Gründe mit dem Rad zu fahren

Im Jahre 1843 legte ein Zug etwa 100km zurück. Am Tag. – Die heutigen Hochgeschwindigkeitszüge fahren mit bis zu 360 km/h. Schon im Jahr 1843 beschrieb Heinrich Heine diese Schrumpfung des Raumes, der durch immer schnellere Verkehrsmittel überbrückt wird.

War es zunächst nur die Eisenbahn, kamen mit fortschreitenden technologischen Errungenschaften Autos, Flugzeuge und Raketen hinzu. Nicht erst seit dem Sprung von Felix Baumgartner und Red Bull wird deutlich, dass der Mensch seine Mobilität nicht mal mehr nur auf der Erde ausübt, sondern auch nach und nach den Weltraum erobert.


(Quelle: YouTube, Red Bull)

Es hat den Anschein, der Mensch könne sich Mutter Erde in die Hosentasche stecken, so sehr sind die Räume im Zeitalter der Globalisierung geschrumpft. Selbst tägliche Bilder aus dem Weltraum bzw. von der ISS sind möglich geworden. Tatsächlich können wir heute per mobilem Internet und Videotelefonie Menschen auf der anderen Seite der Erde Auge in Auge gegenüberstehen – und das ohne Zeitverzögerung und während des Weges zur Arbeit oder zum Studium.

Negative Einflüsse der Mobilität

Das Streben nach einer mobileren Gesellschaft hat auch seine Schattenseiten. Entstehende Emissionen schaden nicht nur Mensch und Natur, sondern auch die steigenden Kosten dieser Mobilität sind spürbar. Bezahlte man im Jahr 1950 für einen Liter Diesel umgerechnet 0,17 Euro,  liegen die gegenwärtigen Preise bei knapp 1,40 Euro. Bei steigenden Lebenshaltungskosten kann sich nicht mehr jeder diese Mobilität leisten. Der Pkw-Bestand konnte im Jahr 1955 in Deutschland mit 1,7 Millionen beziffert werden. Im Jahr 2012 liegt der Bestand bei sage und schreibe 42,9 Millionen Pkw.

Nur ohne Mobilität und ohne Verkehr kann keine Gesellschaft bestehen, da die Grunddaseinsfunkti-onen des Menschen in diesem Falle kaum noch erfüllbar sind. Immerhin bestehen zwei dieser Funktionen aus der Arbeit und dem Bedürfnis sich zu bilden. Um diese Bedürfnisse zu stillen, werden Wege in Anspruch genommen und Einrichtungen aufgesucht. Diese Anlaufpunkte stellen hybride Einrichtungen dar, bei der Menschen den Weg vom Wohnort zur Arbeit oder zum Studium auf sich nehmen, um diesen Bedürfnissen nachzukommen. Berufs- und Ausbildungswege sind zirkulär, also wiederkehrend und werden meist alltäglich durchgeführt.

Die Wahl der Verkehrsmittel

Es gibt diverse Gründe, welche den Menschen bei seiner Verkehrsmittelwahl beeinflussen. Diese Gründe sind individuell und von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Mit der Zeit haben sich schließlich auch die Aktionsradien der Menschen durch die technische Errungenschaften erweitert. Man spricht hierbei von der Theorie der „schrumpfenden Welt“ bzw. der „shrinking world“. Durch Weiterentwicklungen wie das Fahrrad, das Flugzeug und das Internet sind Wege mit einem immer kürzer werdenden zeitlichen Aufwand zu überwinden. Daten können binnen Sekunden an das andere Ende der Welt versendet werden. Die Weltgemeinschaft schrumpft und rückt zeitlich wie räumlich näher zusammen. Die Wege, ebenso wie die Entfernung, bleiben jedoch dieselben.

Die Auswirkungen auf die Umwelt

Mit der Erhöhung der individuellen Mobilität und dem wirtschaftlichem Aufschwung begann auch die Zersiedelung der Landschaft. Menschen konnten sich den Traum vom „Häuschen im Grünen“ erfüllen. Daher haben sich Suburbane Wohnformen in Deutschland seit den 1970er Jahren (in den neuen Bundesländern nach der Wende, in den 1990er Jahren) außerordentlich verbreitet. Mit dieser Entwicklung sind auch immer längere Pendlerstrecken zwischen Wohnort und Arbeitsplatz zunächst notwendig und schließlich gewöhnlich geworden. Die Entscheidung im suburbanen Raum zu leben, wird durch die Entfernungspauschale vielleicht sogar noch begünstigt. Anstatt in der teuren Stadt zu wohnen, wird lieber auf das erschwinglichere Umland zurückgegriffen um den Traum vom Eigenheim zu erfüllen. Durch diesen Traum wird jedoch zum einen Landschaft verbraucht, indem der Straßen- und Siedlungsbau zur Flächenversiegelung und Zersiedelung der Landschaft beiträgt und zum anderen wird durch zunehmenden Verkehr auch mehr Energie in Form von fossilem Kraftstoff benötigt und verbraucht.

