Multi- und intermodale Mobilität als „neue“ Mobilitätsformen

multimodale Mobilität

Es wird wieder Zeit sich ein wenig mit der Mobilität zu beschäftigen. Vor gerade einmal zwei Jahren, am 1. Januar 2012 waren in Deutschland 51,7 Mio. Kraftfahrzeuge zugelassen, was zu der Zeit einer Dichte von 633 Kfz auf 1.000 Einwohner entsprach. Davon waren 42,9 Mio. Pkws (im Jahr 1955 waren es 1,7 Mio. Pkws). Zur Verdeutlichung kann man sagen, dass sich der Bestand der Pkws in Deutschland seit 1970 verdreifacht hat. Als Resultat wurde ein steigender MIV (motorisierter Individualverkehr) beobachtet – 1991 bis 2007 stieg dieser um 24,1 % (SCHUBERT 2009). Die Folgen sind jedem bekannt: Staus, Abgase, Lärm, Unfälle. 20 % des gesamten CO²-Ausstoßes im Jahr 2004 wurden dem Verkehrsbereich zugeordnet . Von diesem Fünftel kann man 85 % dem Straßenverkehr und wiederum 60 % allein dem Pkw-Verkehr zurechnen (BMU 2007). Allerdings ist auch ein positiver Trend zu verzeichnen. Von 1999 bis 2006 sind die CO²-Emissionen des Pkw-Verkehrs um 12 % reduziert worden. Dieser Wert könnte jedoch viel höher liegen, wären nicht die Ansprüche der Nutzer gestiegen. Klimaanlagen, Airbags, ESP und weitere Maßnahmen, Pkws komfortabler, leistungsstärker und sicherer zu machen, schlagen auf das Gewicht und auf den Verbrauch neuerer Pkws. Sicherheitsmaßnahmen sind ernst zu nehmen und notwendig – ist diese Notwendigkeit nicht aber auch ein Resultat höherer Geschwindigkeiten und der Zunahme des motorisierten Individualverkehrs? Mobilität ist wichtig und gesellschaftlich nicht wegzudenken. Der resultierende Verkehr ist jedoch zu reduzieren, was eigentlich einfacher durchzuführen wäre, als man gemeinhin denkt.

multimodale und intermodale Mobilität(Quelle: Eigene Darstellung mit wordle.net)

Nutzen statt besitzen

Die Menschen können sich trotz allem eine hohe Mobilität aneignen, nutzen sie angesprochene Möglichkeiten nicht monomodal sondern multi- oder intermodal – und nicht ausnahmslos auf einer fossilen Basis. Längere Wege sind auch ohne Pkw mit fossilem Antrieb zu überwinden, sofern die Verkehrsmittelwahl intelligent ausfällt. Neue technologische Möglichkeiten erleichtern dies. Mit dem Smartphone sind Anschlussverbindungen aus dem Zug überprüfbar und buchbar. Die Carsharingflotte vieler deutscher Anbieter wächst nach und nach und der Zugang wird immer leichter und günstiger. Oftmals fehlt allerdings noch die Bekanntheit solcher Angebote beim Endverbraucher.Viele Alternativen, die es schon heute zum eigenen Auto gibt oder geben könnte, sind nur wenigen Autofahrern bekannt.

Inter- und Multimodalität

Was macht Multi- und intermodale Mobilität aber aus? Was hat es auf sich mit diesem „neuen“ Verkehrsverhalten? Zuerst sollen die verschiedenen „Arten“ der Verkehrsmittelnutzung skizziert werden:

– Monomodale Mobilität beschreibt den optimierten Einsatz eines Verkehrsmittels für einen Weg
– Multimodale Mobilität zeichnet eine alternierende Nutzung diverser Verkehrsmittel für einen Weg aus
– Intermodale Mobilität verknüpft die Nutzung diverser Verkehrsmittel für einen Weg
(BEUTLER & BRACKMANN 1999)

