Der Anemonenfisch und das Wetter

Nemo ist momentan in aller Munde. Damit ist gerade an diesem Wochenende aber eher weniger die Neuaufführung in 3D des Pixar Klassikers von 2003 gemeint, sondern der Schneesturm in den USA.

Nemo wütet seit Freitag an der Ostküste und bricht dabei Rekorde. Schneemassen von über einem Meter, eisige Winde und Stromausfälle wirken sich immer wieder in eklatanter Weise auf das Leben im US-Osten aus. Aber wie kommt es dazu?

Ein Blizzard entsteht

Einem Blizzard geht in der Regel eine recht milde Zeit voraus. Durch einen Kaltlufteinbruch aus meist nördlicher (bis nordöstlicher) Richtung, kommt es allerdings zu stark abfallenden Temperaturen und sinkendem Luftdruck. Der Blizzard schleicht sich an der Rückseite eines Tiefdruckgebietes an die Küste heran und trifft in regelmäßigen Abständen die Küstenbereiche der amerikanischen und asiatischen Kontinente. Begünstigt wird dies durch die Topographie dieser Kontinente. Während sich die deutschen Bergketten von West-nach-Ost erstrecken, ist dies im Falle der Anden, der Rocky Mountains (als Teil der Kordilleren) und eben der im Osten der USA liegenden Appalachen nicht der Fall.

Nemo und der OAS

Picture_19Gut, der OAS war eher im Film von Bedeutung, weil Nemo so schneller an sein Ziel kam, aber auch bei seinem windigen Namensvetter ist ein Stream der Hauptakteur. Dieses Mal ist es allerdings der Polarfrontjetstream, der die kalte Luft vom Aleuten- und Islandtief nach Osten transportiert. Aus diesem Grund bildet sich relativ bodennah über dem Festland ein Tiefdruckgebiet. Bedingt durch die schon angesprochenen meridional (Nord-Süd) verlaufenden Gebirge und somit auch der Windströme, ist der Weg der Kaltfronten nahezu vorgegeben.

Ein Blizzard, ist ein Blizzard, ist ein Schneesturm

Nicht jeder Schnee- oder Eissturm ist ein Blizzard. Um aus meteorologischer Sicht als Blizzard wahrgenommen zu werden, sollten gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. Oder, wie mein damaliger Hostdad in den USA immer meinte: If the temeprature is below your (us) shoe-size, you’ve got a problem.

Sprich, wenn die Temperaturen unter 14 Grad Fahrenheit fallen (in seinem Fall), hat man minus zehn Grad Celsius und somit schon mal eine Voraussetzung für einen Blizzard. Der kann nämlich schon bei minus 6 Grad beginnen, wenn die Windstärken von mindestens 14m/s ebenfalls erfüllt sind. Sir Francis Beauford spielt auch eine Rolle bei den Blizzards. Mindestens die Stärke 7 auf der Beauford-Skala muss ein Schneesturm erreichen, um als Blizzard auch meteorologisch wahrgenommen zu werden.

Picture_4Hinzu kommt noch eine zeitliche (mindestens 3Std Dauer) und eine optische (weniger als 400m Sichtweite) Variable. Sobald all diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann man den Medien glauben und von einem Blizzard sprechen.

Nemo und das Chaos

Dass Nemo nicht immer Möwen benötigt, um ein Chaos anzurichten, ist daher auch verständlich. Bedingt durch die verbreiteten Überlandleitungen, welche dem Schnee oftmals nicht standhalten können und den meterhohen Schneeverwehungen durch die Winde, bricht das öffentliche Leben in den meisten Fällen sprichwörtlich zusammen. Stromausfälle, einstürzende Dächer und unbefahrbare Straßen sind daher keine Seltenheit.

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Veröffentlicht von

Sicherlich fragen sich jetzt alle, wer hier schreibt: Mein Name ist Helen Schrader, seit 2010 bin ich Diplom-Geographin (Uni Bonn) und eigentlich bin ich bei PIXUM in Köln im Bereich Online Marketing tätig. In meiner Freizeit schreibe ich an UrbanFreak und versuche der Geographie zumindest ein wenig treu zu bleiben.

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