Google Standortverlauf – Wo war ich gestern nochmal?

Frohes Neues erst einmal. Jeder, der mittlerweile wieder wach und einigermaßen auf der Höhe ist, fragt sich unter umständen, wie und wo er/sie/es sich die ganze Zeit im letzten Jahr so aufgehalten hat. Immerhin ist so ein ganzes Jahr zumeist von Urlauben, Ausflügen und den alltäglichen Routen bestimmt, die man den lieben langen Tag so zurück legt. Bei uns wurde zum Beispiel auf der Weihnachtsfeier eine Präsentation vorgestellt, bei der ausgerechnet wurde, dass alle Mitarbeiter pro Jahr etwas 750.000 km zur Arbeit (und zurück) zurücklegen. Pendeln gehört schließlich zu den liebsten Beschäftigungen des Arbeitnehmers im allgemeinen und des Rheinländers im speziellen. Schließlich bekommt man erschwingliche Wohnungen selten genug, weshalb sich ein Umzug nicht wirklich anbietet, wenn man die Stelle mal wechselt oder einen neuen Job antritt. Daher wird eben mit dem Auto, dem Fahrrad, dem ÖPNV oder sonstigen Verkehrsmitteln der Weg zur Arbeit aufgenommen.

Der Google Standortverlauf sagt dir wann du wo warst

Sofern man zu den Leuten gehört, die zum einen ein Android-Smartphone haben und dies zum anderen auch noch als Navi nutzen oder zumindest das GPS an haben, kann man das neue Jahr nun direkt mit einem „Big Brother“ Moment beginnen und das vorangegangene Jahr in ganz eigener Manier noch einmal Revue passieren lassen. Der Google Standortverlauf macht es nämlich möglich, dass man genau sehen kann, wann man sich in welchem Stau auf dem Weg zur Arbeit aufgehalten hat oder wie groß der Aktionsradius im letzten Urlaub tatsächlich war.

Google-Standortverlauf-Startseite

Je nachdem ob man sich die Datenschutzbestimmungen vor einer Anmeldung bei seinem Google Konto nun durchgelesen hat, oder – wie gegenwärtig wieder einmal bei Facebook zu beobachten – sich das Lesen spart und mit schwachsinnigen „Informationstafeln“ seine eigene Arglosigkeit zur Schau trägt, sieht man unter diesem Link zum Google Standortverlauf nun eine reine Weltkarte oder eben eine rote Linie, welche den Weg der letzten Silvesternacht darstellt. Kleiner Tipp: Man muss auch mit demselben Google-Konto angemeldet sein, mit dem man auf seinem Smartphone auch den Routenplaner nutzt…

Big Brother is Watching You

Wer nun allerdings bemerkt hat, dass in der Karte ein paar Informationen auftauchen, die man vorher nur bei Facebook vermutete, der kann seine Einstellungen ja noch einmal überdenken. Ein Weg wäre es einmal die Anzeigeneinstellungen bei Google zu prüfen. Wer den Standortverlauf aktiviert hat, findet hier bestimmt neben Alter und Geschlecht (Daten, die man – ziemlich sicher – bei Google+ oder YouTube angegeben hat) noch Hinweise zu „Kampagnen von Werbetreibenden“, denen man sich in der Vergangenheit mehr oder weniger wissentlich aussetzte. Ein weiterer Dienst, den man beim aufmerksamen Lesen der Datenschutz- und Nutzungsbedingungen überlesen hat.

Google-Anzeigeneinstellungen

Wie man sieht, schätzt Google alle Informationen richtig ein, die sich auch bei Google+ über mich finden lassen. Die Informationen, die ich dort nicht angegeben habe bzw. zu denen es vielleicht widersprüchliche Angaben gibt (so ein Mist aber auch, wenn man mehr als nur eine Sprache spricht), erscheinen nicht bzw. sind zumindest auf den ersten Blick über mich nicht auffindbar. Gesperrte „Kampagnen von Werbetreibenden“, die man in den Google-Diensten (Gmail, Google-Suche und Google-Anzeigen) nicht sehen möchte, lassen sich hier ebenfalls einstellen, wie man dem dezenten schwarzen Balken entnehmen kann. Dieses blockieren gilt nebenbei nicht für YouTube, falls ich nun bei einigen die Hoffnung geweckt habe, diesen ungerichteten Anzeigen ein Ende zu bereiten. Hier lassen sich zwar in den Kontoeinstellungen ebenfalls ein paar Dinge ändern und eintragen, über die allgemeinen Google Anzeigeneinstellungen funktioniert dies aber nicht.

Google Maps Nutzung und „Wo muss ich nochmal hin?“

Je nachdem wie übersichtlich die letzten zwei Angaben bislang waren, empfiehlt sich zum Abschluss vielleicht noch ein Blick in den Suchverlauf. Meistens geht dem Standortverlauf ja eine Suche voran, die den Weg von Punkt A zum Ziel B zeigen sollte. Auch hier lassen sich je nach Einstellungen gewisse Dinge nachvollziehen, die man im letzten Jahr so getrieben hat. – Oder eben nicht:

Google_Suchverlauf

Ich konnte bei meiner Reise in die Vergangenheit nun wenigstens sehen, dass ich anscheinend mitte April keine Informationen bei der Standortsuche mehr an Google übermittelt habe und, dass ich vorher noch ein etwas Köln lastiges Wochenende hatte, welches mich zunächst zu einem veganen Asia-Restaurant und dann zur U-Bahn und einem Geburtstag führte, bevor es ein paar Tage später zum Carlswerk ging. Außerdem scheine ich im März zum Auswärtsspiel gefahren zu sein… 😉

Alles eine Frage der Einstellungen

Wie man also sieht, hängt es ein wenig von den Einstellungen ab, welche Informationen man den bösen, bösen Großkonzernen zur Verfügung stellt. Aufmerksames Lesen der Privatsphäre-Einstellungen kann dabei helfen, wenn es darum geht herauszufinden, warum Google anscheinend immer vor einem selbst weiß, wo der nächste Stau auftritt und warum man immer wieder Werbung von einem Anbieter bekommt, die man doch eigentlich gar nicht sehen möchte.

In diesem Sinne viel Spaß beim Austesten und Ändern der Einstellungen. Beginnen wir das neue Jahr doch einfach einmal damit, dass wir nicht die Schuld bei den Konzernen und Anbietern sehen, sondern einmal bei uns selbst und unseren Datenschutzeinstellungen. Vielleicht sind Facebook & Co. dann ja auf einmal gar nicht mehr so schlimm, wie einem diese ganzen „Hiermit wiederspreche ich…“ Täfelchen, die man in den nächsten Wochen wieder häufiger sehen wird. – Immerhin stimmt man den Bestimmungen mit einer Anmeldung zu. Auch wenn die meisten diese direkt wieder zunichte machen, weil sie anscheinend nicht bis zum Absatz mit der Klarnamen-Pflicht gekommen sind. Aber wer will das schon verübeln. Immerhin steht dies erst an vierter Stelle der Nutzungsbestimmungen und somit immerhin drei Plätze hinter den Privatsphäre-Hinweisen, die ja schon niemand liest.

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