Als monomodale Mobilität beschreibt BEUTLER (2004) die Nutzung nur eines Verkehrsmittels, i.d.R. des Pkws, für alle Wegezwecke und -strecken. Das Potential zu einer Effektivitätssteigerung ist in diesem Bereich gegenwärtig sehr groß, da viele Menschen als Alleinfahrer unterwegs sind. Der Anteil am Modal Split liegt bei 43 % im Vergleich zu 15 % Mitfahrern (MID 2008).
Multimodalität schildert eine Aktivitätenkopplung – so sind mehrere Ziele dispers im Raum verteilt, die durch eine Aneinanderreihung von Wegverbindung mit diversen Verkehrsmitteln absolviert werden. Da ab jedem erreichten Ziel und neuer Wegaufnahme ein neues Ziel anvisiert wird, wird in diesem Sinne kein Umsteigevorgang vollzogen. Ein Ziel ist erreicht und damit der Weg abgeschlossen und ein neuer Weg wird aufgenommen. Hierzu werden verschiedene Verkehrsmittel genutzt (BEUTLER & BRACKMANN 1999).
Auf den ersten Blick ergibt sich kaum ein Unterschied zwischen der multi- und intermodalen Mobilität. Wohingegen bei der Multimodalität ein Verkehrsmittel für einen Weg und ein Ziel gewählt wird, und für das nächste Ziel ein anderes Verkehrsmittel, beschreibt die Intermodalität die Wahl und Nutzung verschiedener Verkehrsmittel auf einem Weg zu einem Ziel. Es ist also mindestens ein Umsteigevorgang auf diesem Weg vorhanden. Die Wahl der potentiellen Verkehrsmittel unterstellt eine vorangegangene Information des Verkehrsteilnehmers über das Angebot des Verkehrssystems.

Der Begriff Intermodalität wurde in den 1960er Jahren in den USA geprägt und ist mit dem Begriff der Containisierung stark verbunden. Durch das Transportieren von Gütern in standardisierten Containern war der Güterumschlag sehr viel unkomplizierter geworden und es ist seitdem möglich, Waren mit verschiedenen Verkehrsmitteln zu transportieren (BEUTLER 2004). JONES et al. definieren intermodale Mobilität wie folgt: „The shipment of cargo and the movement of people involving more than one mode of transportation during a single, seamless journey.” Also dem “Transport von Gütern und Bewegung von Menschen, bei dem mehr als ein Verkehrsträger auf einem einzigen, durchgängigen Weg beteiligt ist“ (BEUTLER 2004, S.9 ).
Intermodalität beschreibt also die Absolvierung eines Weges, auf dem mehr als nur ein Verkehrsmittel genutzt wird. Entscheidend bei der Differenzierung dieser Mobilitätsformen ist der Umsteigevorgang an einer Schnittstelle an etwa einem zentralen Verkehrsknotenpunkt, an dem diverse Verkehrsmittel zusammenlaufen, einem Verkehrs-Hub, wie zum Beispiel an einem Hauptbahnhof vieler größerer Städte. An diesem würden verschiedene Verkehrsmittel des Umweltverbundes zur Verfügung stehen. Dieser umfasst im klassischen Fall den ÖV, das Radfahren und das zu Fuß gehen. In neueren Arbeiten zu diesem Thema wird der Umweltverbund zum Mobilitätsverbund erweitert – dieser beinhaltet zusätzlich das Carsharing, das öffentliche Auto- und das Fahrrad-Verleihsystem sowie Fahrgemeinschaften und Sammeltransporte.

Es wird also ein neues Verkehrsverhalten gefordert, welches nicht auf negative Beeinträchtigungen von Umwelt und Gesellschaft beruht. Wünschenswert ist ein Trend weg vom eigenen Pkw hin zu einer Mobilität, die nicht mehr stark emotional und prestigeträchtig geprägt ist, sondern das Gewicht auf den Nutzen und die Kosten der eigentlichen Bewegung im Raum legt, verbunden mit einem globalen Umweltverständnis zur Verhinderung eines Verkehrsinfarkts. Sicher eine Form der Mobilität, die man sich für die Zukunft einmal überlegen sollte.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar