Städtische Verbesserungen

Heute gibt es einmal Best Practice Beispiele. Vor einiger Zeit hatte der General Anzeiger Bonn auf seiner Facebook-Seite ein Bild von Bonns schlimmsten Parkplatz gepostet und wollte von den Lesern wissen, welcher Parkplatz es denn wohl seien könnte. Ergebnis war, dass es innerhalb kürzester Zeit ein Dutzend Nennungen des richtigen Parkplatzes gab. Dem auf der Josephshöhe (links).

Das tolle an der Umfrage war aber, dass auch noch ein paar andere Parkplätze fast genauso häufig genannt wurden. Knapper zweiter (und eben nicht auf dem Bild dargestellt) war der Parkplatz an der Thomas-Mann bzw. Rabinstraße am Hauptbahnhof.

Thomas-Mann-Str, Rabinstraße Bonn

Es waren jedoch bei weitem nicht die einzigen Parkplätze, die genannt wurden. Denn wenn man mal ehrlich ist hat die Stadt Bonn nicht nur einen Parkplatzmangel, sondern auch Parkplatzverhältnisse, die man sonst nur von YouTube und russischen Straßen kennt.

Interessant fand ich nebenbei, dass die “Umfrage” des GA Bonns nach kurzer Zeit wieder aus dem Facebook-Verlauf gelöscht wurde. Kam mir persönlich etwas komisch vor, dass so etwas aus einem Verlauf gelöscht wird, zumal wenn es sich um eine Seite handelt, die so viele Beiträge am Tag schaltet wie die der Bonner Tageszeitung. Aber gut. Wer weiß, wie die Stadt Bonn diese Umfrage fand. 😉

Von Straßenschäden und Stadtbildern

Gerade in Bezug auf angekündigte LKW-Schlagloch-Gebühren und den generell eher traurigen Straßen- und Parkplatz der Bundesstadt Bonn habe ich ein wenig gelesen und einmal geschaut, was denn andere Städte in anderen Ländern so machen, um es nicht zu so einer armseligen Situation kommen zu lassen.

Ich meine, abgesehen davon, dass man sich hier immer mal wieder fragt, wie man die Zustandserfassung und -bewertung (ZEB) des deutschen Straßennetzes deuten soll, will man ja vielleicht auch einmal wissen, wie andere Baulastträger so arbeiten.

Vom Straßenschaden zum Baulastträger

Entgegen all dieser „Nichts-hinterfragenden-Facebook-Kettenbriefteiler“ habe ich mich also mal ein wenig mit dem deutschen Straßenrecht beschäftigt. Und siehe da, es hat gar nichts mit den Geldern zu tun, die nach Zypern, Griechenland oder die Hosentaschen der EU-Politiker gehen. Zumindest nicht, wenn es sich um Straßenarbeiten handelt, die nicht Bundesfernstraßen oder Bundesstraßen sowie Autobahnen betreffen. Für diese drei Straßenklassen ist nämlich der Bund (also die Bundesrepublik, liebe Kettenbrief-Teiler) verantwortlich. Zugegebenermaßen sind diese Straßen aber  für gewöhnlich in einem weitaus besseren Zustand als die Landstraße nebenan.

Für Land- bzw. Landesstraßen und Staatsstraßen ist nämlich das jeweilige Bundesland verantwortlich. Für Kreisstraßen schließlich die Stadt, die Gemeinde oder die betreffende Ortschaft selbst. Und sofern eine übergeordnete Straße durch eine Ortschaft führt und somit zu einer Ortsdurchfahrtsstraße wird, ist je nach Größe der Gemeinde um diese Straße diese selbst für die Straßen verantwortlich oder eben der überörtliche Straßenbaulastträger.

Von daher noch ein kleiner Hinweis an den kleinen aber hartnäckigen Kreis der Kettenbriefteiler: Sofern eure Gemeinde oder Stadt nicht – je nach Bundesland – zwischen 20.000 und 80.000 Einwohner hat, ist die Wahrscheinlichkeit eher gering, dass ihr und auch nur ihr für den Erhalt dieser Straße bezahlen müsst.

Crowdfinanzierte Touristenattraktionen

Kommen wir also nun zu interessanten Ideen aus der Stadtentwicklung, von denen man sehr wohl etwas lernen könnte. Die Nachbarn in den Niederlanden haben hier nämlich zum Beispiel schon ein paar ganz nette Best Practice Beispiele geschaffen. Dort wurde in der Hafenstadt Rotterdam das Projekt „I Make Rotterdam“ gegründet, welches sich nun für eine schönere Stadt einsetzt. Mittels Crowdfunding.

Die Ergebnisse können sich seitdem durchaus sehen lassen. Es wurde eine Brücke (Luchtsingel) über eine vielbefahrene Straße gebaut, Rooftop Gardens wurden erschaffen und selbst einen Zebrastreifen in Extralänge gibt es mittlerweile. Alles erschaffen aus den Beträgen von mehr als 1.000 Crowdfundern.

Bild von der Luchtsingel (Frans & all, flickr, creative commons)(Frans & all | flickr | CC BY-NC 2.0)

Entstanden ist diese neue Form der Stadtplanung in einem Architekturbüro der Stadt. Die örtliche Zones Urbanies Sensibles (ZUS) sitzt im Schieblock, einem Bezirk, welcher für diese besonderen architektonischen und stadtplanerischen Tests genutzt wird.

Schieblock in Rotterdam (Edgar Neo, flickr, Creative Commons)(Edgar Neo | flickr | CC BY-NC 2.0)

Städtische Parks und Innerstädtische Aufwertung

Das Rotterdam nicht die einzige Stadt ist, in der sich alternative Finanzierungen von öffentlichen Räumen durchsetzen, habe ich mit meinem Beitrag zu High Line in New York schon bewiesen. Auch dort wurden private Gelder zur Revitalisierung dieser ungenutzten Hochtrasse verwendet. Was aus der High Line innerhalb von nur zwei Jahren geworden ist, kann man heute Abend auf Arte herausfinden. Ab 20:15h geht es in der Sendung Naturopolis um die grüne Revolution von New York.

Ähnliche, auf Public-Private-Partnerships basierenden Ideen oder durch Crowdfunding finanzierte Projekte gibt es noch zahlreich im Internet zu finden. Das soll dann aber Thema eines neuen Beitrages werden. Schließlich muss ich nun meinen DVD-Recorder aus der Versenkung holen und Arte finden.

P.S.: Alle ambitionierten Kettenbrief-Verteiler sind bereits aus meinem Facebook-Freundeskreis entfernt worden. Meine engsten 200+ Facebook-Freunde brauchen sich daher nicht angesprochen zu fühlen 😉

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Veröffentlicht von

Sicherlich fragen sich jetzt alle, wer hier schreibt: Mein Name ist Helen Schrader, seit 2010 bin ich Diplom-Geographin (Uni Bonn) und eigentlich bin ich bei PIXUM in Köln im Bereich Online Marketing tätig. In meiner Freizeit schreibe ich an UrbanFreak und versuche der Geographie zumindest ein wenig treu zu bleiben.

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