Mobilität und Digitalisierung – Chancen und Hemmnisse für die Mobilität von morgen

Da ich neben dem Schreiben von Artikeln ja noch einem echten Job nachgehe, hatte ich letztens die Möglichkeit an der Veranstaltung „Mobilität und Digitalisierung – Chancen und Hemmnisse für die Mobilität von morgen“ – ausgetragen vom ILS in Dortmung – teilzunehmen. Daher hatte ich die Chance am 26.11. sechs wirklich sehr interessanten Vorträgen zum Thema Mobilität zu lauschen, die ich euch hier kurz zusammenfassen möchte, damit ihr einen kleinen Überblick über den aktuellen Stand in der Mobilität von Heute bzw. Morgen bekommt.

Das Projekt U.Move 2.0

Kathrin Konrad, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung referierte über das Projekt U.Move 2.0. Was vielen wahrscheinlich bekannt ist, werden junge Menschen heute schon mit dem Smartphone geboren. Viele Menschen älterer Generation fluchen auf die Neuerungen des Smartphones. „Kannst du das mal weglegen?“ Gibt es auch mal eine Minute wo du nicht auf dein Handy schaust?“ Der Unterton dabei ist die Vereinsamung der jungen Menschen. „Triff dich doch lieber mit deinen Freunden!“

Genau diese Problematik ist die Basis dieses Kurzvortrages gewesen. Inwieweit beeinflussen IuK unsere heutigen Wege und Beziehungen? Natürlich haben Smartphones und Apps Einfluss auf unseren heutigen Alltag. Im Projekt U.Move 2.0 stellte sich heraus, dass der Effekt aber nicht negativ zu bewerten ist. Der Zusammenhang zwischen virtueller und physischer Mobilität besteht – je mehr Wege desto mehr IuK Nutzung. Googlemaps, der DB Navigator oder Whatsapp helfen Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alltag. Wege werden nicht ersetzt sondern flexibler und tendenziell mehr. Die Kommunikation über Messenger ersetzen nicht die realen Kontakte und Treffen – die Apps intensivieren sogar die Kommunikation.

Wie das Web das Leben erleichtert

Auf positive Effekte der IuK Technologien ging der zweite Vortrag von Frau Hörstmann-Jungemann ein. So sagte Sie, dass hierdurch sogar Wege eingespart werden können. So musste man vor nicht langer Zeit, für Einkäufe, Besorgungen oder Termine oft Wege planen weil diese Bedarfe am Standort selber erledigt werden mussten. Heute können viele Dinge von unterwegs bearbeitet werden. Es werden Wege aber auch Zeit eingespart. Die Webkonferenz mit Geschäftspartnern in einer anderen Stadt oder das Buch welches noch besorgt werden muss vor Weihnachten kann mit den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) von zu Hause oder von Unterwegs erledigt werden. Es stellt sich die Frage, was machen wir mit dieser neu gewonnenen Zeit? Generieren wir neue Wege? Sind es ausschließlich Freizeitwege oder ermutigt uns diese neue Art der Bedarfsbefriedigung nur unsere sowieso schon vollen Tage noch voller zu gestalten und noch mehr arbeiten zu können?

Reduzieren wir Wege doch einfach weg

Um Wegereduzierung ging es im darauffolgenden Vortrag von Herrn Mensing und Frau Neiberger. Inwieweit können Wege durch E-Commerce eingespart werden oder werden es tatsächlich mehr? Jeder kennt den „Service“ diverser Onlinehändler, wo gerade was Kleidung betrifft, 50% der Pakete wieder Retour gehen. Die Wege der Konsumenten werden auf den ersten Blick eingespart – die der Paketzusteller erhöhen sich jedoch. Oder?

Die Doktorarbeit von Herrn Mensing beschäftigt sich genau mit diesem Thema. Hierzu wurden 3 Thesen aufgestellt.

  1. Substitutionsthese: Durch Lieferung von Waren werden Fahrten eingespart
  2. Neutralitätsthese: Geringer/ kein Einfluss
  3. Wachstumsthese: Durch E-Commerce längere und mehr Fahrten

Die Befragung wurde in drei Gemeindetypen (nach BBSR) und über drei Warengruppen durchgeführt (Bücher, Kleidung, Elektronikartikel). Unter anderem wurde gefragt welches Verkehrsmittel für den Einkauf dieser Warengruppen genutzt wird. Beachtlich waren die Elektroartikel, die zu 80% mit dem PKW eingekauft werden. Auch hier stellte sich abschließend die Frage, was der Konsument mit der eingesparten Zeit/ den eingesparten Wegen macht.

multimo – Neue Trends in der Alltagsmobilität

Herr Schönduwe vom innoZ präsentierte einige Ergebnisse aus dem Projekt „multimo-Neue Trends in der Alltagsmobilität“. Interessant hierbei ist vor allem die zur Datengewinnung verwendete App „Modalzyer“. Mit dieser App kann jeder seinen eigenen Modal Split aufzeichnen. Im Nachgang können die Daten für weitere Forschung gespendet werden (oder auch nicht). Ich habe selber an der Studie teilgenommen und diese App ausprobiert. Ganz reibungslos funktioniert sie noch nicht, man kann aber im Nachgang seine Wege, was die Verkehrsmittelwahl zum Beispiel angeht, korrigieren.

Das Projekt soll vor allem helfen, neue Mobilitätsbedürfnisse zu verstehen und die Erwartungen der Kunden und der Kunden von Morgen besser stillen zu können.

Bike Citizens

Ganz besonders interessant war für mich der Vortrag von Daniel Kofler von Bike Citizens. Zum einen haben die beiden Gründer (ehemalige Fahrradkuriere) es verstanden eine Fahrradnavigationsapp zu gestalten, die es Radfahreren möglich macht auch abseits der viel befahrenen Wege zum Ziel zu kommen. In Kombination mit der Smartphonehalterung „Finn“ ist das Navigieren auf dem Fahrrad in der Stadt komfortabel geworden. Anhand der „Reichweitenkarte“ kann der Radler schauen, wie weit er in seinem Tempo, mit seinem Rad in 5 Minuten kommt. Eine gelungene Visualisierung am Beispiel Bonn zeigt, dass im Innenstadtbereich eigentlich alles mit dem Fahrrad zu erreichen ist.

bike-citizens

Die beiden Österreicher haben noch weitere tolle Ideen, über die ich ein anderes Mal berichten werde. Soviel vorab – die grüne Welle fürs Fahrrad kann es geben.

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