Geographie und Open Data

Um nach meinen eher negativen Erlebnissen mit dem Jobcenter Bonn mal wieder auf die positiven Dinge im Leben zurück zu kommen, will ich heute ein wenig über Open Data sprechen. Zum einen ist das ähnliche Thema Big Data gerade ein sehr heiß diskutiertes und interessantes Thema bei mir auf der Arbeit und zum anderen sehe ich da persönlich auch hervorragende Ansatzpunkte für Geographen, die den Arbeitsmarkt auf etwas anderem Wege begegnen wollen als z.B. unser Storyteller Simon, der gerade eine sehr interessante Doku über Äthiopien dreht, obwohl im die Einreise verweigert wurde. – Wie er das schafft beschreibt er dazu gerade auf seiner Facebook Seite. Daher nichts wie hin, nachdem der Beitrag hier fertig gelesen wurde.

Geographen, SEOs und die Open Data

Das ganze Thema der Open Data ist nur schwer zu fassen und auch sprengt auch so ziemlich das Volumen eines Blogartikels, wie ich ihn hier nach der Arbeit „eben schnell“ verfassen kann, aber dennoch möchte ich mich dem Thema etwas annehmen. Denn ich selbst merke zum Beispiel immer wieder wie beliebt man als Geograph doch eigentlich bei seinem Arbeitgeber ist, sofern man eben erst mal einen gefunden hat. Das Umgehen mit großen Datenmengen ist uns ebenso vertraut wie die Einarbeitung in sehr unterschiedliche Themengebiete und Fragestellungen. Und natürlich sind dies in gewissem Maße auch Floskeln, aber na ja. Irgendwie sind es eben auch immer Punkte, die besonders in meinen Arbeitszeugnissen und Gesprächen mit Kollegen und Vorgesetzten hervorgehoben werden. Irgendwas scheint also dran zu sein, dass man als Geograph ein Universaldilletant ist, der alles kann und der Probleme lösen kann, weit bevor die anderen wissen, dass sie diese haben. – Zugegebenermaßen ein Spruch, den ich gerade von meinem Sweatshirt geklaut habe, aber wer kann es mir schon übel nehmen. Passen tut der Spruch in jedem Fall.

Hinzu kommt, dass ich es immer wieder faszinierend finde, wo man doch immer wieder Schnittstellen zur Geographie findet, auch wenn es Außenstehenden nicht wirklich so vorkommt. Aber allein schon im Bereich der Suchmaschinenoptimierung (wo ich eben auch arbeite), kenne ich schon drei Geographen, die mit mir studiert haben und nun ebenfalls im Rheinland die „SEO-Szene“ aufmischen (und Blogs haben, die hier schon das ein oder andere Mal erwähnt wurden). Irgendetwas scheint also die SEOs auf Geographen aufmerksam zu machen oder eben die Geographen in die Suchmaschinenoptimierung zu bewegen. Für mich war die Faszination an der Suchmaschinenoptimierung immer die Fülle an frei verfügbaren Daten, die Suchmaschinen wie Google einem zur Verfügung stellen (sofern man weiß wo man suchen muss) und die vielen Bereiche, in denen man sich zumindest ein wenig auskennen sollte, wenn man es als SEO zu etwas bringen möchte.

Wie sehr Daten und SEO aber verbunden sind und wie stark sich Online-Marketing und geographische Daten doch stellenweise kommen, ist mir erst vor einigen Tagen wieder einmal aufgefallen, als ich den Artikel „Open Data Commons Opportunities“ gelesen hatte. – Und zwar nicht in einem Blog zu den Themen Geographie, Klimatologie oder Forschungsthemen sondern eben in einem Fachblog zum Thema SEO.

