Das Graffiti Mekka

So langsam wird es mal wieder Zeit das Freak im Urban in den Vordergrund zu rücken. Schließlich soll es ja auch Dinge geben, die zwar mit Redevelopment und Umnutzung zu tun haben, aber dennoch Spaß machen, bunt sind und durchaus anschauend sind. Zumindest noch.

Thema des Tages ist 5Pointz, ein 19.000 Quadratmeter großes Areal inklusive ehemaliger Fabrikgebäude, bei dem es nur ein Thema gibt: Graffiti. Mitten in Long Island City, Queens liegt dieses Graffiti-Mekka zwischen Davis Street, Crane Street und Jackson Avenue. Zumindest noch bis September 2013. Denn wenn es nach Jerry Wolkoff, dem Besitzer der Fabrikgebäude gehen soll, steht an dem Ort schon bald riesiger Wohn- und Einzelhandelskomplex.

5Pointz Aerosol Arts Center, Inc.

5Pointz and Graffiti

Der Name ist in den 5Pointz Programm. Sinnbildlich für die fünf Stadtteile New York Cities soll das Gelände Künstler aus der Stadt vereinigen. Begünstigt durch die Location sind dies natürlich in erster Linie Graffiti-Künstler, aber auch Musiker (vorzugsweise Rapper), DJ’s, Tänzer und Filmcrews bevölkern das Gelände in regelmäßigen Abständen für Filmaufnahmen und Videodrehs.

Der Kurator selbst ist immerhin Jonathan „Meres One“ Cohen, der durch seine Tags große, auch überregionale Bekanntheit erlangen konnte. Nach seinem Studium am Fashion Institute of Technology nahm er sich der 5Pointz an und leitet seit mehr als einer Dekade das Institute of Higher Burning sowie das Aerosol Arts Center. Darüber hinaus macht er Touren auf dem Gelände, plant eine Schule für aufstrebende (Graffiti-) Talente und gilt als Anlaufpunkt für die gesamte Nachbarschaft.

Streetart und die Umstrukturierung

Im März 2011 wurde jedoch vom Besitzer des Grundstücks verkündet, dass auf dem gesamten Gelände der 5Pointz zwei gemischtgenutzte Hochhäuser entstehen sollen. Mit 41 bzw. 47 Stockwerken, rund 1.000 Mietwohnungen und geräumigen Verkaufsflächen im Erdgeschoss soll der Wohnungsmisere in New York City entgegengewirkt werden.
Allerdings soll es sich bei den Gebäuden ausschließlich um Wohnraum für die Besserverdienenden handeln. Das so genannte affordable Housing, also bezahlbarer Wohnraum ist nicht vorgesehen. In einer eher einkommensschwachen Gegend wie Queens eher ungewöhnlich. Dazu aber später mehr. Noch scheint es auch keine endgültige Erlaubnis der Stadt zu geben, aber es wird damit gerechnet, dass ein Abriss für September 2013 geplant ist.

Was ein Abriss bedeutet

Sicherlich geben die Bilder schon einen ersten Eindruck, was 5Pointz ist und somit von der Abrissbirne bedroht ist. Allerdings sollen nicht nur meine (zugegebenermaßen eher amateurhaften) Bilder aus dem Jahr 2008 als Anschauungsmaterial dienen, sondern auch ein Interview auf YouTube mit Jonathan Cohen.

Mit einem Abriss würden aber nicht nur die Graffitis verschwinden, sondern auch die Künstler. Momentan leben in dem Komplex etwa 200 Künstler, zur verbilligten Miete (below market rents). Im Jahr 2009 wurde ein 42 Quadratmeter Studio beispielsweise für 600 US-Dollar pro Monat vermietet. Hört sich zwar für deutsche Verhältnisse auch nicht unbedingt billig an, liegt aber somit immerhin fast $3.000 unter den marktüblichen Preisen von New York City.

Long Island City ist also nicht unbedingt der bevorzugte Wohnort der wohlhabenderen New Yorker Schichten. Eher das Gegenteil ist der Fall. Die Gegend ist von der Gefängnisinsel Rikers Island gut zu erreichen, die Feuerleitern haben die besten Zeiten längst hinter sich und der Einzelhandel ist im besten Fall legal und vorhanden.

Einzelhandel Five Pointz

Wie es mit 5Pointz weiter geht

5Pointz, seine Bewohner, die Künstler und Besucher wissen seit 2001, dass die 37 Blocks rings um den Hauptbürostandort als Umbaugebiet ausgeschrieben wurden. Long Island City ist durch die große Nähe zu Manhattan und die einfache Erreichbarkeit der Midtown Manhattan ein begehrtes Investitionsgebiet (Abbildung:NYCEDC).

Umkreiskarte der NYCEDC von Long Island City

In der Nähe des Geländes befinden sich schon der 50-stöckige Citigroup-Glaspalast, Das Jet-Blue Hauptquartier, die Silvercup Studios und Barclays. Allesamt Firmen und Institutionen, die weitere Investitionen in diesem Bereich begünstigt haben und auch noch begünstigen werden. Zwar haben sich solche Investitionen nach der Wirtschaftskrise 2008 etwas verlangsamt, aber mittlerweile nehmen diese Entwicklungen wieder etwas mehr Fahrt auf. Sicherlich auch ein Grund, warum Wolkoff im Sommer des Jahres 2012 seinen endgültigen Umnutzungsplan der Stadt vorgelegt hat. Allerdings sind die (öffentlichen) Angestellten der Stadt auch nicht die schnellsten und daher lässt die Erlaubnis des Neubaus noch auf sich warten.

Citigroup Tower 5Pointz

Wolkoff benötigt nämlich jede Menge zusätzliche Genehmigungen, da seine beiden Wolkenkratzer mal eben das Fünffache der erlaubten Gebäudegrößen in dem Gebiet umfassen würden. Zurück geht dies auf die Höhenvorschriften der Stadt (ja, auch in Amerika gibt es Bauvorschriften) und die Lage am East River. Langsam aber sicher scheint die Zeit der 5Pointz abgelaufen zu sein, da große Teile des Umnutzungsplanes bereits abgesegnet sind und es erste Pressemitteilungen gibt, die September 2013 als wahrscheinlichstes Abrissdatum betiteln.

Weiterführende Graffiti‘s

Wem die hier dargestellten Bilder noch nicht genug waren, der sollte unbedingt unsere UrbanFreak Facebook-Gruppe für weitere Bilder aufsuchen, sich in der Gruppe der 5Pointz niederlassen oder Tumblr aufsuchen. Oder, wenn der New York Urlaub noch bis September stattfindet, lasst euch als urban explorer von Meres persönlich durch 5Pointz führen und nutzt aus, dass man bei der Tour auch das Dach betreten darf. Ausblick auf Manhattan und den East River inklusive.
Geöffnet ist das Gelände von Mittwoch bis Sonntag zwischen zehn und 18Uhr.

Ansonsten kann ich allen Graffiti-Freaks dieses Buch empfehlen: New York’s Urban Underground. Es ist zwar nicht das günstigste, aber interessant zu lesen ist es allemal.

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Veröffentlicht von

Sicherlich fragen sich jetzt alle, wer hier schreibt: Mein Name ist Helen Schrader, seit 2010 bin ich Diplom-Geographin (Uni Bonn) und eigentlich bin ich bei PIXUM in Köln im Bereich Online Marketing tätig. In meiner Freizeit schreibe ich an UrbanFreak und versuche der Geographie zumindest ein wenig treu zu bleiben.

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