Die East Side Gallery und Berlins klamme Kassen

OK, ich bin vermutlich etwas spät mit diesem Beitrag dran, denn um ein Haar wäre es heute schon zu spät gewesen um mich der East Side Gallery zu widmen. –Höchstens zu einem Memorandum hätte es gereicht, wenn es heute nach dem Willen der Berliner Senats- bzw. Bezirksverwaltung gegangen wäre.

Diese wollen nämlich den längsten noch erhaltenen Mauerrest der berühmt berüchtigten Berliner Mauer abtragen und die Stadt auf Vordermann bringen. In einer Entscheidungsgeschwindigkeit, die man sonst nur von der Bundesregierung bei Entscheidungen zum Datenschutz- oder dem Leistungsschutzrecht kennt, wurde kurzerhand am Donnerstag beschlossen die letzten Reste der Mauer abzutragen. Man will ja schließlich guten Wohnraum direkt an der Spree nicht für Mauerreste reservieren, wenn man auch Eigentumswohnungen errichten kann. – Vor allem, wenn das Gebäude dann auch noch die ästhetische Form eines Jenga-Turms kurz vor dem Umfall haben soll.

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Aber gut, umfallen passt ja makaberer Weise zum ehemaligen Todesstreifen, der Ost- von Westdeutschland noch bis vor wenigen Jahren trennte. Ist doch interessant, wie schnell man den Titel eines historischen Monumentes „verlieren“ kann, wenn es um Eigentumswohnungen geht. Immerhin wurde kurzerhand ein nettes Stück Mauerrest abgerissen, um schon mal Platz für die kommenden Arbeiten zu machen. Es geht ja schließlich um Quadratmeterpreise von fast 3.000 Euro.

Direkt an der Spree in Berlin liegt die East Side Gallery

Leider scheinen der Senat und die Bauherren die Rechnung allerdings ohne die Berliner gemacht zu haben. Gut, diese sind ja bekanntlich erst einmal gegen alles eingestellt, aber auch der Berliner an sich muss irgendwann auch einmal Recht haben und diesmal scheint sich die Bevölkerung auch einig zu sein. Immerhin haben einige Kräftige Unterstützer heute den Abriss vereiteln können. Die East Side Gallery samt Mauer stehen noch und mit etwas Glück wird dies auch noch etwas anhalten. Vorausgesetzt Ihr geht nach dem Lesen dieses Artikels schnell noch einmal zu dieser Petition um der East Side Gallery eure Unterschrift zu geben.

Kurzentschlossene oder Berlin-Wohnende können auch zur Wall Parade am Sonntag um 14 Uhr an die East Side Gallery gehen um zu zeigen, warum dieses Denkmal geschützt werden sollte. Am besten macht man dies mit zwei Löffeln und einem Megaphon. – Aber auch Außenseiter ohne diese Utensilien werden genommen. Die East Side Gallery befindet sich hier:

Eastside Gallery

Für Nicht-Geographen heißt dies, dass sich die East Side Gallery in etwa auf Höhe des Daimler-Gebäudes zwischen der O2 Arena und dem Ostbahnhof befindet. Wer die Möglichkeit hat, sollte auf jeden Fall versuchen dieses historische Stück Berlins (und Deutschlands) zu unterstützen. Immerhin trennte die East Side Gallery bis 1989 den Stadtteil Friedrichshain (Osten) vom Stadtteil  Kreuzberg (West-Berlin) und reicht von der Pariser Kommune bis zur Oberbaumbrücke. – Dies macht sie zur längsten Freiluft Galerie der Welt. Daher steht die East Side Gallery auch seit 1991 unter Denkmalschutz und wurde 2009 anlässlich des 20. Geburtstages des Mauerfalls sogar noch saniert. Die brüchige Bausubstanz wurde erneuert und fast einhundert Gemälde der 118 Künstler aus 24 Ländern wurden nachgebessert.

 Zwischen Freidrichshain und Kreuzberg liegt die East Side Gallery in Berlin

Grund genug für mich, die Petition zu unterschreiben und der Umnutzung des Gebietes entlang der Spree Einhalt zu gebieten. –Vielleicht ja auch für den einen oder anderen der Leserschaft!

– Weitere Bilder der East Side Gallery werden nebenbei in der Facebook-Gruppe von urbanfreak.de im Laufe des Wochenendes veröffentlicht werden. – Vermutlich einhergehend mit der Rechtschreibkorrektur dieses Artikels…

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