Columbus Circle, High Line und West Manhattan

Sicher aus dem Urlaub zurückgekommen, setze ich mich doch direkt einmal an das Schreiben. Nach gut einer Woche New York habe ich schließlich jede Menge (Geheim-)Tipps und jede Menge Eindrücke zu berichten. Wie heute Morgen schon über Facebook ansatzweise geteilt, gibt es dazu jede Menge Bilder.
Aufgrund des Exkursionsdranges der drei Urlauber habe ich mich dazu entschlossen die Reise in die unterschiedlichen Tage sowie einzelne Themengebiete aufzusplitten. Immerhin sieht der geneigte New York Urlauber dann auch direkt einmal, was drei Diplom-Geographen so für interessant und vor allem machbar ansehen. Außerdem möchten wir hier ja keine 08/15 Reiseführer kopieren, sondern auch einen etwas tieferen Einblick in die städtische Entwicklung geben. Und davon hat New York ja einiges zu bieten.

The Salisbury Hotel

HSNYC20130159Alle Trips haben an unserem Hotel (The Salisbury) in der 57. Straße zwischen der 6. Und 7. Avenue begonnen. Das Hotel haben wir uns vor allem deshalb ausgesucht, weil es ein Suite-Hotel ist. Das heißt, geräumiges (sprich riesiges Wohnzimmer, Esszimmer und kleine Küchenzeile mit Mikrowelle plus Schlafzimmer) Wohnen mitten im Zentrum Manhattans, New York.

Zwar ist das liebenswerte Hotel mittlerweile etwas in die Jahre gekommen, aber mich überzeugt dieser Charme dennoch immer wieder. Man wartet zwar insgeheim immer auf den Jungen auf dem Dreirad und/oder die Zwillinge, aber dafür entschädigt die zentrale Lage und die Flachbildfernseher. – Auf denen The Shining dann nebenbei gleich doppelt so spannend ist 😉

Lower Manhattan und Flower District

HSNYC20130022Aber gut, kommen wir zur Erkundung der Stadt bzw. Lower Manhattans. Der erste richtige Tag war Sonntag. Daher war nicht nur Saint Patricks Day, sondern auch der Tag des New Yorker Halb-Marathons. Man sah also entweder betrunken torkelnde Menschen in grün oder kaputt torkelnde Menschen in wärmenden „Alu-Beuteln“. Interessanterweise traten beide Erscheinungen den ganzen Tag über auf.

Wegen des Marathons etwas umgeleitet begann die Reise daher mitten am Columbus Circle mitsamt Maine Monument am Rande des Central Parks und dem Time Warner Center. Von dort ging es mit der U-Bahn direkt in die 28. Straße und den Flower District. Immerhin hatte noch niemand von uns die fertig gestellte High Line gesehen. Entlang der, wie ich glaube (zw)-einzigen Straße mit einer Kurve (das identische Gegenstück verläuft parallel in der 23. Straße) ging es direkt auf die High Line zu. Die 1934 für Züge gebaute Hochtrasse wurde 1980 von der New Yorker MTA stillgelegt und verwitterte seitdem ungenutzt vor sich hin.

Die High Line in West Manhattan

HSNYC20130046Zumindest bis 1999. Denn damals, als die Revitalisierung und Umstrukturierung von Lower Manhattan seine fragwürdige „Blüte“ erlebte, schlossen sich einige Bürger zu der „Friends of the High Line“ Foundation zusammen. Gemeinsam erwirkte diese Gruppe, dass die High Line entgegen vieler anderer historischen Strukturen nicht abgerissen wurde. Als Beispiel einer funktionierenden Public-Private-Partnership (PPP) Gemeinschaft sorgen sich seitdem die High Line Freunde und die Stadt New York gemeinsam um die Belange der High Line. Momentan erstreckt sich der Hochgarten New Yorks zwischen der West 30. Street entlang der 10. Avenue bis hinunter zur Gansevoort Street bzw. West 12th Street. Zwar kann die High Line nach dem kältesten März seit Temperaturmessung in den USA nicht mit einer berauschenden Blütenpracht bestechen, aber das, was wir gesehen haben, macht auf jeden Fall Spaß auf einen erneuten Trip nach New York im Sommer oder Herbst.

