Revitalisierung US-amerikanischer Metropolen

Blick vom Trump Tower in Richtung Empire State Building

Revitalisierung und Nutzungsmischung sind zunächst zwei Dinge, die nicht unbedingt als erstes mit der US-amerikanischen Stadtentwicklung in Verbindung gesetzt werden. Gemeinhin haben die Menschen zunächst ganz andere Bilder im Kopf, wenn sie von den großen Städten der USA, wie etwa Detroit, Chicago, Los Angeles und New York sprechen. Für gewöhnlich werden meist, und besonders in Verbindung mit der Downtown, eher negative Aspekte mit den großen Millionenstädten des Landes assoziiert. Worte wie Städtische Armut (inner-city poor), urbane Unterklasse (urban underclass) und Innenstadtverfall (urban decline), um nur drei Beispiele zu nennen, sind Begriffe, die den Menschen für gewöhnlich zuerst einfallen, wenn sie an diese Großstädte denken.

Vom Stadtland zum Zentrum

Besonders in den letzten Jahren lässt sich jedoch in fast allen größeren Städten der USA ein neuer Trend feststellen. – Das durch Suburbanisierung, ausufernde Siedlungen und edge cities gekennzeichnete polyzentrische ‚Stadtland’ erhält vermehrt Wohnorte in zentral gelegenen Bereichen, die lange Zeit vernachlässigt wurden. Statt eines typischen american way of life Lebensstils, mit einem Einfamilienhaus inklusive weißem „picket fence“ im suburbanen Raum, als bevorzugter Form des Wohnens, werden wieder vermehrt innerstädtische Nachbarschaften saniert und somit revitalisiert.

Verdichtung der Innenstädte

Darüber hinaus wachsen US-amerikanischen Städte seit einiger Zeit weniger in die Fläche als vielmehr in die Vertikale: Besonders in den Innenstädten von Chicago, Seattle und Houston konnten einen starken Trend zur Verdichtung bemerken. Nach und nach wendet sich vor allem die middle class vom typischen suburbanen Leben ab, immerhin eine Wohnform, die viele Großstädte seit Jahrzehnten förderten. Laut Studien lag beispielsweise der Anteil von Einfamilienhäusern im Jahr 1930 bei über 94 Prozent in Los Angeles und etwa 50 Prozent in New York. Städte wurden eher als Durchgangsstationen statt als Lebensräume angesehen und sind daher oft mit den schon aufgeführten Stigmata besetzt.

Küstengebiete oder die Lage an Flüssen

Crack Gallery in Gallery Row Historic Downtown Los AngelesDie Revitalisierung innerstädtischer Bereiche ist noch relativ wenig erforscht und untersucht. Oftmals war der bisherige Fokus immer auf Städten mit einer Waterfront, also dem Zugang zu Wasser beschränkt. Egal ob New York, Chicago, Singapur, Köln oder Hamburg, immer stand die Betrachtung des Lebens am Wasser im Vordergrund. Im Gegensatz zu diesen Städten, die hingehend untersucht und beschrieben wurden, gibt es aber bei der Revitalisierung innerstädtischer Bereiche ohne bedeutende waterfront noch Forschungsbedarf. Im breit gefächerten Themengebiet dieses oft als ’Renaissance der Städte’ bezeichneten Forschungsfeldes nehmen derartige Städte eine Ausnahmestellung ein. Zwar wird wahrgenommen, dass auch die Innenstädte ohne bedeutenden Wasseranschluss wachsen und gedeihen, aber dies wird meistens direkt wieder relativiert und in weiteren Forschungen vernachlässigt.

Ein Grund ist sicherlich die Tatsache, dass sich die meisten Untersuchungen dieser Art auf frühere Zensusdaten stützen, die meistens Jahrzehnte alt sind.

Die Revitalisierungsmaßnahmen innerhalb der Städte ohne Anbindung an größere Gewässer sind meistens wesentlich neueren Ursprungs. Darüber hinaus verlaufen die Prozesse in diesen Städten meistens langsamer und weniger imposant als an den großen Metropolen der weltweiten Küstenregionen.

Aktuellere Entwicklungen

Nokia Plaza, L.A. Live in DowntownNach und nach schaffen es diese Städte mit Gesetzesänderungen im Bauwesen, einer Konzentration auf öffentliche Verkehrsmittel und die Eröffnung von exorbitanten Bauwerken von überregionaler Bedeutung (Messezentren, Museen, Stadien usw.) eine kritische Einwohnerzahl anzuziehen und zu gedeihen. Es entstehen lebendige Stadtkerne in dem ein relativ ausgeglichenes Verhältnis der Tages- und Nachtbevölkerung existiert und es bilden sich Nachbarschaften mit eigenem Charakter.

Die Zeiten von innerstädtischen Slums (Skid Row) und den leeren Innenstädten bei Nacht sind vielfach nur noch aus Geschichten bekannt und dennoch halten sich diese Vorurteile beständig. Um langsam aber sicher mit diesen Vorurteilen auszuräumen, haben wir uns einmal eine Stadt herausgesucht, die vermutlich jeder kennt und in der man diese Entwicklungen momentan „live“ Verfolgen kann: Los Angeles, Kalifornien.

In mehreren kurzen Beiträgen werden wir euch eigene Forschungsergebnisse präsentieren, die Vergangenheit und Zukunft der Stadtentwicklung in Los Angeles näher bringen und einige Ecken in der Downtown vorstellen, die vermutlich nur den wenigsten bekannt sind.

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