Eine Schlussbetrachtung

Zu guter Letzt werden nach einer Reihe Artikel über die Mobilität von Bonner Universitätsangehörigen, Anwendungsbeispiele aufgezeigt und Schlüsse bzgl. einer nachhaltigen Mobilität gezogen. Hiermit wird das letzte Kapitel der Diplomarbeit „Wege zur Arbeit und zum Studium – Eine Untersuchung zum Mobilitätsverhalten an der Uni Bonn“ erscheinen.

Anwendungsbezug

Abschließend sollen an dieser Stelle Maßnahmen des Mobilitätsmanagements und Ideen vorgestellt werden, die zu einer nachhaltigeren aber auch gesünderen Mobilität beitragen können. Diese resultieren aus den beschriebenen Ergebnissen sowie den Schlüssen, die in der Diskussion gezogen wurden und betreffen die Universität sowie die Stadt Bonn.

Da gerade an den Standorten Endenich und City die Bewertung der Fahrradabstellanlagen bezüglich der Diebstahlsicherheit stark negativ bewertet wurden, bietet sich hier eine besondere Betrachtung der Problematik an. So könnte an diesen Standorten verstärkt die Uni Security Streife fahren oder als kosteneffizienter Ansatz in qualitativ hochwertige und sichere Fahrradabstellanlagen investiert werden. Die Bewachung ist an beiden Standorten als mobilitätsbezogene Maßnahme von Seiten der Befragten gewünscht. Auch an den verbleibenden Standorten, mit Ausnahme des LBH, sind ähnliche Defizite bzgl. der Abstellanlagen beschrieben worden. An dieser Stelle könnte die Universität sowie die Stadt Bonn der positiv zu vermerkenden großen Radfahrergemeinde qualitativ hochwertigere und vor allem sichere Fahrradabstellanlagen bereitstellen. Durch diese Maßnahme könnten vielleicht auch noch mehr Angehörige der Universität motiviert werden, das Fahrrad zu nutzen.

Die niedrige Nutzung der Pkw-Mitfahrmöglichkeiten für Pendler könnte intensiviert werden, da die Bereitschaft Fahrgemeinschaften zu gründen, vorhanden ist. Dies belegen die Ergebnisse der mobilitätsbezogenen Maßnahmen zu 54 %. Die Einführung einer Pendlerbörse im Intranet der jeweiligen Institute könnte das Informationsdefizit bzgl. dieser Thematik aufheben. Auch hier wäre eine „Win-Win“-Situation gegeben. Weniger Kosten für den Einzelnen, weniger Verkehr für die Bonner Bürger und weniger Emissionen wären die Folge. Diese Maßnahme würde vor allem für die „Pkw-affinen“ Standorte Römerstraße, Endenich und LBH in Frage kommen sowie für die Personengruppe der Mitarbeiter. Um dem Problem des Pendelns zwischen den beiden Informatikstandorten LBH und Römerstraße entgegen zu treten und weiteren Verkehr zu vermeiden, bietet sich eine Zusammenlegung der Standorte an.

Es ist angesprochen worden, dass Zugezogene (beispielsweise Erstsemester) in einer neuen Stadt und einer neuen Umgebung sehr offen für Neuerungen sind. So wäre es möglich die „Ersti-Tüten“, wie sie am Anfang jedes Semesters in den Bonner Mensen verteilt werden, mit Informationen bzgl. des ÖPNV, der Fahrradnutzung in der Stadt Bonn sowie mobilitätsbezogenen Angeboten des Asta und der Universität zu versehen.

Um eine nachhaltige Mobilität an der Uni Bonn gewinnbringend für alle Angehörigen zu fördern, ist es unabdingbar die zum Teil angesprochenen Maßnahmen in Kombination zu ergreifen. Ein öffentliches Fahrradverleihsystem könnte dabei in Kooperation mit der Stadt Bonn einer der tragenden Pfeiler darstellen. Diese wäre nicht nur ein Gewinn für den Tourismus der Stadt Bonn, sondern ebenfalls für die innenstadtnahen Standorte der Bonner Universität. Das bereits bestehende Semester- bzw. Studiticket stellt einen weiteren Pfeiler einer inter- und multimodalen sowie nachhaltigen Mobilität dar. Eine offenere Haltung des VRS und der SWB gegenüber Neuerungen bzgl. der Fahrradmitnahme im ÖPNV oder einer Etablierung von Fahrradanhängern für Busse etc. könnten einen weiteren Beitrag leisten. Eine Intensivierung der Vermarktung und Vergünstigung des JobTickets sowie eine von Bonner Arbeitgebern bzw. in diesem Fall der Uni Bonn honorierte Nutzung des Umweltverbundes wären weitere Wegweiser in Richtung einer „Grünen Uni“ oder einer „Grünen Stadt Bonn“. Eine Kombination von ÖPNV-Zeitkarten und einer damit verbundenen Nutzung von öffentlichen Leihrädern führt zu einer inter- und multimodalen Mobilität innerhalb der Stadt. Ein „Kombi-Ticket“ oder „MobilCard“ dieser Art müsste nicht sonderlich teurer sein, wenn Werbepartner (z.B. Deutsche Post/ Telekom/ etc.) zur Finanzierung der Fahrradflotte angesprochen werden. Wenn es großen Unternehmen möglich ist Nachtbuslinien zu sponsern, Werbung an Haltestellen in und auf Bussen und Bahnen zu finanzieren, wäre es dann nicht auch möglich Patenschaften für eine bestimmte Anzahl von öffentlichen Leihfahrrädern zu übernehmen? Sie dienen ebenso als Werbeträger, sind dazu noch in höherer Anzahl verfügbar und werden zusätzlich auch von Touristen genutzt, was einer überregionalen Werbung gleich käme.

