Der Fall Trayvon Martin

Skyline Boston, Titelbild Urbanfreak ©Hagen Schiessel

Gestern gab es den Urteilsspruch in einem Fall, der auch hierzulande recht große Schlagzeilen machte. George Zimmerman, ein Anhänger der örtlichen Nachbarschaftswache, erschoss den schwarzen Trayvon Martin, als dieser mit einem Kapuzenpullover bekleidet durch die Straßen lief. Mittlerweile ist mehr als ein Jahr vergangen und Samstag gab es nun das Urteil. – George Zimmerman ist laut Urteilsspruch unschuldig und er kommt frei.

Auf die Rechtsprechung an sich möchte ich hier zwar nicht weiter eingehen, aber es ist äußerst interessant, wenn man sich einmal mit den Dingen beschäftigt, die hinter diesem Urteil stecken. Diese basiert nämlich auf der so genannten „Castle Doctrine“ oder dem „Stand your Ground“ Gesetz. Dieses Gesetz ist seit 2004 (einige Staaten haben ein ähnliches Gesetz seit den 1990er Jahren) in mehreren Staaten der USA rechtskräftig und erlaubt die Selbstverteidigung (bis hin zum tödlichen Einsatz von Gewalt bzw. „lethal force“) im Falle eines Angriffs. – Ein Gesetz, welches in Florida gültig ist und nun im Falle Zimmerman Anwendung fand.

Ein Gesetz und seine Folgen

In Florida wurde Zimmerman nun also von einer Jury aufgrund dieses Gesetzes freigesprochen. Sechs Mitglieder der Jury kamen zu dem Entschluss, dass der 29-jährige Zimmerman weder wegen Mordes noch wegen Totschlags an dem unbewaffneten Jungen zur Rechenschaft gezogen werden kann. Es wurde also entschieden, dass sich Zimmerman nur verteidigte, als er den schwarzen Trayvon Martin erschoss.

Dieser war im Februar 2012 auf dem Rückweg von einem nahegelegen Kiosk und trug lediglich eine Getränkedose und eine Tüte Skittles bei sich, als er von George Zimmerman aus nächster Nähe in die Brust geschossen wurde und seinen Verletzungen kurze Zeit später erlag. Dadurch, dass Zimmerman nach der Tat lange Zeit nicht von der Polizei oder dem Gesetz belangt wurde, spitzte sich die Situation immer mehr zu. Als Zimmerman schließlich belangt wurde und wegen Mordes angeklagt wurde, gab es im Laufe des Prozesses immer wieder Fragen und Zweifel am Tatgeschehen. – Außerdem gab es immer wieder die Frage nach der Castle Doctrine und ihren Auswirkungen.

Die schwarze Bevölkerung wird benachteiligt

Anhand einiger Datenauswertungen scheinen diese Zweifel, die immer wieder im Fall von Trayvon Martin angesprochen wurden, nämlich auf das Gesetz selbst zurückzugehen. Am deutlichsten vermutlich von der Seite io9.com ausgedrückt:

Aussage zu den vorhandenen Daten und daraus resultierende Rückschlüsse auf Trayvon Martin

Unterstützt wird die Aussage mit den Berechnungen und Auswertungen von John Roman, einem Senior Analysten des Urban Institute‘s Justice Policy Center‘s. Dieses wertet Gerichtsdaten aus und hat bereits mehrere Studien angefertigt in denen die statistischen Zusammenhänge von Mordfällen und der Rasse der Beteiligten ausgewertet wurden.

Dies sind allerdings Auswertungen, die im Fall von Trayvon Martin nicht von Belang waren. Denn es ist seit dem Jahre 1987 in amerikanischen Gerichten nicht mehr erlaubt, durch Statistiken oder andere Daten rassistische Vorurteile zu beanstanden. Im Wortlaut heißt es in dem Urteil von McCleskey v. Kemp:

Trayvon Martin McCleskey vs Kemp Urteil

Werden Vorurteile durch „Stand your Ground“ verstärkt?

Im Laufe der Gerichtsverhandlungen vom Fall Trayvon Martin hat sich John Roman über 43.000 Morde zwischen 2005 und 2009 angesehen. – Die aktuellsten Daten, die es momentan vom FBI (nebenbei frei verfügbar) gibt. Ergebnis der Studie ist, dass, zumindest in Staaten in denen das „Stand your Ground“ Gesetz aktiv ist, es wesentlich wahrscheinlicher ist freigesprochen zu werden, wenn man als Weißer einen Schwarzen umbringt als umgekehrt.

Dass man diese Statistiken bzw. Ergebnisse allerdings nochmal genauestens hinterfragen sollte, sagt Roman später selbst, wenn er die Umstände der Daten genauer erklärt und herunterbricht. Alles in allem greift die Studie aber einige sehr interessante Punkte auf, die durchaus einen etwas faden Beigeschmack in Bezug auf das Gerichtsurteil im Fall Trayvon Martin hinterlassen.

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Sicherlich fragen sich jetzt alle, wer hier schreibt: Mein Name ist Helen Schrader, seit 2010 bin ich Diplom-Geographin (Uni Bonn) und eigentlich bin ich bei PIXUM in Köln im Bereich Online Marketing tätig. In meiner Freizeit schreibe ich an UrbanFreak und versuche der Geographie zumindest ein wenig treu zu bleiben.

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