Mobilität in der Stadt Bonn

Nach etwas längerer Stille um die Mobilität der Bonner Universitätsangehörigen sollen nun die Ergebnisse folgen. Diese wurden, wie schon im zweiten Artikel erwähnt, standortbezogen erarbeitet. Doch zuerst einige Ergebnisse die sich auf die Grundgesamtheit der Teilnehmer beziehen.

ÖPNV & Verkehrsmittelverfügbarkeit

Um eine Bestandsaufnahme bezüglich des Mobilitätsverhaltens von Personen erheben zu können, wurde im Fragebogen gezielt die Verkehrsmittelverfügbarkeit sowie Führerschein- und ÖPNV-Zeitkartenbesitz ermittelt. In Abbildung 1 ist der Zeitkartenbesitz dem Führerscheinbesitz gegenüber gestellt. Die Befragung zeigt, dass mit knapp 93 % der Befragten ein sehr hoher Anteil einen Führerschein besitzt und somit potentielle Autofahrer sind. Dieser hohe Wert wurde bereits zu Anfang dieser Arbeit erwartet. Nur 5,2 % besitzen keinen Führerschein und 1,8 % machten keine Angaben zu dieser Frage.

Zeitkartenbesitz des ÖPNV

Führerscheinbesitz

Abbildung 1: Zeitkartenbesitz des ÖPNV und Führerscheinbesitz der Teilnehmer

Der Besitz von ÖPNV-Zeitkarten unter den Befragten zeigt eine weite Verbreitung (78,9 %) des Semestertickets der Studierenden (im Folgenden: Studiticket). Andere Zeitkarten wie Jobticket oder sonstige Zeitkarte sind mit 7,2 % vertreten. 12,4 % der Befragten gab an über keine Zeitkarte zu verfügen.
Kommentare, ob es weitere Anregungen zu betrieblichen Mobilitätsangeboten an der Uni Bonn gäbe, konnten bei einer offenen Frage von Teilnehmern der Befragung abgegeben werden. Diese sollen auch im weiteren Verlauf der Auswertung angeführt werden, um die vorliegenden Sachverhalte zu betonen. Die Antworten auf die offene Frage dieser Thematik lauteten auszugsweise wie folgt:

„Wenn der Preis für das Jobticket geringer wäre, würden viele meiner Kollegen eines kaufen. Ich selber bin darauf angewiesen, da ein Auto noch etwas teurer wäre. Andere Firmen bekommen das Jobticket für 38 €! Wir zahlen mit 52 € einfach viel zu viel. Zumal die Busse selten pünktlich fahren (zu früh/zu spät) oder vollkommen überfüllt sind (Venusberg!!!)“. (Technisches Personal, Standort Endenich)

ÖPNV sollte für Mitarbeiter wesentlich preisgünstiger sein, dann würden viele umsteigen. (Professor, Standort Endenich)

Vergünstigtes ÖPNV Ticket für Mitarbeiter sollte auf jeden Fall beibehalten werden bzw. noch günstiger sein. (Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Standort Poppelsdorf)

Die Kommentare unterstreichen die Situation der Mitarbeiter bzgl. des JobTickets an der Uni Bonn. Anhand der Kommentare lässt sich feststellen, dass auch die Teilnahme am ÖPNV kostenabhängig ist. Ein „Großkundenticket“ der Universität Bonn kostet im Abonnementzeitraum (04/2012 bis 03/2013) 49,60 € bzw. 52,20 €. In den Übergangstarifen VRS/ Ahr bzw. VRS/ VRR (Verkehrsverbund Rhein-Sieg / Verkehrsverbund Rhein-Ruhr) monatlich 77,10 € bzw. 96,00 €1. Auf Studierendenseite müsste eine 100%ige Abdeckung des ÖPNV mittels des Semestertickets gewährleistet sein.

