damit wir aber vielleicht doch noch eine Möglichkeit finden, den Bewohnern der Stadt eine Freizeitbeschäftigung zu schaffen, die ohne Beethoven und sonstige Musik auskommt, keine Rasenflächen in Beschlag nimmt und/oder Kosten für die Stadt verursacht, habe ich mich einmal etwas umgeschaut, was andere Städte so auf die Beine stellen um die Stadt ein wenig lebens- und vor allem liebenswerter zu machen.

Abhängen in der Stadt

Bereits 2011 hat die Stadt Los Angeles das Swings Projekt der „Awesome Foundation“ umgesetzt. Und wie der Name schon sagt, war die Idee hervorragend. Mit gerade einmal 1.000 US$ wurden überall in der Stadt Schaukeln installiert. Der L.A. River, der sich bislang ausschließlich für futuristische Auto-Verfolgungsrennen und zur Umweltverschmutzung eignete, besitzt nun an der ein oder anderen Brücke eine Schaukel, mit der es sich gemütlich über Brackwasser schaukeln lässt. Wenn das keine Idee für die deutschen Großstädte ist. Ich meine es gibt zwar den ein oder anderen Fluss in diesem Land, der vielleicht auch nicht zu den reinlichsten gehört, aber na ja. Zwischen Rhein und Weser finden sich bestimmt Brücken, an denen eine gemütliche Partnerschaukel in einer Nacht und Nebel Aktion (natürlich lautlos) noch angebracht werden könnte.

Platz genug sollte sich in den Industriebrachen zwischen Bochum und Dortmund oder unter den Autobahnbrücken des wenig befahrenen Nordens noch finden lassen. Es muss ja nicht so umgesetzt werden, wie bei den auf Krawall gebürsteten Kanadiern in Montreal. Wir in Bonn wissen ja, dass sich Spaß und Musik nicht so sehr vertragen. Dennoch sollte man auch das 21 Swings Projekt aus Montreal nicht unerwähnt lassen.

Vielleicht sollte man sich stattdessen lieber ein Beispiel an Polen nehmen. Unser Nachbarland bringt die Schaukeln nämlich nicht nur in der Stadt, sondern direkt noch an ihren Monumenten an. Kaum auszudenken, wenn die Köpfe am Bonner Münster endlich einen Sinn bekämen, der auch den Touristen der Stadt direkt deutlich werden würde.

Do-it-Yourself Urban Design

Wenn die Stadt ansonsten nicht bereit für Schaukeln ist, dann vielleicht für ein paar Stencils, die einem beim Rad fahren direkt an die alte Batman Serie mit Adam West denken lassen. Die Urban Repair Squad (URS) hat es sich mit dem Projekt Pothole Onomatopoeia zur Aufgabe gemacht, die Löcher im Straßenbelag auf ganz besondere Weise hervorzuheben und dank der Bilder von Martin Reis, kann man dies auch in voller Farbe miterleben.

Anstatt um Fahrradfahrer, kümmert man sich in unserem Nachbarland auf der anderen Seite lieber um die Mini-Golfer. In den Niederlanden wird nämlich schon seit letztem Jahr der ein oder andere Parkplatz in eine urbane Minigolf Anlage umgebaut. Mit diesen Plätzen sollen leerstehende Gebäude und Flächen schnell wieder genutzt werden, damit keine ungenutzen Flächen innerhalb der Stadt Amsterdam entstehen. Mit einem Budget von 2.500 Euro, gelang es auch hier, eine Freifläche sinnvoll und zum Vergnügen der Anlieger umzunutzen.

Das Yarn Bombing an sich ist zwar schon etwas in die Jahre gekommen, hat aber sicherlich noch etwas Entwicklungspotenzial, wenn man sich Ergebnisse aus anderen Städten anschaut. Da erwischt es in New York zwar nicht den Wolf der Wall Street, aber dafür den Bullen, der sich in diesem Winter wohl keine Sorgen zu machen brauchte.

Diese 51 weiteren Häkel-Opfer, wären ebenfalls Ideenlieferanten dafür, wie man Bonn (still und leise) ein wenig verschönern könnte.

Parks, Pärkchen und Parklets in der People St.

Neuester „Place-to-be“ sind – zumindest in Los Angeles – die Parklets. Diese mini Gärtchen und Parks gibt es gerade in der dicht bevölkerten Downtown immer häufiger zu entdecken.

Unter dem PeopleSt Programm sollen Menschen-orientierte Plätze (ähnlich den POPS) entstehen, welche die Straßen lebenswerter machen und den Fußgängerverkehr innerhalb der Stadt erhöhen und sicherer machen. Vielleicht eine Idee für die Tagbevölkerung in der Alt- und Innenstadt. Natürlich nur solange bis 22 Uhr alles abgebaut ist. Vielleicht schafft man es auf diese Weise sogar an den städtischen Behörden vorbei. Immerhin werden in der – ebenfalls recht klammen – Stadt Los Angeles mittlerweile sogar DIY Kits verteilt um die Stadt ein wenig lebenswerter zu machen. Ein Test, der in San Francisco sogar noch etwas weiter fortgeschritten ist. Hier gab es bereits vor ziemich genau einem Jahr 33 Parklets. Einige sogar mit Wi-Fi.

Die Krux mit dem Recht

Bevor ich mir Ärger einhandel, sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich mich natürlich nicht erkundigt habe, ob das Anbringen von Schaukeln an der Kennedy-Brücke generell erlaubt wäre. Daher: Probieren und Nachmachen auf eigene Gefahr. Wenn allerdings noch jemand eine Schaukel im Keller versteckt hält, würde ich mich über nächtliche Bilder vom Schaukel-Weitsprung aber natürlich sehr freuen. 😉 Lässt sich nebenbei hervorragend mit Flunky Ball am Rhein kombinieren. Habe ich zumindest gehört.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar