Nutzungsmischung in der Downtown Los Angeles

Revitalisierung in Bunker Hill

Steigende Benzin- und Unterhaltskosten – laut Bureau of Labor Statistics haben sich bspw. die Benzinkosten pro Gallone in den letzten zehn Jahren auf mittlerweile fast drei US-Dollar mehr als verdoppelt – sowie die mittlerweile nahezu überbevölkerten und immer teurer werdenden Vororte sorgen in Kalifornien und besonders der Gegend rings um Los Angeles langsam dafür, dass der Wunsch nach einem attraktiven urbanen Lebensraum wächst. Der steigende Wohlstand und die besonders in den letzten Jahren immer höheren Anforderungen an den Wohnraum wachsen mit den individuellen Ansprüchen der Bewohner einer Stadt. Los Angeles versucht neuere Prinzipien wie smart growth- und die new urbanism-Bestrebungen vermehrt umzusetzen. Besonders das in den USA weitgehend unterrepräsentierte Prinzip der Nutzungsmischung gewinnt immer mehr Fürsprecher.

Zitat MahfouzQuelle beide Zitate: Mahfouz

Erste Projekte, die nach dem Prinzip der Nutzungsmischung geplant waren, sind das California Plaza-Projekt und die Versuche von Ira Yellin im Historic Core der Downtown L.A. Allerdings waren diese beiden Ansätze recht unterschiedlich. Während California Plaza das größte Neubauprojekt bei Bunker Hill zur damaligen Zeit war, das mit Büros, Einzelhandel und Wohnungen mehrere Funktionen vereinte, verfolgte Yellin einen anderen, kleineren Ansatz. Statt eines Neubaus erhielt er den historischen Gebäudebestand und renovierte bedeutende Gebäude wie etwa das Bradbury Building (Drehort von Blade Runner) und den Grand Central Market. Auf diese Weise versuchte er mehr Menschen in die Innenstadt zu locken, indem er den Lebensraum für sie attraktiver gestaltete.

Bradbury Building

Auf größerer Ebene wird Nutzungsmischung in Los Angeles in erster Linie durch das Transit-Oriented Development (TOD), die Verkehrs- und Infrastrukturentwicklung gefördert:

Mahfouz 2

Das TOD bewegt sich im Rahmen der smart growth-Prinzipien und soll eine höhere Dichte begünstigen sowie gleichzeitig die Nutzungsmischung fördern und die Stadt fußgängerfreundlicher werden lassen.

Die hohe Attraktivität dieser Knotenpunkte soll eine breite Masse an potenziellen Bewohnern ansprechen und gleichzeitig den lang vernachlässigten ÖPNV in der Stadt stärken. Laut BBR soll durch die Nutzungsmischung eine breitere Masse an nachfragenden Nutzern angesprochen werden. Hierdurch werden entstehende Infrastrukturen besser ausgelastet, womit die Wirtschaftlichkeit dieser Infrastruktureinrichtungen steigt. Dies sorgt sowohl auf technischer als auch sozialer Ebene für einen Standortvorteil gegenüber dem suburbanen Raum.

U-Bahn System Downtown Los Angeles

Die städtebaulichen Überlegungen gehen mit dem Ausbau des öffentlichen Transportsystems innerhalb der Downtown einher. Sowohl das Bus- als auch das light rail-System wurde bzw. wird noch umfassend ausgebaut. Selbst der Angels Flight railway, der die Stadtteile Bunker Hill und Civic Center verbindet, ist nach einem neunjährigem Stillstand im Jahre 2010 wieder aktiviert worden. Außerdem wurde die berühmte Zahnradbahn als wichtige Verbindung zwischen den Sehenswürdigkeiten von Bunker Hill und der am Fuße befindlichen Gallery Row reaktiviert. Des weiteren sindnoch diverse Großprojekte in Planung. Diese beinhalten zum Beispiel eine Straßenbahn zwischen dem Broadway und dem Hauptbahnhof von Los Angeles. Die Broadway-Pläne gehen dabei zurück auf das streetcar, eine ehemalige Straßenbahn, die bis in die 1950er Jahre auf den Straßen der Downtown fuhr, wie etwa in diesem Bild, das 1926 vor dem heutigen San Fernando Building entstand.

Seilbahn zwischen Bunker Hill und Historic Core

Angelehnt an die erfolgreiche Revitalisierung von Straßenbahnen in Städten wie Portland (Oregon) und Seattle (Washington) soll es bald auch wieder Bahnen in der Innenstadt von Los Angeles geben. Gegenwärtige Pläne von Bringing Back Broadway gehen davon aus, dass 2014 die ersten Bahnen entlang der Main Street fahren könnten.

Des Weiteren wird die Nutzungsmischung in der Downtown durch die Adaptive Reuse Ordinance und die daraus resultierenden zoning-Regelungen besonders gefördert. Durch die Erleichterungen bei den Nutzungsbeschränkungen fördern die Reglungen eine intensivere Auslastung der zentralen Stadtfläche, indem sie die Flächenwidmungen des comprehensive plan abschwächen.

Zoning Manual

Wichtig bei den Planungen für die Downtown ist neben dem Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel vor allem die fußgängerorientierte Nutzungsmischung und die so genannten 10-minute walking diamonds:

DiamondQuelle: http://cityplanning.lacity.org/complan/pdf/CCYCPTXT.PDF

Diese zeigen die maximale Entfernung an, die ein Fußgänger in zehn Minuten zurücklegen kann. Allerdings kommt hierbei auch die Nutzungsmischung wieder ins Spiel. Denn die Bereitschaft zu Laufen hängt immer auch davon ab, ob es interessante Dinge auf dem Weg zu beobachten gibt. Je größer das Sicherheitsempfinden bei den Bewohnern ist, desto größer ist auch die Bereitschaft zu Fuß zu gehen.