Ausländische Open Data Projekte

Wie vielfältig Open Data eingesetzt werden kann, habe ich bereits einige Male beschrieben. So gibt es zum Beispiel den Beitrag über den (vermeintlichen) Zusammenhang von Wohnort und Fernsehserien-Konsum oder die Karten der Segregation in Amerika. Beiden Projekten ist gemein, dass sie sich auf die USA konzentrieren. Während der Serien-Konsum aber auf Daten der Google-Tochter YouTube beruht, stützt sich die Auswertung der amerikanischen Segregation auf die Daten des US-Census, die weitaus genauer und vielfältiger sind als man es vom deutschen Zensus her kennt. Leider.

Viele weitere Open Data Projekte erwähnt aber Bill Slawski in seinem Artikel zu den Open Data Commons Opportunities. Und das beste daran ist, dass sich nahezu alle dieser Open Data Projekte auch für das Geographie Studium nutzen lassen bzw. ein Mekka für den Geographen an sich sind. Sei er (oder sie) nun Musik-Fan (MusicBrainz), Hobby-Astronom (Skywatch) oder insgeheim eher ein Historiker (Cincy Steps Historical landmark Mobile App). Insgesamt nennt er ein paar Dutzend Open Data Projekte, die weitestgehend unter der Public Domain stehen und somit weitestgehend frei nutzbar sind. Definitiv also einen Blick wert, wenn man sich einmal etwas eingehender mit den Big Data aus Sicht der Geographie oder eben Suchmaschinenoptimierung befassen möchte.

Deutsche Open Data Projekte für Geographen

In Deutschland entwickelt sich das Thema Open und vor allem Big Data zwar äußerst langsam, aber auch hier ist ein Fortschritt mittlerweile zumindest zu erahnen. So hat zum Beispiel Berlin einen relativ großen Vorrat an Daten, die man sich anschauen kann und die teilweise schon ganz ansehnlich aufbereitet sind. Weitaus übersichtlicher (gerade in Bezug auf die über 1.200 Datensätze von New York City) ist hingegen das Angebot aus München. Hier gibt es gegenwärtig 69 Datensätze im opengov-Projekt.

Hinzu kommen noch die übergeordneten Datenportale wie govdata.de oder des BMI. Interessante Artikel zum Thema Open Data gibt es hingegen bei der Bundeszentrale für Politische Bildung. Von Datenjournalismus über Hyperlokalität bis hin zur Transparenz dieser offenen Daten reichen hier die durchweg interessanten Artikel, die einem das ganze Thema der offenen Daten auch im Neuland 2.0 auf verständliche Art näherbringen.

Spannendes Themengebiet auf dem sich noch viel tun wird

Nachdem ich Montag auf der Arbeit einen sehr spannenden Vortrag über die Gewinnung, Verarbeitung und das generelle Auftreten von Big Data anhören durfte, hat sich meine Meinung noch stärker gefestigt, dass die Masse an Daten und der Umgang mit ebendiesen in Zukunft noch deutlich verstärken wird. Die Beschäftigung mit den zur Verfügung stehenden Daten dieser Open Data war daher schon während des Studiums und besonders während der Diplomarbeit ein sehr spannendes und umfangreiches Thema für mich. Gerade die (US) Zensusdaten geben jede Menge Informationsmaterial her, aus dem man eigentlich alles ableiten kann, was man für das Studium, aber – und das können viele einfach immer noch nicht greifen – eben auch gerade für den kommenden Beruf nutzen kann. Ganz egal, ob es nun um einen Beruf mit Schwerpunkt Marketing, Marktforschung oder Personal geht. Eins ist immer wichtig: dass Kennen der eigenen Zahlen und vor allem das Verständnis diese Zahlen richtig zu deuten. Von daher empfehle ich wirklich einen Blick in diese Open Data Projekte. Geschadet hat es mir jedenfalls nicht. 😉

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Sicherlich fragen sich jetzt alle, wer hier schreibt: Mein Name ist Helen Schrader, seit 2010 bin ich Diplom-Geographin (Uni Bonn) und eigentlich bin ich bei PIXUM in Köln im Bereich Online Marketing tätig. In meiner Freizeit schreibe ich an UrbanFreak und versuche der Geographie zumindest ein wenig treu zu bleiben.

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