Im Gesamtüberblick der Verkehrsmittelverteilung der Haushalte insgesamt ist in Abbildung 2 dargestellt. Etwas mehr als die Hälfte aller Befragten (52,7 %) sagten aus, dass ihr Haushalt mit mindestens einem Auto ausgestattet ist. Das motorisierte Zweirad scheint ein eher unbeliebtes Verkehrsmittel zu sein. Nur 9,5 % geben an ein solches in ihrem Haushalt vorweisen zu können.

Verkehrsmittelverfügbarkeit City

Abbildung 2: Verkehrsmittelverfügbarkeit

Das Fahrrad gehört zu fast jedem Haushalt dazu. In 89 % aller Haushalte ist mindestens ein Fahrrad vorhanden. Auffällig ist hier, dass 50 Haushalte sechs und mehr Fahrräder besitzen (das Maximum liegt hier bei 16 Rädern!). Dies resultiert wahrscheinlich aus den Wohnformen, wobei ca. ein Viertel mit mehr als drei Personen zusammenlebt. Allerdings sagten von den 139 Personen, die alleine Leben, 18 mehr als ein Rad zu besitzen.

Campus City

Zeitkartenbesitz Bonner City

Verkehrsmittelverfügbarkeit City Bonn

Abbildung 3: Zeitkartenbesitz des ÖPNV und Verkehrsmittelverfügbarkeit Standort City

Im Besitz einer ÖPNV-Zeitkarte sind 87,8 % der Personen dieses Standortes (vgl. Abb. 3 oben). Von 8,1 % der befragten Mitarbeiter des Standortes, besitzen 3,1 % ein Jobticket. 2 % der Teilnehmer nutzen andere Zeitkarten des ÖPNV teil. Der Großteil von 82,7 % nutzt das Studiticket. Es wird davon ausgegangen, dass Personen im Promotionsstudium ebenfalls die Möglichkeit haben ein Studiticket zu nutzen.
Die Vorraussetzungen für die Teilnahme am ÖPNV sind skizziert worden. Im Folgenden wird die Verfügbarkeit der Verkehrsmittel dargestellt (Abb. 3 unten). Zur Auswahl standen bei dieser Frage der Pkw, das motorisierte Zweirad, das Fahrrad sowie die Möglichkeit „Sonstiges“ anzugeben. 90,8 % der Befragten besitzen mindestens ein Fahrrad. 43,9 % der Teilnehmer des Standort City sind Besitzer eines Pkw und 9,2 % der Teilnehmer verfügen über ein motorisiertes Zweirad.

Nutzung der vorhandenen Verkehrsmittel

Anhand der Frage (Wie oft nutzen Sie im Durchschnitt folgende Hauptverkehrsmittel…?) wurden die verkehrsmittelbezogenen Nutzungsgewohnheiten der Teilnehmer erfragt. Aus diesen Informationen lässt sich ein Modal Split aufgrund dieser Gewohnheiten erstellen. Der Modal Split wurde anhand der Nennungen in der Kategorie „tägliche Nutzung“ erstellt. Diese Nennungen sind nicht immer identisch mit der Anzahl der Teilnehmer des Standortes. Nennungen und Anzahl der Teilnehmer sind in den jeweiligen Abbildungen gekennzeichnet. Die Anzahl der Nennungen innerhalb der Kategorie „tägliche Nutzung“ stellt auf die sich bezogene Grundgesamtheit dar.

Modal Split Verkehrsmittelnutzung

Abbildung 4: Modal Split Campus City

Die angesprochenen 43,9 % Pkw-Besitz sind im Modal Split nicht wiederzuerkennen (Abb. 4).
Nur 5,1 % nutzen täglich das Auto für den Arbeits- bzw. Ausbildungsweg. Der Besitz des motorisierten Zweirades (9,2 %) ist im Modal Split ebenfalls nicht zu erkennen. Das Fahrrad und der ÖPNV werden am Campus City von jeweils 36,7 % der Befragten täglich genutzt.

Einkommen und Verkehrsmittelwahl

Gründe für eine geringe Pkw-Nutzung sind vielfältig. Ein Grund für eine geringe Pkw-Nutzung können unter anderem die Kosten sein. Die Fahrt mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV ist vergleichsweise weitaus günstiger als ein eigener Pkw. Deshalb wurde untersucht, ob das Haushaltseinkommen Einfluss auf die Verkehrsmittelnutzung hat. Dazu wurden wie in Abbildung 5 dargestellt, die sieben abgefragten Einkommensklassen in vier Klassen zusammengefasst.
Die prozentuale Verteilung der Teilnehmer ist über den Bezeichnungen der Einkommensklassen (in Euro) angegeben. Anhand der Nennungen in der Kategorie „tägliche Nutzung“ wurde ein haushaltseinkommensabhängiger Modal Split für die jeweilige Klasse erstellt. So können auch abweichende Werte von Teilnehmern und Nennungen zustande kommen.

Verkehrsmittelnutzung und Einkommensklassen

Abbildung 5: Einkommensklassengebundene Verkehrsmittelnutzung Standort City

Die mit 27,6 % am stärksten vertretende Klasse ist die mit einem Nettohaushaltseinkommen von weniger als 1000 €. Die Geringverdiener (< 1000 €) nutzen das Fahrrad (39,3 %) als primäres Fortbewegungsmittel, gefolgt vom ÖPNV (32,1 %) und dem zu Fuß Gehen (28,6 %). Die Nutzung des Pkw ist in dieser Klasse nicht verzeichnet. Der Umweltverbund ist am Standort City in allen Einkommensklassen stark vertreten (vgl. Abb. 5). Die Option, den Weg zum Zielgebäude als Pkw-Mitfahrer zu bestreiten, ist erst in den beiden höheren Einkommensklassen (2000€ bis <4000€) mit 4,8 % und bei der höchsten Einkommensklasse (>4000€) mit 7,7 % zur erkennen. Der ÖPNV wird in der Netto-Haushaltseinkommensklasse >4000€ mit 46,2 % am stärksten genutzt, wohingegen der Weg zu Fuß gar nicht zu vorzufinden ist.

Bewertung der Park- und Abstellmöglichkeiten am Zielgebäude

Park- und Abstellmöglichkeiten

Abbildung 6: Bewertung der Fahrradabstellmöglichkeiten Standort City

Nachdem die tägliche Verkehrsmittelnutzung sowie die verschiedenen Möglichkeiten am Verkehr teilzunehmen beschrieben wurden, werden nun die Meinungen zu den am Standort vorhandenen Fahrradabstellanlagen vorgestellt (Abb. 6). 81,7 % der Befragten bemängeln am Campus City eine fehlende Überdachung der Fahrradabstellanlagen. Weitere 64,3 % finden, dass die Abstellmöglichkeiten nicht ausreichend gegen Diebstahl geschützt sind.
Als gut empfunden wurden die Entfernung der Fahrradabstellmöglichkeiten zum Dienstgebäude (87,7 %), sowie die Verfügbarkeit von Abstellmöglichkeiten (73,5 %). Ebenfalls positiv bewertet wurden die eigene Sicherheit (77,6 %) und die Beleuchtung (56,1 %) der Anlagen. Jedoch sprachen sich auch 30,6 % negativ bzgl. der Beleuchtung aus. Das Ergebnis wird durch die Aussagen zu Frage (Haben Sie weitere Anregungen zu betrieblichen Mobilitätsangeboten an der Universität Bonn?) nochmals unterstrichen:

mehr überdachte Fahrradständer sind nötig!!!!! (Student, Standort City)

Es fehlen Fahrradständer nach aktuellem Standard, die ein Anschließen des Rades erlauben. (wissenschaftlicher Mitarbeiter, Standort City)

Ich würde mir eine ausgedehntere und sicherere Fahrradparksituation wünschen. Zu verbessern wären Abstellmöglichkeiten am Hauptgebäude vor dem Skandinavistischen Seminar und vor dem Hauptausgang in Richtung Hofgarten. Es fehlen gänzlich Überdachung, sowie sichere Fahrradständer in vernünftiger Anzahl. (Student, Standort City)

Es folgt eine Vorstellung diverser Maßnahmen des betrieblichen Mobilitätsmanagements (kurz: BMM), die von den Teilnehmern bewertet wurden. Anhand derer können im Verlauf der Arbeit gezielte Maßnahmen erarbeitet werden.

Mobilitätsbezogene Maßnahmen an der Uni Bonn – Standort City

Die Teilnehmer hatten eine Auswahl von Maßnahmen des BMM, die in vier Bewertungsstufen (wichtig, eher wichtig, eher unwichtig, unwichtig) unterteilt waren, zu beurteilen. Zur Auswertung wurden die genannten Kategorien in zwei Klassen (positiv/ negativ) zusammengefasst, um die Darstellung übersichtlicher zu gestalten. Die Daten werden für jeden Campus ausgewertet und vorgestellt. Der Campus City bewertet die Bewachung von Park- und Abstellmöglichkeiten sowie das Informationsmanagement mit über 70 % als gut (vgl. Abb. 7). Weiterhin sind mit über 60 % positiver Bewertung das öffentliche Fahrradverleihsystem, Bonussystem, gesundheitsfördernde Maßnahmen, City-Bike Standorte auf Uni Gelände, Bereitstellung von Fahrradzubehör und Fahrgemeinschaften genannt worden.

mobilitätsbezogene Maßnahmen

Abbildung 7: Bewertung von mobilitätsbezogenen Maßnahmen an der Uni Bonn Standort City

Sehr negativ wurde die Bereitstellung von Dienstwagen angesehen (79,6 % Ablehnung). Weiterhin stehen mit über 60 % die Bereitstellung von Diensträdern, Mitarbeiterschulungen und Duschmöglichkeiten im Dienstgebäude negativ dar. Insgesamt ist zu bemerken, dass es an diesem Standort sehr wenige knappe Entscheidungen gegeben hat. Die Prozentzahlen bei den einzelnen Fragen sind größtenteils eindeutig positiv bzw. negativ.

Stimmen zu dieser Thematik sind im Folgenden aufgeführt:

Information über Mitfahrgelegenheiten/Fahrgemeinschaften per Internet (Technisches Personal, Standort City)

Die Frage klären, was mit den Pendlern geschieht, wenn im Januar 2013 die Tiefgarage für 2 Jahre schließt. Es ist keine Antwort zu bekommen, aber für mich persönlich hängt davon ab, ob ich weiter Unterricht machen kann oder nicht (Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Standort City)

Auf ein baldiges Wiedersehen

Soviel erstmal wieder von mir und den Ergebnissen meiner Diplomarbeit. Sind eure Erfahrungen mit den Verkehrsmitteln in Bonn ähnlich wie die hier aufgezeigten? Mit welchem Verkehrsmittel bewegt ihr euch meistens in der Stadt fort. – Ganz egal ob es sich nun um Bonn oder eine andere Stadt handelt. Ich freue mich über weitere Meinungen zur Verkehrsverfügbarkeit und Hinweisen zum Verkehrsmittel eurer Wahl.

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Veröffentlicht von

Mein Name ist Daniel Euler und seit 2013 bin ich Diplom-Geograph (Uni Bonn). Mein Schwerpunkt im Studium war, wie hier sicherlich unschwer zu erkennen, die Mobilität. Ich beschäftige mich mit nachhaltigen Verkehrskonzepten, alternativen Mobilitätsformen und natürlich allem was mit dem Fahrrad zu tun hat.

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