Quartiersentwicklung am Beispiel der Kölner Büdchen

Kölschen Klüngel der etwas anderen Art gab es vor ein paar Wochen zu entdecken. Eine gemeinsam von Pixum und der artbox44 veranstaltete Tour für Blogger der Region brachte und das kölsche Lebensgefühl und vor allem die Kölner Büdchen etwas näher. Unter der Führung von Bruno Knopp ging es an einem der etwas wärmeren Juni-Abende quer durch Köln um die verschiedenen Büdchen und deren Geschichten kennenzulernen. Immerhin gibt es in der Rheinischen Metropole zumindest laut der Untersuchung zweier Architekturstudenten mehr als 1.000 dieser Büdchen im gesamten Stadtbereich. Marco Hemmerling und Janine Tüchsen untersuchten im Rahmen des plan14-parcours diese Paradebeispiele Kölner Architektur im Kontext zur Gesamtstadt.

Immerhin sind die Büdchen in Köln weit mehr als eine funktionale Versorgungseinheit in der Nähe zur Wohnung, sondern fast eine Art Bindungsmittel für ganze Quartiere und Nachbarschaften. Traditionell ist ein Kiosk oder eben in Köln ein Büdchen, ein polygonales oder viereckiges Pavillion und ursprünglich stammt der Begriff aus dem islamischen Kulturraum (auf türkisch heißt ein Büdchen z.B.: Köşk – sofern mich Wikipedia nicht anlügt). Seit dem 19. Jahrhundert ist der Begriff gleichgesetzt mit einem kleinen Verkaufsstand in dem es Waren des täglichen Bedarfs zu kaufen gibt.

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alle Fotos: artbox44.com

Von der Trinkhalle zur Bude zum Büdchen in den Kiosk

Nahezu jede größere Stadt hat sie zwar, aber was dem Kölner sein Büdchen ist, ist dem Ruhrgebietler seine Bude, dem Rhein-Main Anlieger sein Wasserhäuschen und dem Großteil der Deutschen unter dem gebriff Trinkhalle bekannt. In jeder Stadt, wo es welche gibt, sind die Büdchen kaum wegzudenken und besonders am Wochenende Anlaufpunkt für diejenigen, die unter der Woche keine Zeit zum Einkaufen fanden oder etwas vergaßen. Allerdings rücken diesen lieb gewonnenen nachbarschaftlichen Treffpunkten immer öfter die verlängerten Landenöffnungszeiten, steigende Mieten und Verdrängungstendenzen zu Leibe, weshalb die Büdchen nicht nur in Köln immer öfter verschwinden.

Untersucht und sehr unterhaltsam beschäftigen sich zum Beispiel „Günter“ und „Uwe“ unter dem Titel: „AUSGETRUNKEN. Mikrkosmos Trinkhalle: Eine Feldforschung zwischen Herz und Leber“ mit den Trinkhallen der Republik, weshalb ich das Magazin mit Interviews, Erlebnisberichten, Kurzgeschichten und der aktuellen Trinkhallen-Mode wirklich jedem ans Herz legen möchte, der sich nach diesem kleinen Artikel ein Schokokussbrötchen gönnen und noch weiter mit der Büdchenkultur beschäftigen möchte.

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Das Büdchen, ein Ort der Kommunikation

Die Büdchen in Köln sind nicht nur ein Ort an dem man schnell noch ein Bierchen oder Süßigkeiten kaufen kann, sondern sie sind auch ein Ort an dem sich die Menschen unabhängig von sozialen Milieus treffen und austauschen. Die Trinkhallen sind ein Ort der Kommunikation, an dem man sich, wie z.B. während der Fußball-WM treffen und in Gemeinschaft etwas erleben kann. Bierbänke werden kurzerhand herausgeschleppt, Fernseher aufgestellt und Freundschaften auf Zeit geschlossen, während man es sich mit Kleinigkeiten aus dem Büdchen gutgehen lässt.

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Dabei sind die Büdchen sogar noch abwechslunsgreicher als die Kunden selbst. Beobachten kann man dies zum Beispiel bei dem Fotoprojekt „Am Büdche„, welches von Stefan Matthiessen liebevoll gepflegt und ständig erweitert wird. Gleichzeitig gibt es viele der tollen Fotos von ihm auch hier zu kaufen, weshalb Köln und natürlich Kölner Büdchen Fans einmal einen Blick riskieren sollten und die Motive der artbox44 durchstöbern sollten. – Und wer dann schon einmal da ist, kann sich ja auch einmal meine Bilder in der artbox44 ansehen. Bei so viel Kölner Folklore sollte ja schließlich der kölsche Klüngel nicht zu kurz kommen. 😉

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Wie stark sich die Kölner Büdchen momentan wandeln, welchen städtischen Verdrängungsprozessen sie ausgesetzt sind und wie die Zukunft der Büdchen in Köln aussehen wird, beschreiben einige Presseartikel auf den Seiten von Am Büdche. Zwar gehören die Kölner Büdchen zu einem wichtigen Teil Kölner Stadtromantik, aber erste Ansätze eines Kiosksterbens sind leider auch in Köln festzustellen, wie auf der Tour von Bruno Knopp angemerkt wurde. Dieser beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Trends der Lokalisierung und Regionalisierung unter geographischen, soziologischen und kulturellen Blickwinkeln, weshalb seine Einblicke in die Kölner Büdchenszene immer wieder interessante Einblicke lieferte. Wer gerne die gesamte Route der BüdchenTour 2015 etwas genauer dargestellt haben möchte, sollte sich den Rückblick von Bine auf waseigenes.de durchlesen. – Denn ich muss nun leider zum Kiosk und noch Milch für meinen Kaffee besorgen. 😉

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Sicherlich fragen sich jetzt alle, wer hier schreibt: Mein Name ist Helen Schrader, seit 2010 bin ich Diplom-Geographin (Uni Bonn) und eigentlich bin ich bei PIXUM in Köln im Bereich Online Marketing tätig. In meiner Freizeit schreibe ich an UrbanFreak und versuche der Geographie zumindest ein wenig treu zu bleiben.

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