Der bereits bestehende hohe Anteil an Fahrradfahrern am Modal Split der untersuchten Standorte kann die Universität sowie die Stadt Bonn sich zu Nutze machen, in dem dieser Umstand z.B. als Werbung dienlich ist. Die Uni könnte durch diesen Modal Split, sofern dieser auch für die gesamte Universität Gültigkeit besitzt, als Vorreiter für die Stadt Bonn geltend gemacht werden. Wäre die Verteilung der Verkehrsmittel auf die Stadt übertragbar, könnte der Titel „Fahrradstadt 2020“ vielleicht erreichbar sein.

In Kombination mit dem Vorhaben der Stadt Bonn Fahrradstadt 2020 in NRW zu werden, ließen sich weitere Konzepte umsetzen bzw. Wettbewerbe ausrufen. Stände die Uni Bonn als Vorreiter stellvertretend für die Bonner Betriebe mit diversen Maßnahmen zur Fahrradförderung, gäbe es sicherlich Nachahmer die dem Beispiel „Grüne Universität Bonn“ nachkommen wollen würden. Immerhin sind knapp 35.000 Personen der Universität angehörig. Ein Titel dieser Art könnte eine Art Wettbewerbsverhalten unter den deutschen Universitäten entfachen, welches erneut eine „Win-Win“ Situation darstellt. Würde ein offizieller Wettbewerb z.B. des Umweltbundeamtes ausgerufen und mit Prämien versehen, könnte sich der Anreiz natürlich verstärken, Deutschlands „grünste Uni“ im Bereich Mobilität zu werden.

Für die Stadt Bonn lässt sich sagen, dass hier eine postfossilere Mobilität möglich wäre. Die Ausmaße sowie die Topographie sollte sich die Stadt Bonn zu Nutze machen und eine Förderung von E-Mobility in jeglicher Form sowie eine zusätzliche Förderung der Fahrradmobilität in Angriff nehmen. Das gut ausgebaute ÖPNV-Netz – würde es noch barrierefreier gestaltet und stärker auf andere Verkehrsmittel abgestimmt werden – bietet eine zusätzliche gute Alternative zum MIV.

Wie bereits im theoretischen Teil dieser Arbeit beschrieben, würde sich der Standort Bonn, trotz der starken Kritik in den Medien, für eine City-Maut, wie sie am Beispiel London vollzogen wurde, anbieten. Die Stadt Bonn bietet sehr gute Voraussetzungen für diesen Schritt. Das angesprochene gute ÖPNV-Netz ist hierbei ein tragender Pfeiler und könnte durch ein öffentliches Fahrradverleihsystem unterstützt werden. Um den drohenden Verkehrsinfarkt, der durch die Sanierung der Bonner Brücken 2013 zwangsläufig entstehen wird, entgegen zu wirken, könnte die Stadt die City Maut innerhalb der Sanierungszeit testen. Im Gegenzug sind alternativen auf Seiten des ÖV zu erwarten, damit Pendlerströme aufgefangen werden können. Würde es gelingen mit diesem Schritt Pendler dauerhaft auf andere Verkehrsmittel umzuverteilen, wäre dies vielleicht ein weiterer Schritt zu einer nachhaltigen Mobilität.

Fazit

Zusammenfassend lassen sich die dargestellten Ergebnisse in Hinblick auf eine umweltschonende Mobilität der Universitätsangehörigen positiv bewerten. Natürlich konnten in dieser Arbeit nicht alle Wege, die die untersuchten Campus betreffen, analysiert werden, aber es ist gelungen Ergebnisse auszuwerten, die einen Einblick in das Mobilitätsverhalten der Probanden bieten.

Um den bereits vorhandenen hohen Anteil des Umweltverbundes weiter ausbauen zu können, bieten sich Maßnahmen des betrieblichen Mobilitätsmanagements an, die standort- sowie personengruppenspezifisch angewandt werden. Einige Vorschläge diesbezüglich wurden im Kapitel „Anwendungsbezug“ vorgeschlagen.

Der Modal Split im Vergleich der Standorte beschreibt, dass zwei „Grüne Standorte“ an der Uni Bonn vorhanden sind. Standort City und Poppelsdorf liegen bei der Nutzung des Umweltverbundes ca. 10 % vor den anderen Standorten. Die Standorte Endenich, Römerstraße und LBH sind durch eine Pkw-freundliche Infrastruktur charakterisiert – unterstrichen wird dies durch die hohen Pkw-Nutzeranteile. Dies wäre ein potentieller Ansatzpunkt für Maßnahmen des betrieblichen Mobilitätsmangements um eben diese Anteile zu senken. Der Standort City spiegelt eine beschränkte Anzahl an Pkw-Parkplätzen wider und ist durch die Zentralität mit dem Fahrrad besser erreichbar. Außerdem ist dieser durch mehrfache ÖPNV-Verbindungen an das ÖV-Netz optimal angeschlossen. Die Voraussetzungen für eine inter- und multimodale Mobilität sind im Vergleich der Standorte am Campus City am ehesten gegeben. Der Campus Poppelsdorf ist charakterisiert durch eine hohe Fahrradnutzung trotz einer hohen Anzahl an Pkw-Besitzern. Auch hier spiegeln sich die Standortvorteile in Kombination mit den weichen Faktoren im Mobilitätsverhalten wider.

Zu den Ergebnissen der mobilitätsbezogenen Maßnahmen lässt sich sagen, dass sich die Bereitschaft diese anzunehmen begrenzt ist. Nur sieben von 15 Maßnahmen wurden insgesamt positiv beurteilt. Dieses Ergebnis resultiert aus den standortspezifischen Unterschieden. Hier müssten die Standorte explizit nach diesen und noch weiteren Maßnahmen untersucht und die Institutsangehörigen weiter befragt werden, um ein zielgerichtetes Maßnahmenpaket entwickeln zu können. Durch zusätzliche Angebote seitens der Universität und/ oder der Stadt Bonn könnten Wege und vor allem Fahrten des MIV eingespart oder effizienter gestaltet werden.

Die Fahrradabstellanlagen stellen einen wichtigen Punkt bzgl. der Fahrradnutzung dar. Sind sie qualitativ gut, werden sie eher genutzt. Bis auf die Beleuchtung sowie die Diebstahlsicherheit sind die Anlagen insgesamt positiv beurteilt worden. Die standortbezogenen Ergebnisse der Befragung, die Kommentare aus der offenen Frage sowie die fotografierten Beispiele der Standorte unterstreichen dies. Für eine fahrradfreundliche Situation an den Standorten muss insbesondere in die Diebstahlsicherheit der Anlagen investiert werden. Die Fotografien innerhalb der jeweiligen Kapitel belegen, dass Möglichkeiten zum sicheren Anschließen der Fahrräder unterrepräsentiert sind.

Durch eine aus dieser Studie resultierende vollzogene Mobilität ist es möglich, den Verkehr sowie die damit verbundenen Emissionen einzusparen. Die Universität Bonn kann durch eine weitere Forcierung eines solchen Mobilitätsverhaltens mittels weicher und harter Maßnahmen dazu beitragen, dass die Bürger der Stadt Bonn weniger durch den Verkehr beeinträchtigt werden. Durch die hohe Anzahl von Universitätsangehörigen, die einen nicht unerheblichen Anteil an der Bonner Bevölkerung darstellen, kann eine spürbare Verkehrsreduzierung erreicht werden. In Zusammenarbeit mit der Stadt Bonn sowie den Verkehrsbetrieben eröffnet sich ein noch breiteres Spektrum an Maßnahmen, die zu einer postfossilen, gesünderen und nachhaltigen Mobilität beisteuern können. Interesse an einer nachhaltigen Mobilität seitens der Mitarbeiter und der Studierenden sind vorhanden. Individuelle Anregungen zu einer Verbesserung der gegenwärtigen Situation sind ausreichend durch Kommentare von Teilnehmern belegt worden. Die Bereitschaft nachhaltige Mobilitätsformen umzusetzen, ist aus den Ergebnissen abzulesen. Die Befragung spiegelt natürlich nur eine Stichprobe aller Universitätsangehörigen wider, wodurch es nicht möglich ist eine Aussage für alle Universitätsangehörigen zu treffen.

Die Wege zur Arbeit und zum Studium an der Universität Bonn stehen bereits jetzt für eine umweltschonende Mobilität. An diesen Werten könnte sich die Stadt Bonn orientieren, wenn das Ziel einer nachhaltigen und umweltschonenden Mobilität weiter verfolgt werden soll. Die Universität geht der Stadt Bonn mit gutem Beispiel voran.

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Veröffentlicht von

Mein Name ist Daniel Euler und seit 2013 bin ich Diplom-Geograph (Uni Bonn). Mein Schwerpunkt im Studium war, wie hier sicherlich unschwer zu erkennen, die Mobilität. Ich beschäftige mich mit nachhaltigen Verkehrskonzepten, alternativen Mobilitätsformen und natürlich allem was mit dem Fahrrad zu tun hat.

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