Durch das rechtwinklige Straßenraster der Stadt bedingt, ergeben sich hierbei keine radialen Entfernungen, sondern quadratische bis rechteckige ‚Diamant’-Formen, die als Teil des Los Angeles Civic Center Shared Facilities and Enhancement Plans entstanden sind. Ganz im Sinne der schon mehrfach im Zusammenhang mit der Downtown erwähnten elegant density sollen Parzellen an öffentlichen Verkehrswegen besonders gefördert werden um so einen Anreiz für den ÖPNV zu geben. Im Endeffekt bedeutet dies also nichts anderes als Mischnutzung und den Bau von Parkanlagen sowie öffentlichen Plätzen an denen sich die Bewohner gerne aufhalten wollen.

Stillwell Hotel in der Nähe Grand Hope Park

Beste Beispiele für die vertikale Nutzungsmischung in Objekten entlang von Verkehrsknotenpunkten sind die in South Park entstandenen Met Lofts (264 Wohneinheiten, 1100m² Gewerbefläche), Market Lofts (267 Wohneinheiten, 5.000m² Supermarkt, 500m² Restaurantfläche) und das Trio der Elleven, Luma und Evo Lofts (Untergrundgaragen, Einzelhandel im Erdgeschoss, Wohnfunktion) in der Nähe des Grand Hope Parks, L.A. Live und dem Staples Center.

Nutzungsmischung Staples Center South Park

Die weiteren Stadtteile sind ebenfalls durch vertikale Nutzungsmischung gekennzeichnet. Eine Vorreiterrolle nimmt der so genannte Old Bank District entlang der Main Street im Historic Core ein, der als erstes Adaptive Reuse Projekt angesehen wird und mittlerweile als das Epizentrum des Einzelhandels der Downtown gilt. Auffällig ist, dass die Nutzungsmischung hier bedeutend feinkörniger ist als in South Park. Ursache hierfür ist hauptsächlich die wesentlich ältere und vor allem historische Bausubstanz. Während in South Park mit dem 2,5 Milliarden US$ Projekt L.A. Live ein großflächiges, grobkörniges Entertainmentzentrum mit Fernsehstudios, Kinos, Hotels, Wohnungen, Büroräumen und Restaurants entstanden ist, wird in den nordöstlichen Bereichen der Downtown bereits bestehender Raum genutzt.

Hinzu kommt, das sich South Park hauptsächlich durch die Hilfe außerstaatlicher und ausländischer Investoren als Freizeit- und Entertainment-Standtort profiliert, während sich rings um den Historischen Kern ein eher endogen erzeugtes kreatives Milieu herausbildet. Großinvestoren sind zwar auch hier anzutreffen, fallen jedoch, da sie sich auf die Objektsanierung bestehender Bauten konzentrieren, weniger ins Gewicht. Hauptsächlich haben sich, besonders in den letzten drei bis vier Jahren, Geschäfte und Galerien der ortsansässigen Existenzgründer und Pioniernutzer angesiedelt und ein lokales Image und eine eigene Identität im historischen Stadtkern geformt und nutzen noch bestehende Marktnischen in umfassender Weise aus.

Nutzungsmischung: Historic Core und Old Bank District

Was zunächst als sinnvolle Alternative begann, um einem drohenden trading-down-Prozess der Nachbarschaft aufzuhalten und durch Mietpreisdifferenzierungen subventioniert wurde, hat mittlerweile eine attraktive Branchenmischung und Fühlungsvorteile herausgebildet, die South Park nicht bietet. Im vor allem von Lofts und kleineren Geschäften durchzogenen Old Bank District hat sich eine nachbarschaftliche Geschlossenheit und eine Art Brand Identity ausgebildet. Man lebt nicht einfach im Old Bank District, sondern fühlt sich mit dem Wohnort verbunden.

Historic St. Vincent's Court

Ein Hinweis hierfür ist sicherlich, dass der lokale Markt durch diese kleinen Geschäfte versorgt werden kann, was wiederum Fahrten in die Umgebung verringert, da Waren des täglichen Bedarfs immer öfter in der eigenen Nachbarschaft erworben werden können. Besonders Lebensmittelläden stellen sich immer öfter auf die Gegebenheiten der Innenstädte ein und passen ihr Sortiment, wenn sie schließlich einen Laden eröffnen, den Kunden an. Dies kann von einer kleineren Verkaufsfläche über besondere Angebote bis hin zu ausgedehnten take-out Theken für Speisen reichen.

Eingangsbereich Cliftons Brookdale Downtown L.A.

Alles in allem kann bei dieser Unterschiedlichkeit der Nutzungsmischung in den Stadtteilen, – was Skalen und Verflechtungen untereinander betrifft – festgestellt werden, dass die Innenstadt etwas hat, was andere Stadtteile missen: Ein Gefühl der urbanen Verbundenheit, das sich sowohl in der Atmosphäre als auch in der geschichtlichen Auseinandersetzung mit dem Stadtteil zeigt.

Durch innovative Konzepte sind Fühlungsvorteile in der Innenstadt entstanden, die sich nach und nach weiterentwickeln und im wahrsten Sinne des Wortes eine Gemeinschaft entstehen lassen. Entscheidend hierfür ist lediglich, dass die kritische Masse an Fußgängern erreicht wird, damit die entstandenen Infrastrukturen auch ausgelastet werden. Ob dies allerdings gelungen ist, werde ich in den nächsten Wochen verraten.

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