(Quelle: YouTube)

Die High Line verbindet auf einer Länge von knapp zwei Kilometern drei Nachbarschaften (Meatpacking District, Chelsea und Art Gallery District). Innerhalb von nur zehn Jahren gelang es der PPP die High Line zu revitalisieren und in einen öffentlichen Park umzuwandeln. Im Juni 2009 konnte der erste Teil des Hochgartens eröffnet werden. Fast auf den Tag genau ein Jahr später gelang dies mit dem mittleren Stück zwischen der 20. Und 30. Straße. Das letzte und kürzeste Stück bis zur 34. Straße ist noch nicht fertig gestellt. Da sich das Projekt fast ausschließlich aus öffentlichen Geldern finanziert, konnte mit dem kleinsten, aber aufwendigsten Projekt, der Umnutzung der Rail Yards, noch nicht begonnen werden. Derzeit sieht der letzte Abschnitt noch so aus (Das Video hat nebenbei keinen Ton):

(Quelle: YouTube)

Besser als ich kann aber Ethan Hawke im Folgenden Video die Geschichte der High Line wiedergeben:

(Quelle: YouTube)

HSNYC20130029Bei einem Blick auf die „Backer“ bzw. die Unterstützer der High Line, der immerhin so illustre Namen wie Diane von Furstenberg oder Andre Balazs beinhaltet, sollte auch der letzte Teil der High Line fertig werden. Immerhin hat sich die High Line zu einem Motor der städtischen Entwicklung West Manhattans herausgestellt. Allein seit 2009 sind mehr als 30 Bauprojekte entlang der High Line begonnen oder zumindest genehmigt worden.

Die Auswirkungen auf Chelsea

Der Bau-Boom entlang der High Line hat aber auch Kritiker hervorgerufen. Chelsea ist schon immer ein Stadtteil der künstlerischen Avantgarde und somit ein eher alternativ anmutender Stadtteil gewesen.

Chelsea 2

Daher ist es für mich auch nicht weiter verwunderlich, dass nun eben diese Künstler den gestiegenen Tourismus in der Gegend kritisieren. Laut Schätzungen kommen immerhin 4 Millionen Besucher im Jahr zur High Line.
Andere Standpunkte können aber durchaus nachvollzogen werden. Immerhin sind die neuen Wohngebäude nicht unbedingt preiswert bzw. erschwinglich für die meisten Bewohner in West Chelsea. Durchschnittlich starten die Preise für Wohnungen bei einer Million US-Dollar.

Chelsea Zitat 1

Chelsea und die High Line ist daher sicherlich ein interessantes Stadtentwicklungsprojekt, dass sowohl beeindruckende Erfolge innerhalb kürzester Zeit vorweisen kann, aber auch jede Menge Diskussionen um steigende Gentrification und die Aufwertung alternativer Stadtteile und Nachbarschaften bietet. So sieht es auch Florent Morellet, Besitzer des Florent Diners im Meatpacking District:

Zitat 3(Quelle aller Zitate: NY Observer)

Revitalisierung entlang der Nachbarschaften

HSNYC20130062Die High Line ist zwar der neueste, aber bei weitem nicht der letzte Abschnitt in Lower Manhattan, der revitalisiert und umgebaut wird. In einiger Entfernung zur High Line sind wir auf jede Menge weitere Bereiche gestoßen, in denen sich innerhalb weniger Jahre einiges getan hat. Dazu aber mehr, wenn ich erzähle, was wir nach dem Mittagessen in Lower Manhattan noch so erkundet haben. Immerhin standen an dem Tag noch die ebenfalls aufgwerteten Nachbarschaften rings um das West und Greenwich Village sowie SoHo, NoHo und TriBeCa an. Außerdem sollten die ethnisch geprägten Bereiche Little Italy und Chinatown natürlich nicht vergessen werden. – Dazu aber mehr, wenn ich zum zweiten Teil des ersten Tages kommen werde 😉

Kommentare