Der Master of Disaster wird erwachsen

Vulkanausbruch Heimaey

Bereits seit dem Wintersemester 2006/2007 wird in Kooperation mit dem ebenfalls dort ansässigen Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) an der Universität Bonn der weiterbildende Masterstudiengang Katastrophenvorsorge und -management (kurz: KaVoMa) angeboten.

Innerhalb von vier Semestern können Interessenten mit dem akademischen Grad des Master in Disaster Management and Risk Governance das Studium abschließen. Dieser in Deutschland einmalige Studiengang soll auf die immer komplexeren und häufiger auftretenden Katastrophen vorbereiten und den Teilnehmern die vielen Wechselwirkungen der einzelnen Prozesse vor Augen führen.

In vier Schritten zum Master

Ganz so einfach ist es natürlich nicht, aber in zehn Modulen, von denen das letzte bereits die Masterarbeit ist, werden den Studierenden (der Studiengang richtet sich in erster Linie an Fach- und Führungskräfte aus dem Sicherheits- und Präventionsbereich) die wichtigsten Informationen und aktuelle Entwicklungen in der Katastrophenvorsorge und dem Katastrophenmanagement vermittelt.

Der erste Grundlagen-Block im Masterstudiengang Katastrophenvorsorge und -management konzentriert sich dabei zunächst einmal auf die Kernthemen und beleuchtet die notwendigen Grundlagen aus gesellschaftswissenschaftlicher, natur- und ingenieurswissenschaftlicher sowie der operativen Sicht. Nachdem diese drei Module abgeschlossen sind folgen vier Vertiefungsthemen:

Auf der Insel Heimaey gibt es vulkanische Aktivitäten

  • Risikoanalyse und Risikokommunikation
  • Konzepte und Maßnahmen bei der Katastrophenvorsorge
  • Medizinische und psychosoziale Vorsorge, Notfallhilfe und Public Health, sowie
  • Risiko- und Krisenkommunikation

Als letzten Schritt vor der Masterarbeit wird innerhalb verschiedener Wahlpflichtbereiche (z.B. Metropolen, Hochwasser usw.) der Umgang mit speziellen Risiken vermittelt. Abschließend steht nach den Wahlpflichtbereichen noch die persönliche Masterarbeit der Teilnehmer.

Gekoppelte Systeme und wachsende Abhängigkeiten

Kraftwerk auf Island zur StromgewinnungZwar wird der Bevölkerung in den Medien immer wieder vermittelt, dass es sich bei Katastrophen um plötzliche, unerwartete Erscheinungen handelt, verdeutlicht der Masterstudiengang Katastrophenvorsorge und -management die zeitlichen Prozesse, welche eigentlich im Hintergrund ablaufen. Viele Katastrophen und von den Medien gerne als Jahrhundertereignis hochstilisierten Erscheinungen sind das Resultat von Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten ablaufender Prozesse. Nahezu alle Hochwassererscheinungen in Deutschland sind beispielsweise auf unangepasste Flächennutzung zurückzuführen, welche durch die Begradigung der größten Flüsse in Deutschland noch forciert wurde und auch weiterhin wird.

Die, durch steigende Vernetzung in der heutigen Welt wachsende Abhängigkeit von kritischen Infrastrukturen (KRITIS), der Klimawandel und sogar der demographische Wandel ind er Gesellschaft tun schließlich noch ihr übriges um dafür zu sorgen, dass Katastrophen immer größere Ausmaße erreichen können.

Systemische Risiken

Die globale Vernetzung der Akteure führt dazu, dass lokal begrenzte Katastrophen auch immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Der Masterstudiengang Katastrophenvorsorge und -management berücksichtigt aber auch dieses Phänomen. Gekoppelte und kaskadierende Risiken wie beispielsweise die Dreifachkatastrophe in Japan ist daher nur ein Beispiel für systemische Risiken, wie sie auch in Deutschland auftreten könnten. Es ist wichtig eine holistische Sichtweise bei der Risikoforschung anzuwenden, da Einzelbetrachtungen nicht mehr ausreichen um die komplexen Systeme zu untersuchen und zu erklären.

Katastrophenvorsorge, Katastrophenhilfe und Katastrophenbewältigung

Auf Island gibt es viele GletscherDiese drei Stützend es Katastrophenmanagements sind Grundpfeiler im Masterstudiengang Katastrophenvorsorge und -management. Beginnend mit der Risikoanalyse ist bei der Katastrophenvorsorge bereits von Anfang an eine ganzheitliche Betrachtung der möglichen Risiken notwendig.

Bei unterschiedlichen Akteuren ist die eigentliche Risikowahrnehmung sehr unterschiedlich. Viel zu oft wird bei der Risikoanalyse nur einer dieser Blickwinkel betrachtet. Das größte anzunehmende Schadensereignis im monetären Sinne muss aber in keinster Weise auch große Teile der Menschheit bzw. einer Region betreffen. Genauso ist es umgekehrt möglich. Sehr viele Todesfälle müssen nicht bedeuten, dass die aufgetretene Katastrophe für die lokale oder globale Wirtschaft von Bedeutung ist.

Eine vernetzte Sichtweise ist daher von immenser Bedeutung, wenn man die Akzeptanz der Katastrophenhilfe steigern möchte. Je besser man die Bevölkerung auf ein Katastrophenevent vorbereitet, desto besser wird diese im Anschluss auch die Ergebnisse bewältigen können.

Verbindung von Wissenschaft und Praxis

Wie das Flughafen“Testgelände“ des BER-Flughafens in letzter Zeit wieder vermehrt bewiesen hat muss etwas, dass in der Theorie ganz toll und wunderschön aussieht nicht unbedingt in der Praxis anwendbar sein. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Risiko bzw. den einzelnen Vorsorgemaßnahmen. Fachübergreifendes, interdisziplinäres Wissen wird immer wichtiger, ist aber leider noch viel zu oft in den unterschiedlichen Studiengängen nicht vorhanden. Der Masterstudiengang Katastrophenvorsorge und -management soll diesem Problem nun abhilfe schaffen. Eine fachübergreifende Ausbildung in Erweiterung zu den vorab erlangten fachspezifischen Ausbildungen und den bereits erlangten Berufserfahrungen soll die Absolventen im Masterstudiengang Katastrophenvorsorge und -management erfolgreich machen. Das fachübergreifende Denken wird gefördert und gleichzeitig werden vorhandene Potenziale verstärkt und ausgebaut.

Dieses hohe Maß an Interdisziplinarität und operativen Verknüpfungen wird mit fast 40 Dozentinnen und Dozenten aus den unterschiedlichsten Bereichen verfolgt. An der Universität Bonn und der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) des BBK (Bundesminsteriums für Bevökerungsschutz und Katastrophenhilfe) in Bad Neuenahr-Ahrweiler finden die Präsenzveranstaltungen statt.

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