Chinatown der Film

Chinatown L.A. Drehort

Am 20. Juni 1974 hatte ein Film Premiere, der auch heute noch als einer der Filme gilt, welche die Stadt Los Angeles mit all ihren verschiedenen Landschaften und Stadtteilen perfekt einfangen konnte. Zum 40jährigen Jubiläum ist es für mich also an der Zeit einmal einen meiner absoluten Lieblingsfilme vorzustellen. Der Film von Roman Polanski und u.a. mit dem immer hervorragenden Jack Nicholson fängt die Stadt in perfekter Art und Weise ein und zeigt, dass L.A. zwar eine durchaus Metropole ist, in der das Auto eine Hauptrolle einnimmt, die aber auch mit hervorragenden Landschaften dienen kann und darüber hinaus auch Einwohner hat, die man garantiert nicht in jeder Großstadt findet.

Chinatown (1974)

Chinatown Los Angeles Drehorte 02

Der Kriminalfilm Chinatown gewann nicht nur den Oscar für das beste Drehbuch im Jahre 1975, sondern heimste neben zehn weiteren Nominierungen auch noch den britischen Filmpreis sowie den Golden Globe in demselben Jahr ein. Seitdem kamen noch jede Menge Auszeichnungen hinzu, die auch heute noch zeigen, dass der Film nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. So zeichnete das American Film Institute (AFI) Chinatown seit dem Jahrtausendwechsel nochmal mehrfach aus. Unter anderem für eins der besten 100 Filmzitate, als einer der besten 100 englischsprachigen Filme und als zweitbesten Mystery Film aller Zeiten (hinter Vertigo).

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„Vergiss es, Jake. Wir sind in Chinatown“

Um mit besagtem Filmzitat direkt fortzufahren, fasziniert der Film in erster Linie dadurch, dass Chinatown mehr als nur ein Ort in dem Film ist. Vielmehr wird Chinatown immer wieder erwähnt und als Symbol bzw. Metapher für den Hauptcharakter Jake Gittes (Jack Nicholson) genutzt. Im Original Skript war sogar keine einzige Szene, die in Chinatown spielen sollte, enthalten. Genauso lose hält es der Film dann auch mit der wahren Geschichte von Los Angeles. Zwar spielt der Film in den 1930er Jahren, interpretiert die Geschichte allerdings – ganz im Neo Noir Stil – eher lose. Immerhin fanden die erwähnten Geschehnisse – die California Water Wars – eigentlich schon zwanzig Jahre zuvor in Los Angeles statt. Aber wer hält sich schon mit solchen Kleinigkeiten auf, wenn es um einen fiktionalen Kriminalfilm geht.

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Das (für Geographen) sicherlich interessanteste am Film ist, dass nahezu jeder Ort im Film öfter vorkommt um dem Zuschauer ein Ortsgefühl zu vermitteln. Abgesehen von besagtem Chinatown, welches nur am Ende des Films einmal als Ort auftaucht, kommen alle anderen Drehorte mindestens ein zweites Mal vor. Außerdem wurden zu Drehzeiten alle Orte so gewählt, dass sie die urbane Vison der Stadt aus dem Jahr 1934 wiederspiegelten. Sowohl die innerstädtischen als auch die ländlichen Drehorte waren so gewählt, dass sie die Stadt Los Angeles so einfingen, wie sie 1934 tatsächlich war. So befinden sich viele Drehorte (zum Beispiel das Apartment von Ida Sessions) tatsächlich an der Adresse, die im Film genannt wird (848 1/2 E. Kensington Street, Echo Park). Mittlerweile ist der Apartmentkomplex zwar in einem hellgrün gestrichen und mit einer Sicherheitstür versehen, aber sowohl der zentrale Bungalow Korridor als auch natürlich das Gebäude sind bis heute erhalten geblieben.

City Hall Downtown Los Angeles

Die City Hall (Spring & Temple Street), welche 1928 erbaut wurde und gegenwärtig renoviert wird, ist ebenso auch heute noch erhalten, wie die mittlerweile im National Register of Historic Places geführten El Macondo Apartments in 1400 – 1410 Havenhurst Drive. Einzig eine Umbenennung in „Mi Casa“ muss der Besucher nun verkraften, wenn er diesen Drehort aus Chinatown aufsuchen möchte.

„You’re dumber than you think I think you are“

Die Story vom Film will ich zwar gar nicht verraten, aber damit auch alle diese wundervolle Auflistung in Google Maps mit den Drehorten von Chinatown in L.A. aufsuchen, muss man den Film vielleicht noch ein wenig anpreisen. Ein Trailer aus den 1970er Jahren ist schließlich nicht mehr das, was man heutzutage gewohnt ist. Daher anschließend eine (wirklich sehr kurze) Zusammenfassung vom Film.

Der Privatdetektiv Gittes nimmt einen Fall an, in dem eine Frau Mulwray möchte, dass er einen Mann Ehebruch nachweisen soll. Dieser Ehemann arbeitet bei den Wasserwerken (Department of Water and Power) und scheint zunächst nur etwas für Wasserkanäle übrig zu haben. Während also Gittes immer misstrauischer wird, trifft er auf eine weitere Frau Mulwray (diesmal Faye Dunaway) in seinem Büro, die ebenfalls sagt, die Ehefrau von besagtem Ehebrecher zu sein.

DWP - Chinatown Los Angeles Drehorte 08

Department of Water and Power Downtown Los Angeles

Während Gittes diesen ganzen Dingen nun nach geht und sich immer mehr als Teil einer Verschörung sieht, kommt besagter Ehemann im L.A. River ums Leben. Da Ertrinken auch in der 1930er Jahren in Los Angeles allerdings eher schwirig war, nimmt Gittes nun seine eigenen ermittlungen auf und kommt nach und nach diversen Verschörungen und Betrügereien auf die Spur, die sich um eins der wohl wertvollsten Güter der Stadt Los Angeles drehen: Wasser.

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Alles in allem, ist Chinatown ein hervorragender Film Noir, den man unbedingt einmal gesehen haben sollte, wenn man entweder ein Fan der Stadt Los Angeles und/oder von Jack Nicholson ist. Auch 40 Jahre später, hat der Film immer noch ein ganz besonderes Flair, an das Filme wie Gangster Squad heutzutage einfach nicht herankommen. In diesem Sinne: Es sind noch 6,5 Stunden bis zum Spiel Deutschland – Ghana. Zeit genug für einen Film, der gestern sein 40 jähriges Jubiläum feierte. 😉

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Sicherlich fragen sich jetzt alle, wer hier schreibt: Mein Name ist Helen Schrader, seit 2010 bin ich Diplom-Geographin (Uni Bonn) und eigentlich bin ich bei PIXUM in Köln im Bereich Online Marketing tätig. In meiner Freizeit schreibe ich an UrbanFreak und versuche der Geographie zumindest ein wenig treu zu bleiben.

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