Nachhaltige Mobilität

Das Institut für Bodenkunde an der Universität Bonn

Kommen wir zum nächsten Teil meiner Auseinandersetzung mit dem Verhalten der am Verkehr teilnehmenden Bonner. Heute geht es um den wohl bekanntesten Campus der Bonner Uni. Poppelsdorf. Direkt am Poppelsdorfer Schloss gelegen hat man nicht nur einen wundervollen Ausblick auf August Kekule und seine täglich wechselnden Kleider, sondern auch auf diverse Einrichtungen der Universität Bonn.

Campus Poppelsdorf

Dieser Standort ist bei meiner Befragung am stärksten vertreten gewesen. 372 Teilnehmer (und somit 52 %) des Campus Poppelsdorf haben den Fragebogen ausgefüllt. Es kommt zu folgender Verteilung der Gruppen: 77,4 % Studierende, 15,3 % wissenschaftliche Mitarbeiter, insgesamt 5,9 % Mitarbeiter aus Technik und Verwaltung sowie 2,2 % Professoren.
Der Zeitkartenbesitz beläuft sich insgesamt auf 91,6 %, darunter 4,8 % Jobtickets und 0,5 % sonstige Zeitkarten. Das Studiticket überwiegt an diesem Standort ebenfalls mit 86,3 %. Nur 8,3 % der Teilnehmer sind nicht im Besitz einer ÖPNV Zeitkarte.

Zeitkartenbesitz und Verkehrsmittelverfügbarkeit Poppelsdorf

Die Verkehrsmittelverfügbarkeit ähnelt der des Standort Campus City. Auch hier ist mit 92,5 % ein großer Anteil der Befragten Fahrradbesitzer – am Standort City sind es 90,8 %. Der Hälfte der 372 Befragten steht mindestens ein Pkw pro Haushalt zur Verfügung.

Nutzung der vorhandenen Verkehrsmittel

Aufgrund der hohen Zahl an Teilnehmern an diesem Standort war es möglich, die Verkehrsmittelnutzung anhand eines Modal Split jeweils für die Gruppe Studierende als auch für die Mitarbeiter zu erstellen. Hier zeigt sich eine fast 50 %-ige Fahrradnutzung bei beiden Gruppen. Auch die ÖPNV-Nutzung ist mit ungefähr 25 % auf beiden Seiten gleich. Die Pkw-Nutzung fällt bei den Mitarbeitern jedoch höher aus (Mitarbeiter: 14,1 %; Studierende: 3,8 %). Zu Fuß zum Campus Poppelsdorf gehen ca. 7 % mehr Studierende (19,6 %) als Mitarbeiter (12,8 %). Als Pkw-Mitfahrer das Zielgebäude zu erreichen, wird von niemandem an diesem Standort wahrgenommen. Einen gruppenunspezifischen Überblick über die täglichen Nutzungsgewohnheiten der Verkehrsmittel gibt die folgende Abbildung.

Modal Split Studierende Poppelsdorf Modal Split Mitarbeiter Poppelsdorf Mosal Split Insgesamt Poppelsdorf

Einkommen und Verkehrsmittelwahl

Einkommen und Verkehrsmittelwahl PoppelsdorfWie bereits am Modal Split (gesamt) zu erkennen ist, nutzen 45 % der Befragten das Rad für den täglichen Weg zur Arbeit und zum Studium. Die nachhaltige Mobilität mit umweltschonenden Verkehrsmitteln überwiegt daher. Eine präferierte Nutzung des Fahrrads spiegelt sich in der einkommensklassengebundenen Verkehrsmittelnutzung in allen Klassen wider. Sie liegt im Durchschnitt bei 49,8 %. Außerdem ist ein Anstieg der Pkw-Nutzung mit steigendem Haushaltseinkommen zu erkennen (Anstieg von 1,1 % auf 15,1 % Abb. 3). Gleichzeitig gehen die Wege zu Fuß von 26,1 % (Netto-Haushaltseinkommensklasse <1000€) auf 12,1 % (>4000€) zurück. Das motorisierte Zweirad tritt ausschließlich in der Netto-Haushaltseinkommensklasse „1000€ <2000€“ mit 2,2 % auf.

Bewertung der Park- und Abstellmöglichkeiten am Zielgebäude

Abstellmöglichkeiten Poppelsdorf

Bei der Bewertung der Park- und Abstellmöglichkeiten am Standort Poppelsdorf werden wie bereits am Standort City hauptsächlich Mängel an der Überdachung (81,2 %) angegeben (vgl. Abb. 4) Die Beleuchtung der Abstellanlagen ist zwar positiv ausgefallen (55,9 %), erhält jedoch mit 33,6 % auch viele negativen Stimmen. Außerdem geht aus der Frage hervor, dass die Entfernung zum Zielgebäude (89 %) und die Verfügbarkeit von Stellplätzen (79,3 %) als sehr positiv empfunden werden. Ebenso verhalten sich die Aussagen zur eigenen Sicherheit. Diese wird an diesem Standort als Gegeben angesehen (81,5 %). Folgende Kommentare verdeutlichen nochmals, die bereits dargestellte Problematik der Abstellmöglichkeiten am Standort Poppelsdorf. Die angegebenen Verbesserungsvorschläge spiegeln die tatsächlichen Gegebenheiten wider:

  • Überdachte Fahrradabstellplätze in ausreichender Anzahl mit überdachten Wegen zu Eingangsbereichen (Berücksichtigung Anzahl der Studierenden zu Stoßzeiten) (Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Standort Poppelsdorf)
  • Abstellmöglichkeiten (Verfügbarkeit + Qualität) sowie Wege für Fahrräder müssen deutlich verbessert werden. (Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Standort Poppelsdorf)
  • Fahrradunterstützung + Diebstahlschutz (Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Standort Poppelsdorf)
  • Fahrradabstellmöglichkeiten, an denen man das Fahrrad auch anschließen kann. nur abschließen schützt nicht vor Diebstahl. grade eine teures Fahrrad kann ein Dieb einfach mitnehmen, und das schloss gemütlich zuhause aufbrechen, wenn es nicht angeschlossen ist! Also müssen auf jeden Fall sogenannte Fahrradbügel installiert werden. Diese schonen auch die Laufräder! (Student, Standort Poppelsdorf)

Mobilitätsbezogene Maßnahmen an der Uni Bonn Standort Poppelsdorf

Am Standort Poppelsdorf sind etwa die Hälfte der zur Auswahl gestellten Maßnahmen positiv bewertet worden. Positiv aufgefallen ist mit 80,9 % die Kategorie „Informationsmanagement“. Mit mehr als 60 % Zustimmung würden die Befragten die Maßnahmen der Kategorien öffentliches Fahrradverleihsystem, Bonussystem, Gesundheitsfördernde Maßnahmen und Bewachung der Park- und Abstellmöglichkeiten befürworten. Die nachhaltige Mobilität steht daher auch hier im Vordergrund der Meinungen.
Die in dieser Frage angegebenen Verbesserungsvorschläge wie Mitarbeiterschulung (62,6 %), Bereitstellung von Dienstwagen (69,4 %), Shuttle Dienste (66,1 %) und Mobilitätsberatung (62,1 %) wurden als nicht maßgeblich beurteilt.

Mobilitätsbezogene Maßnahmen Poppelsdorf

Zur Frage nach weiteren Maßnahmen, die zu einer Verbesserung des Modal Split im Sinne von nachhaltiger Nutzung führen, wurden wie folgt gegeben:

  • Umsetzung der Fahrradwerkstatt incl. kostenloser Reparaturkurse (Student, Standort Poppelsdorf)
  • Die Universität sollte alle Ihren Mitarbeitern empfehlen, mit ÖPNV, Fahrrad oder zu Fuß zu kommen und das Auto zu Hause zu lassen. Die dafür nötige Infrastruktur hat sie (evtl. gemeinsam mit der Stadt Bonn) selbst zu tragen. In der Stadt Wien hat die Uni das auch so gemacht und einfach die Parkplätze gestrichen (…) Der AStA sollte neben dem Studi-Bus auch Lastenräder zur Vermietung anbieten! (Student, Standort Poppelsdorf)
  • man sollte kostenlose Schläuche und andere kleinteilige Verschleißteile umsonst an einer zentralen Stelle erhalten, wenn man Student mit Führerschein ist und dennoch mit dem Rad fährt. (Umweltbildung, Nachhaltigkeit) (Student, Standort Poppelsdorf)
  • öffentliches Fahrradverleihsystem für Studenten umsonst!!! Radstationen an den jeweiligen Unistandorten. Radmitnahme mit den Bussen auf den Venusberg (Student, Standort Poppelsdorf)
  • ein autofreier Campus wäre fein, dann wäre fahrradfahren entspannter und würde sich für alle mehr lohnen (Student, Standort Poppelsdorf)
  • Leihfahrräder zwischen den Campusstandorten kostenfrei anbieten (Student, Standort Poppelsdorf)
  • vergünstigtes ÖPNV Ticket für Mitarbeiter sollte auf jeden Fall beibehalten werden bzw noch günstiger sein (Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Standort Poppelsdorf)

Wunsch und Wirklichkeit

Es zeigt sich also, dass am Standort Poppelsdorf die Nutzung öffentlicher und nachhaltiger Verkehrsmittel überwiegt. Die Situation ist in der Gesamtsumme gut, sie könnte aber sicherlich noch bedeutend verbessert werden, wenn man sich von Seiten der Stadt vielleicht den einen oder anderen Vorschlag der Befragten zu Herzen nehmen würde. Sicherlich ist ein gänzlich autofreier Campus nahezu unmöglich umzusetzen. Anders sieht dies aber schon bei Rent a Bike Systemen oder passenden Abschließmöglichkeiten aus.

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Veröffentlicht von

Mein Name ist Daniel Euler und seit 2013 bin ich Diplom-Geograph (Uni Bonn). Mein Schwerpunkt im Studium war, wie hier sicherlich unschwer zu erkennen, die Mobilität. Ich beschäftige mich mit nachhaltigen Verkehrskonzepten, alternativen Mobilitätsformen und natürlich allem was mit dem Fahrrad zu tun hat.

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