Google Now

Da ich mich beruflich dankenswerterweise so ziemlich den lieben langen Tag durch das Internet lesen darf, gibt es immer wieder hervorragende Momente, in denen sich mein Arbeitsalltag hervorragend in diesen Blog integrieren lässt. Daher war es für mich eigentlich nur einer Frage der Zeit, wann ich es schaffen werde, die virtuelle mit der realen Welt zu verbinden. Dank Google Now, ist nun wohl der richtige Zeitpunkt gekommen. Immerhin ist die App nun seit knapp einem Jahr für Android auf dem Markt und Apple-Nutzer haben seit knapp einer Woche Zugriff auf Google Now. Was hat es also mit dieser technischen Spielerei auf sich, dass ich mich dazu veranlasst fühle darüber zu schreiben?

Erste Eindrücke von Google Now

Ich konnte die App als Android-User schon ein wenig austesten und bin recht angetan von den technischen Möglichkeiten. Immerhin scheint Google ziemlich gut zu wissen, was ich so den lieben langen Tag mache. Sogar die Fahrzeit von meinem Wohn- zum Arbeitsort kann mir die App nun bei Fahrtantritt sagen. Im Gegensatz zu meinem Navi nebenbei. Beide sind sich bezüglich der Fahrzeiten nur in den seltensten Fällen einig. Google Now gewinnt meistens aber die Zeitangabe um ein bis drei Minuten. – Etwas, was bei lediglich 13km von und zur Arbeit durchaus schon einiges an Zeit bedeutet.

Google Now

Außerdem liefert mir  Google Now im Gegensatz zum Navi zuzüglich noch die Wetterdaten der Region und die anstehenden Geburtstage der Freunde inklusive. Gut. Vermutlich weiß nun auch jeder Praktikant bei Google, wo ich wohne und wo ich arbeite, aber da diese Dinge wohl auch das ein oder andere soziale Netzwerk meines Vertrauens beantworten könnte, lasse ich solche Dinge außen vor. Wer Angst davor hat, dass „Big Brother“ solche Dinge von einem weiß, ist vermutlich sowieso nicht so aktiv beim App herunterladen wie ich.

Raum-Zeit Geographie

Wer sich auf Google Now einlässt und wie ich einmal das Buch von Peter Hagget gelesen hat, wird sich unweigerlich an das Modell von Torsten Hägerstrand erinnern (abgesehen einmal von dem Diffusionsgedanken des Modells). Der Mensch ist zu einer bestimmten Zeit durch drei Arten von Restriktionen in seinem Bewegungsumfeld eingeschränkt. Dies sind vor allem:

  • Biologische Beschränkungen (Tages- und Nachtzeiten)
  • Zugänglichkeitsbeschränkungen (MIV, ÖPNV, usw.)
  • Aktivitätsbeschränkungen (was lohnt sich, was nicht?)

Die Umwelt bzw. die Raum-Zeit Beschränkungen haben also in den meisten Fällen einen Einfluss auf das menschliche Handeln. Sie schränken in den meisten Fällen unsere Bewegungsräume und die Aktivitäten, die wir in Ihnen durchführen ein. Dies ist nun wiederum etwas, dass sich Google Now zu Nutze macht.

Immerhin berechnet sich dies relativ einfach durch die Paretofunktion.

F= a D –b

(Wobei F = Strom, D = Entfernung und a, b = die Konstanten sind)

Mit Hilfe der Distanz-Abnahme-Kurven ist es schließlich möglich die Beziehung von Strömen (in diesem Falle Menschen) zur Entfernung zu berechnen und darzustellen. Der Grad der räumlichen Interaktion verhält sich also umgekehrt proportional zur Entfernung. Je weiter etwas weg ist, desto seltener macht man es, weil sich die Kosten (sozial, monetär, zeitlich) so sehr erhöhen, dass es unrentabel ist. Somit wäre dann auch der Grund gefunden, warum mein Weg zur Arbeit häufiger vorkommt als mein Urlaub auf Hawaii. Die b-Werte nehmen mit der Entfernung stark ab und sorgen somit dafür, dass die Bewegungen auf ein bestimmtes Gebiet beschränkt bleiben.