Modal Split und MIV

Ungefähr ein Viertel aller Wege in Deutschland sind Arbeits- und Ausbildungswege. Die meisten Arbeitswege liegen zwar unter einer täglichen Entfernung von 25km (etwa 80 %) oder sogar unter 10km (50 %), aber mehr als die Hälfte aller Pendlerwege wird mit dem Auto zurückgelegt.
Im Jahr 2012 lag der Kfz-Bestand bei den schon erwähnten knapp 43 Millionen Pkw. Der motorisierte Individualverkehr (MIV) führt somit die Verkehrsmittelwahl in Deutschland im an (58 % am Modal Split).
Der Umweltverbund, also der öffentliche Verkehr (ÖV), das Fahrrad und der Weg zu Fuß, steigen laut Mobilität in Deutschland 2008 prozentual wieder leicht an. Eine nachhaltige Gestaltung dieser Wege wäre also eine große Entlastung von Umwelt, Straßen und Menschen, die täglich mit den Emissionen der Blechlawinen zu kämpfen haben.

Dabei sollen diese Wege, die Verkehr erzeugen, nicht auf Kosten der Mobilität der Menschen eingespart werden. Wege zur Arbeit und zum Studium sind alltäglich und somit auch in der Gewohnheit des Individuums verankert. Die Gewohnheit, die Hälfte aller Wege mit dem Pkw zu absolvieren, liegt auch darin begründet, dass die Nutzer keine Gedanken an schwindende Ressourcen verlieren. Das Öl, welches als Kraftstoff die Welt in Bewegung hält, schien lange unerschöpflich zu sein. Doch die Diskussionen über „Peak Oil“ werden immer wieder aufs Neue aufgenommen. Lediglich der Zeitpunkt vom Ende des konventionell geförderten Öls ist strittig. Die Gewinnung von unkonventionellem Öl ist kostspielig und nur mit erhöhtem Ölpreis rentabel.
Abgesehen von „Peak Oil“ werden große Mengen CO2 durch den Antrieb von Verkehrsmitteln mit fossilen Kraftstoffen an die Umwelt abgegeben, was Folgen für Klima und Umwelt hat. Der Klimawandel soll nicht Bestandteil dieser Arbeit sein, doch Emissionen, die von auf fossilen Kraftstoffen basierenden Fahrzeugen ausgehen, sind umweltschädlich und wirken sich auf diesen aus. Der Straßenverkehr in Deutschland trug im Jahr 2007 mit ca. 144 Mio. Tonnen CO2-Ausstoß (17 %) zum gesamtdeutschen CO2-Ausstoß bei.

Gründe mit dem Fahrrad zu Fahren

Wenn Berufspendler mit einer Wegstrecke von unter fünf Kilometern auf das Rad zurückgreifen würde, anstatt das Auto zu benutzen, könnte dieser im Jahr ca. 400 kg CO2-Emissionen einsparen. Bei 10 km Entfernung wären es 750 kg Kohlendioxd. Andere Dimensionen nimmt diese Problematik in aufstrebenden und bevölkerungsstarken Ländern wie Indien und China an. Dort besteht eine, durch wirtschaftlichen Aufschwung, nachholende Mobilitätskultur, die zwar neue Märkte für die Automobilindustrie eröffnet, aber auch enorme umweltpolitische Probleme mit sich bringen kann.
In Bezug auf die alltäglichen Arbeits- und Ausbildungswege kann ein Wandel zu einer postfossilen Mobilität gefördert werden. Durch (betriebliches) Mobilitätsmanagement ist es möglich, Anreize zu schaffen, um Mitarbeitern, Touristen und Bürgern einen Umstieg attraktiver zu gestalten. Langfristige Zielsetzungen sind das Propagieren alternativer Verkehrsmittel und die Absicht, zielgruppenspezifische Informationen zu kommunizieren und auch infrastrukturelle Maßnahmen zu ergreifen, die das Anreisen ohne Pkw angenehmer und attraktiver machen.

Der gesundheitliche Aspekt, den Weg zur Arbeit oder zum Studium mit dem Rad zu fahren, sollte noch mehr Menschen zum Umstieg bewegen. Ausgeglichener und produktiver am Arbeitsplatz, weniger anfällig für Krankheiten und umweltfreundliches sowie kostengünstiges Unterwegssein sprechen im Ganzen für die Nutzung des Fahrrads als Hauptverkehrsmittel . Lediglich 30 Minuten Radfahren am Tag verringert das Risiko von Krankheiten und Übergewicht.

Das Mobilitätsverhalten in Bonn

Im Rahmen meiner Diplomarbeit habe ich das Mobilitätsverhalten aus Sicht der Bonner Studenten und Angestellten untersucht. Durch unterschiedliche Mobilitätsansprüche und die Verfügbarkeit von PKW und Job- bzw. Monatsticket konnten durchaus interessante Einblicke ins tägliche Leben der Bonner Universitätsangehörigen gewonnen werden, die ich in weiteren Artikeln noch näher beleuchten werde. Bis zur Auswertung der Fragebögen müssen sich die Leser allerdings noch gedulden, denn ähnlich wie bei meiner Diplomarbeit werde ich hierfür vermutlich den einen oder anderen Tag noch benötigen.

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