Mobilität in Poynton, GB

Skyline Boston, Titelbild Urbanfreak ©Hagen Schiessel

Bislang wurde die Mobilität zumeist nur in Bezug auf Fahrräder hier behandelt. Dies liegt zum einen daran, dass dies Daniel Euler’s Hauptthema der Diplomarbeit war und weil der MIV (motorisierter Individualverkehr) sowie der ÖPNV (öffentlicher Personennahverkehr) nun nicht unbedingt zu meinen Lieblingsthemen während des Studiums zählten. Aber gut, was tut man nicht alles um eine kleine aber hartnäckige Lesergemeinde bei Laune zu halten. Pünktlich zum Start in den (baldigen) Feiertag gibt es nämlich Video-Nachschub.

Wer benötigt schon Verkehrsschilder?

Ich weiß zwar auch nicht, warum sich momentan alle interessanten Dinge in England abspielen, aber die Kleinstadt Poynton in der britischen Provinz hat mich dieses Wochenende mit ihrem Shared Spaces Konzept vollkommen begeistert. Kurzerhand wurden im Städtchen in der Grafschaft Cheshire die Verkehrsregelungen entfernt, die Bürgersteige ebenerdig abgesenkt und Ampeln wie Verkehrsschilder gänzlich entfernt. Das vier Millionen Pfund teure Projekt zum gemeinschaftlich genutzten Raum ist nun seit knapp einem Jahr fertig und floriert seitdem in ungeahnter Art und Weise.

Das Prinzip der Shared Spaces

Im Bereich des Fountain Place, einem historisch bedeutsamen Ort, an dem sich schon im 19. Jahrhundert versammelt wurde, ist ein Prototyp für eine Nutzungsmischung der besonderen Art entstanden.

Sicherlich gibt es vor allem in den Niederlanden ähnliche Projekte. Seit den 1990er Jahren ist innerhalb von Europa immer mal wieder der Versuch unternommen worden, das Prinzip des geteilten Raumes auf den Verkehr zu beziehen. Vor allem der holländische Verkehrsplaner Hans Mondermann war hier eine bedeutende Triebfeder. Bis zu seinem Tod im Jahr 2008 war er Hauptinitiator und Verfechter der Shared Spaces. Bereits Mitte der 1980er Jahre erklärte Mondermann zum Beispiel, dass es eigentlich die zur Verkehrsführung eingesetzten Instrumente, wie eben Schilder, Ampeln aber auch Blumenkübel und Wegepoller sind, die Unfälle provozieren. Daher setzte er in vielen Städten der Niederlande seine Idee der Shared Spaces, also der gleichberechtigten Wege für alle Verkehrsteilnehmer um. Groningen, Oudekaste und Smallingerland sind nur einige Orte in denen zumindest teilweise nach den Prinzipien von Mondermann der Verkehr geregelt wurde. – Oder eben eigentlich auch nicht. Immerhin basiert das gesamte Prinzip auf der Tatsache, dass es keine externen Regelungsmaßnahmen für den Verkehr gibt und sich dieser somit selbst regulieren muss.

Zurück zu Poynton

Das besondere an der Umsetzung des Shared Spaces Prinzip in Poynton ist, dass es sich um das bislang ambitionierteste Projekt dieser Art handelt. Der Fountain Place gehört nämlich zu einer vielbefahrenen und wichtigen Straßenkreuzung in der Stadt. Wie es also dazu kam, dass ausgerechnet diese Kreuzung bzw. dieser Bereich zu einem  Shared Spaces Projekt umgebaut wurde, erklärt das folgende Video.

Die Umsetzung nach einem Jahr

Zunächst gab es viele kritische Stimmen zum Umbau. Schließlich bedeutet die Mischnutzung auch die gleichen Voraussetzungen für alle Verkehrsteilnehmer. Die zweispurige Hauptverkehrsstraße wurde einspurig und gleichzeitig wurden die Bürgersteige breiter. Während Kritiker daher schon einen Rückstau in den Hauptverkehrszeiten bis Manchester vor sich sahen, schaffte Poynton es diese Kritiker eines Besseren zu Belehren. Der Verkehr fließt nahezu unfallfrei zu jeder Tages- und Nachtzeit. Wie man dem absolut ereignislosen Video der Kreuzungszone entnehmen kann. Ich persönlich bin ja eher vom Linksverkehr irritiert als vom Shares Spaces Konzept.

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Veröffentlicht von

Sicherlich fragen sich jetzt alle, wer hier schreibt: Mein Name ist Helen Schrader, seit 2010 bin ich Diplom-Geographin (Uni Bonn) und eigentlich bin ich bei PIXUM in Köln im Bereich Online Marketing tätig. In meiner Freizeit schreibe ich an UrbanFreak und versuche der Geographie zumindest ein wenig treu zu bleiben.

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