Von Chelsea bis SoHo

Welch wandelbare Metropole die Stadt New York ist, zeigen die gegenwärtigen Szeneviertel der Stadt: Greenwich Village, Meatpacking District und Chelsea. In Anlehnung an Richard Florida’s drei T’s (technology, talent and tolerance), mit denen er die Standorte der „kreativen Klasse“ charakterisiert, scheint die Alliteration der drei G’s für dieses Gebiet Manhattans passender. Zwischen der Houston Street im Süden und der 23rd Street im Norden findet sich westlich der 8th Avenue ein etwas anderes New York: Abseits der Hektik von Midtown und der sich auf der Südspitze drängelnden Hochfinanz etabliert sich ein typisches Yuppie-Biotop mit einer interessanten, teils ungewöhnlichen Nutzungsmischung in altem Gebäudebestand.

Chelsea Hotel

Aber beginnen wir am Anfang: Bereits früh ließ sich die Bohème im Stadtteil Chelsea nieder. Ausgehend von der 8th Avenue, entlang der 23rd Street, findet man das mittlerweile weltberühmte, 1884 erbaute Chelsea Hotel. Es gilt seit seiner Eröffnung als Anlaufpunkt für exzentrische Künstler und eigenwillige Musiker. Berühmtheiten wie Bob Dylan, Allen Ginsberg oder Janis Joplin residierten dort im Lauf der Jahre und ließen sich von der besonderen Atmosphäre inspirieren. Traurige Berühmtheit erlangte es durch den Tod des Dichters Dylan Thomas, welcher nach 18 Gläsern Whiskey am 9.11.1953 an den Folgen einer Alkoholvergiftung starb und dem Mord an Nancy Spungen, die am 12.10.1962 von ihrem Freund, dem Sex Pistols Sänger Sid Vicious, erstochen wurde.

Gallery Row

Garage im 20. StockDer gegenwärtig interessanteste Teil beginnt aber erst einige hundert Meter weiter westlich der 9th Avenue. Hier hat sich ein Galerienviertel etabliert, welches weltweit seinesgleichen sucht. Ohne den verblichenen industriellen Charme unnötig aufzuhübschen, siedelten sich hier Größen wie Silverstein und Co. an. Weit weg vom Luxusgehabe der 5th Avenue oder der Madison Avenue in der Upper East Side. Zwischen den Galerien erblickt man noch die ein oder andere alte Werkstatt, was ein bisschen den Eindruck erweckt, das Viertel möchte diesen schnöden Charme  erhalten. Dies geschieht nicht ganz zu unrecht, denn schon jetzt werden die ersten Luxushabitate für den exzentrischen New Yorker errichtet, selbstverständlich mit Aufzug. -Für das eigene Auto versteht sich. Die Frage, ob dies nun den Stellenwert des Parkplatzes oder den des Bewohners symbolisieren soll, lässt der Bauträger offen.

Meatpacking District

LKWs im Meatpacking District in New York CityWeiter südlich in Richtung Meatpacking District verliert man sich in ehemaligen Backstein-Lagerhäusern, die durch einen rostigen aufgeständerten Lindwurm verbunden zu sein scheinen. Die gespenstische Ruhe verrät, dass es sich nicht um die Metro handelt, sondern um eine ehemalige Güterbahn, welche seinerzeit zur Entlastung der 10th Avenue gebaut wurde und heute durch den Nutzungswandel obsolet geworden ist. Eine Public-Private Partnership gestaltet die so genannte Highline zu einem Park um. Somit bietet der Park Erholung für die gestresste Oberschicht oberhalb der Industriearchitektur, wegen der sie einst gekommen waren.

Gansevoort Market

Ruhige Ecke in NEw York City am Gaansevoort MarketMittlerweile gehören der Meatpacking District, oder auch der Gansevoort Market zu den angesagtesten Adressen der Stadt. Zwischen den stetig weniger werdenden Schlachtereien lassen sich neue Szene-Lokale und Restaurants nieder, werden Boutiquen und Galerien eröffnet und neuer Wohnraum geschaffen. Egal, ob man nun von einer Gentrifizierung oder Revitalisierung sprechen will, eins ist sicher: der Meatpacking District ist New Yorks momentaner Hot Spot. Nirgends sonst steigen die Bodenpreise so schnell, werden mehr Lofts und teure Hotels gebaut wie hier.

Greenwich Village

Stonewall Inn an der Christopher Street Das angrenzende Greenwich Village ist ein schon älteres und traditionelles Künstler- und Szeneviertel mit vielen Cafes, Bars und Restaurants. Neben den Oscargewinnern Julianne Moore und Dustin Hoffmann zieht es auch immer wieder Filmteams in die als Künstlerstraße bekannte Gay Street. Schauspielgrößen wie Al Pacino (Carlito’s Way, 1993) sowie, von uns zu beobachten John Hurt (An Englishman in New York, 2008) drehten dort, und die Autorin Ruth McKenney schrieb gar ein ganzes Buch über ihr Leben in der Gay Street, welches unter dem Namen „My Sister Eileen“ veröffentlicht wurde.

Christopher Street

Nördlich der Gay Street erstreckt sich die Christopher Street. Am 29.6.1969 kam es dort während einer Razzia in der von homosexuellen besuchten Bar Stonewall Inn zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Gästen. In Anlehnung an den Straßennamen wird seitdem weltweit in den Hochburgen der Lesben- und Schwulenbewegung der Christopher Street Day als Fest- und Gedenktag gefeiert.

Chelsea Piers

Von dort kommt man schließlich entlang des Hudson Rivers zu den Chelsea Piers. Dort lohnt es sich, einen Zwischenstopp einzulegen. Immerhin handelt es sich um den Pier, an dem die Titanic anlegen sollte und an dem sich heute ein Yachthafen, diverse Fitnesstudios und eine Driving Range befinden.

Laissez-Faire

Warum also nicht morgens in den vielen kleinen Geschäften und Boutiquen von SoHo shoppen, mittags ein wenig klettern oder Golf spielen in den renovierten Chelsea Piers und abends ein Dinner im Meatpacking District um die Ecke zelebrieren. Nirgends sonst hat man gegenwärtig so viel Abwechslung auf so kleiner Fläche wie in den Vierteln von Chelsea, Greenwich Village und dem Meatpacking District.

Dieser Beitrag wurde von Dirk Pfeil und Helen Schrader verfasst.

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