Liebesschlösser an Brücken

Gegenwärtig erleben diese tollen Liebesschlösser, Love Locks oder wie auch immer man diese Dinger nennen möchte, welche mehr und mehr die Brücken dieser Welt „schmücken“ eine Art zweiten bis dritten Frühling. Irgendwo zwischen Verschandelung, dem Versprechen dauerhafter Liebe und innerstädtischer Verschönerung angesiedelt, sieht man die so genannten Liebes Schlösser gerne an der Seite einer Brücke, die der Sonne zugewandt ist und vom süßen Klang der ICEs und Autos dieser Welt erhellt werden.

Ja, wie man sieht, hat sich mir der Reiz einer Schloss Anbringung an der sinnlichen Deutzer Brücke noch nicht so ganz ergeben. Ich denke mir bei den Leuten, die man da sieht eher etwas wie:

Gentrifickdich ©Foto: Urbanfreak.de

Aber gut, jeder soll ja machen, was er will. Wenn man eben meint, seine Zeit auf einer romantischen ICE Trasse verbringen zu müssen, soll man das machen. Bedeutet immerhin mehr Platz in der Innenstadt.

Liebesschlösser und Statik

Genauso sinnfrei wie die Schlösser finde ich meistens die Diskussion um ebendiese. Mal wird vor erhöhter Verletzungsgefahr gewarnt (Bonn), mal ist eine Brücke vom Einsturz bedroht, dass baugleiche Gegenstück 50 Meter weiter aber nicht (Regensburg). Klingt für mich genauso willkürlich wie die Anbringung selbst. Ich meine, wieso „schauen“ fast alle Schlösser zu den Schienen und nicht in Richtung Rhein? Ist die Liebe der Schlösser in den höheren Ebenen größer? Oder sind die Anbringer einfach nur größer? Fragen über Fragen, die nun auch die Weltpresse beschäftigen. So sieht man den Arbeitern in Brooklyn regelmäßig an, dass sie meine Euphorie für die Liebesvögel in etwa teilen und Ihnen die Arbeit richtig Spaß macht.

Zurückzuführen ist die Tradition laut der New York Times auf eine serbische Geschichte aus dem ersten Weltkrieg. Wenn das nicht romantisch ist, weiß ich auch nicht. Klingt zumindest spannender als die zweite Möglichkeit. Das Buch „Drei Meter über dem Himmel“ behandelt die Geschichte von Babi und Step. Ich meine, jeder, der diesen Buchrücken liest, rennt sicherlich förmlich zu zweit zur nächsten Brücke um ein Schloss anzubringen:

[…] Sie sind unzertrennlich, ihre alles überwältigenden Gefühle scheinen sich durch nichts aufhalten zu lassen. Doch sehr schnell müssen die beiden mit Widerständen kämpfen: Babis Eltern, Steps Freunde, seine Art, Probleme mit Gewalt zu lösen, ihr enormer Ehrgeiz.[…]

Wenn das nicht romantisch klingt, weiß ich auch nicht weiter. Vermutlich ein gemeinsamer Tod beim Schloss aufhängen. – Hat ja fast Shakespeare’sche Züge und wäre ausgerechnet in der Stadt der Liebe fast wahr geworden. Heute wurde die Brücke Pont des Arts zeitweise evakuiert, weil die lieben kleinen Schlösser leider etwas zu schwer wurden für das Geländer. Aber gut, eine Runde in der Seine schwimmen kann bestimmt auch romantisch sein…

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Veröffentlicht von

Sicherlich fragen sich jetzt alle, wer hier schreibt: Mein Name ist Helen Schrader, seit 2010 bin ich Diplom-Geographin (Uni Bonn) und eigentlich bin ich bei PIXUM in Köln im Bereich Online Marketing tätig. In meiner Freizeit schreibe ich an UrbanFreak und versuche der Geographie zumindest ein wenig treu zu bleiben.

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