Der prädikative Ansatz

Google Now 3

Die App geht davon aus, dass sie weiß wie mein Tagesablauf aussieht. Wenn ich morgens aus dem Haus gehe, um pünktlich auf der Arbeit anzukommen, dann lernt die App aus diesen Dingen. Genauso geht die künstliche Intelligenz davon aus, dass ich abends den Weg zurück zu meiner Wohnung antrete. Sofern ich dies auch mache, ist alles wunderbar und Google’s prädikativer Ansatz funktioniert. Etwas verwirrt ist Google Now noch, wenn ich für mich entscheide, ob ich nun nach der Arbeit direkt zum Sport fahre oder doch lieber den Umweg über die Wohnung mache. Immerhin sind meine Überlegungen hier an die Aktivitätsbeschränkungen von Hägerstrand gekoppelt. Wenn sich der Weg nach Hause für mich lohnt, dann trete ich ihn an, wenn die Zeitspanne zu Hause aber zu kurz wäre, dann geht es eben direkt zum Sport. – Oder zum Einkauf. Aber auch dies gefällt Google Now noch nicht so ganz, wenn ich mich hierzu hinreißen lasse.

Google wird besser und lernt

Vom technischen Standpunkt aus gesehen, kann die App einiges für Google erreichen und verbessern. Durch die (vermeintlich und zukünftig) gewonnenen GPS-Daten wird Google intelligentere Suchergebnisse präsentieren können, die sich zumindest mittelbar positiv auf lokale Suchergebnisse auswirken können. Einhergehend mit der verbesserten Google Maps Struktur und den schon vorhandenen Google Places werden Städte greifbarer werden.

Bewertungen von Restaurants, Unternehmen und Plätzen werden für den Suchmaschinengiganten überprüfbarer und somit besser. Arbeiten Angestellte tatsächlich in einem hochgelobten Unternehmen, oder handelt es sich um eine Briefkastenfirma, die mit künstlichen Bewertungen versorgt wird? Sind Nutzer tatsächlich in dem Restaurant, das sie bewerten? Sehen Sie wirklich gerade den Film, der in der Kino-App markiert wurde?

Fehler und Falschaussagen werden sich auf diese Weise um ein vielfaches reduzieren lassen und sowohl dem Internet als auch dem realen Raum eine bessere Greifbarkeit verleihen. – Sofern man sich auf diese Dinge einlässt und sich nicht von den technischen Innovationen abschrecken lässt. Natürlich ist es ein Schritt zum gläsernen Menschen, aber ist es nicht auch gleichzeitig eine Verbesserung der Lebensumstände? Mich persönlich überraschen gefälschte Bewertungen von Produkten auf Amazon zum Beispiel nicht mehr (bitte JETZT nach Hebammenpuppen, japanischen Messern und T-Rex suchen…), weil ich einigermaßen verstehe, wie und auf welchem Wege diese entstehen. Aber ist es nicht hilfreich wirklich zu wissen, wo gerade in der Stadt etwas stattfindet, was einen Interessiert?

Der Beginn einer Reise

Das Google noch nicht am Ende angelangt ist mit seinen Planungen, zeigt sich in den Patenten, welche vom Unternehmen bereits gesichert wurden. Wie wichtig die prädikative Zukunft für das Unternehmen aber sein wird, kann man bereits jetzt schon sehen.

Google Now and the predictive future of Search

(Quelle: TheVerge Channel / YouTube)

Wer mehr über seine Bewegungsmuster wissen möchte und Google Now oder zumindest die Standorterkennung aktiviert hat, kann dies sogar heute schon nachsehen. Der Mond ist nämlich näher, als man denkt. Auch mit den technischen Spielereien, die es heute schon gibt. Sofern man sich darauf einlässt.

Google Standortverlauf

(3 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...

Veröffentlicht von

Sicherlich fragen sich jetzt alle, wer hier schreibt: Mein Name ist Helen Schrader, seit 2010 bin ich Diplom-Geographin (Uni Bonn) und eigentlich bin ich bei PIXUM in Köln im Bereich Online Marketing tätig. In meiner Freizeit schreibe ich an UrbanFreak und versuche der Geographie zumindest ein wenig treu zu bleiben.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar