Warum Geographie studieren?

Man mag ja von der Huffington Post meinen, was man will. Ab und an schafft sie es aber einfach genau das zu schreiben, was einem auf dem Herzen liegt. So vor einigen Tagen, als dieser Artikel im Internet auftauchte: „Why Geography Is The Best Subject To Study At University.. Ever„. Ganz ehrlich: es handelt sich hierbei um die beste Beschreibung eines Geographen bzw. des Aufgabenfeldes eines Geographen (oder Geographin), die ich seit dem Artikel „Geheimnisvoller Geograph“ gelesen habe. Nachdem ich auch schon über das Berufsfeld von Geographen geschrieben habe, ist es also an der Zeit noch einen Schritt zurückzugehen.

Warum sollte man Geographie studieren?

Der Artikel der Huffington Post schildert eigentlich genau mein Studium wieder. Greifen wir doch einfach einige der Punkte auf, die angesprochen werden und beziehen wir das ganze auf meinen bisherigen Lebensweg. Quasi als Beweis dafür, warum der Artikel so wahnsinnig passend das Studium wiederspiegelt.

Niemand weiß, was man mit Geographie so machen kann

SEOgraphinDas ist sicherlich auch der Grund, warum es immer noch arbeitslose Geographen auf dem Arbeitsmarkt gibt. Je kleinkarierter die Personaler sind, desto schwieriger wird es mit der eigenen Bewerbung zu überzeugen. Gerne wird man dann mit Germantisten, Soziologen, Politikwissenschaftlern oder Geologen verglichen. Ein paar andere Fächer, bei denen vermutlich niemand in der Personalabteilung eines Unternehmens weiß, was man sich während des Studiums angeeignet hat, dass einen besser qualifiziert für den Job als, sagen wir mal: BWL, VWL oder Jura.

Wer das Fach Geographie allerdings studiert (hat), der weiß, dass man mit dem Abschluss eigentlich für alles geeignet ist, wenn einem nur einmal eine Chance gegeben wird. Ein wenig HTML, ein bisschen Marktforschung, ein wenig Marketing, Auslandserfahrung und technisches Verständnis werden schließlich bei nahezu jedem Job im späteren Leben verlangt und man glaubt es kaum: auch im Studium gelehrt (zumindest, wenn man die richtigen Fächerkombinationen und Seminare wählt).

Exkursionen, Geländepraktika und Ausflüge

IslandExkursion003Hands-on Mentalität wird auf neudeutsch in nahezu jeder Stellenausschreibung erwähnt. Man soll sich auch mal dreckig machen, auch mal vor die Tür gehen und auf Leute hinzu gehen. Alles Dinge, die man im Geographie Studium quasi eingebläut bekommt. Zumeist im Ausland. Denn Exkursionen, Geländepraktika und sonstige Ausflüge in die Welt stehen im Kurrikulum und werden daher von jedem Studenten der Geographie durchgeführt. Seien es nun Island, Amerika, Belgien oder Indonesien. Auslandserfahrung sammelt man quasi nebenbei, während man hands-on in Indien Schulen aufbaut. – Na ja, oder was auch immer die Leute da auf ihrer Exkursion getrieben haben… 😉

Man lebt das Studentenleben

Ich habe keinen Schimmer, was die Bachelor-Studenten heutzutage behaupten, aber ich möchte einfach sagen, dass man während des Geographiestudiums garantiert noch Zeit für andere Dinge findet. Mit sieben Semesterwochenstunden bin ich zwar nicht (ganz) ausgekommen, aber sieben könnte die Anzahl der Klausuren gewesen sein, die ich geschrieben habe. Eine davon nebenbei in Statistik…

Jeder mag und kennt Geographen

HSNYLA080002Zumindest, wenn man in einer Stadt wohnt, die eine Uni besitzt und auch noch Geographie anbietet, trifft dieser Satz in jedem Fall zu. Statistisch absolut nicht belegbare Studien sollen in Bonn ja auch schon ab und an aufgezeigt haben, dass es reichen kann in der Altstadt ein Mal laut den Namen Daniel Euler zu sagen um weitere Geographen zu finden. Entweder kennt man eben einen oder man kennt einen, der einen kennt. Immerhin wissen Geographen wann, wo und weshalb welche Party im Stadtgebiet stattfindet und warum es sich lohnt auf diese zu gehen oder eben nicht.

Man kann alles. Ein bisschen

DTLA DCBID ZAHLENWer schon einnmal als Nicht-Geograph im Quizduell gegen einen Geographen angetreten ist, der weiß vermutlich, was gemeint ist. Wirtschaft, Politik, Rund um die Welt, TV-Serien, Kinofilme sowie Comics und Computerspiele? Als Geograph hat man je nach Schwerpunkt mit einigen Bereichen Berührungen. – Und das beste daran: das ganze Studium ist darauf ausgelegt, dieses Wissen auch noch PRAKTISCH anzuwenden. Statt Klausuren in dunklen Räumen zu schreiben, kriecht man immerhin im Urwald auf dem Boden herum und nimmt Proben, die man selbst im Labor auswertet oder man besucht die Obdachlosenheime in Skid Row Los Angeles um zu sehen, wie groß das größte Obdachlosengebiet ist, von dem die Bücher immer schreiben.

Statistik I gehört außerdem genauso zum Studium wie die chemische Analyse von Bodenproben und die Erfassung der physikalischen Zusammensetzung ebendieser. Dazu kommen dann noch Stadtmodelle, Wirtschaftsentwicklung und (Stadt)Marketing. Ein vielfältiges Studium eben.

 Nein, wir sind keine Geologen

Das behauptet mein Bruder zwar immer gerne, wenn es darum geht, wer den Müll herausbringen muss, aber das Studium der Geologie hat nichts mit dem Geographie Studium zu tun. Glaubt mir, ich habe beides (zumindest zeitweise) ausprobiert.

Die Abschlussarbeit kann tatsächlich interessant sein

5Pointz New York © UrbanFreak.de Bild033Das hoffen zumindest Daniel, Angelina und ich, da wir unsere Diplomarbeiten im Blog aufbereiten. Bislang hat sich noch niemand beschwert, weshalb wir damit einfach weiter machen, so lange es noch Themen gibt, die uns im täglichen Leben begegnen oder im Studium begegnet sind. Und wartet erst auf den Tag an dem die Herren Reif und Kuhlmann zum Schreiben kommen. Ich habe beide Diplomarbeiten gelesen und muss sagen, dass es vermutlich langweiligere Themen als StreetArt und Los Angeles im Film gibt.

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Sicherlich fragen sich jetzt alle, wer hier schreibt: Mein Name ist Helen Schrader, seit 2010 bin ich Diplom-Geographin (Uni Bonn) und eigentlich bin ich bei PIXUM in Köln im Bereich Online Marketing tätig. In meiner Freizeit schreibe ich an UrbanFreak und versuche der Geographie zumindest ein wenig treu zu bleiben.

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