Bunker Hill

Bunker Hill in Downtown L.A.

Dem Artikel von letzter Woche folgend, möchte ich mich nun mit den schon genannten fünf Quartieren der Downtown Los Angeles beschäftigen.

Bei einem Vergleich der historischen Karten von Cartifact aus dem Jahr 1880 mit der aktuellen Karte der Downtown L.A. fällt die Zusammenlegung der vielen kleinen – damals noch mit viktorianischen Häusern bebauten – Flächen in Bunker Hill auf, die zunächst abgetragen und schließlich Blockweise zusammengelegt wurden, um Platz für große, moderne Megastrukturen zu schaffen, die losgelöst voneinander große separate Flächen belegen und die historischen Strukturen auflösten.

Wie umfassend sich diese Zusammenlegungen auswirkten und wie stark sich die Grundrisse der neuen von den alten Gebäuden unterschieden, zeigen Unterlagen mit Angaben zu den Parzellengrößen in Bunker Hill im Jahre 1953 und 40 Jahre später, die man unter anderem im Buch Urban Design Downtown: Poetics and Politics of Form von Loukaitou-Sideris/Banerjee (1998, S. 307) ansehen kann.

Blick auf das Civic Center von Bunker HillDie vielen kleinflächigen Gebäude wurden innerhalb von nur 40 Jahren komplett zerstört und durch wesentlich größere alleinstehende Strukturen ersetzt. Allerdings waren die neuen Strukturen, im Gegensatz zu den historischen Gebäuden ohne jeden Bezug zur Umgebung entstanden, weshalb die Bauwerke das komplexe und diverse Stadtbild komplett zerstörten und den Charakter der Landschaft stark veränderten.

Weitere Veränderungen der Siedlungsstruktur bis zur Gegenwart lassen sich bei dem Vergleich von Landnutzungskarten der Downtown erkennen. Während 1960 noch die kleinflächigen Siedlungsparzellen von 1953 Bestand hatten und im westlichen Teil der Downtown von Bunker Hill bis South Park reichten, veränderte sich dies bis ins Jahr 2000 nahezu komplett. Seit den Redevelopment-Maßnahmen, die seit den 1960er Jahren Anwendung fanden, konzentriert sich die Wohnbevölkerung auf einige wenige Punkthochhäuser, die abgeschottet vom Rest der Innenstadt nur knapp einen Block zwischen Figueroa und Hope Street, sowie Third und First Street einnehmen:

„But despite the fact that there are quite a few residential units there, it’s really nobody there. I mean no homeless either. It is empty. Like the day after. Nobody’s on earth.” (Interview E)

 „No one ever wanted to go up there. Even the people who live downtown. They live down the hill. -They won’t go up there. There are some restaurants, one museum and the Disney Hall.“ (Interview H)

„(…) if you go there you can kind of see that the design is very much isolated sort of like an island up on a hill there.It doesn’t really feel urban even though it’s in the middle of Downtown.” (Interview D)

„The city came in the late fifties used eminent domain to take all that land:  400 acres. And they incentivized developers to come in and built high rise towers. They didn’t charge them any taxes. They gave them the land pretty much for free (…).” (Interview C)

Unterführung WDCHAufgrund ihrer modernen Bauweise sind die Gebäude abgetrennt von der Umgebung und führen dazu, dass der Fußgängerverkehr massiv in dem hügeligen Gebiet behindert wird. Das ruft zum einen Angsträume hervor und zum anderen entstehen große Distanzen.

Schlecht beleuchtete Fußgängertunnel z.B. unterhalb der Walt Disney Concert Hall, schmale bis gar keine Bürgersteige und weitläufige unterirdische Parkstrukturen wirken auch heute noch auf Bunker Hill ein. – Worüber Loukaitou-Sideris ebenfalls ein recht interessantes Buch (Sidewalks: Conflict and Negotiation Over Public Space) geschrieben hat.

Fußgängertunnel

Dies alles führte in Verbindung mit so genannten skywalks – Fußgängerüberführungen, die weniger die Straßen, sondern mehr die Gebäude miteinander verbanden – dazu, dass sich Bunker Hill immer mehr vom Rest der Downtown entfernte. Demzufolge stieg die Nutzung des Autos unter den Bewohnern stark an. Von 94 Nennungen (Mehrfachnennungen waren möglich) bei 61 Anwohnern gaben 40% bzw. 38 Bewohner an, hauptsächlich das Auto als Fortbewegungsmittel zu benutzen. Zu Fuß gehen täglich nur 15%, was 14 von 61 Bewohnern entspricht.

Bunker Hill ApartmentkomplexeDa Bunker Hill bereits 1959 als urban renewal Gebiet ausgeschrieben wurde und seit 1970 als Redevelopment Gebiet gilt, entstanden die modernen Wohnhäuser hier wesentlich früher, so dass die Wohndauer der Befragten hier wesentlich höher ist als in den anderen Teilen. Das größte Projekt, Angelus Plaza I, wurde bereits 1978 fertig gestellt und hat fast 800 affordable units. Im Durchschnitt wohnen die Bewohner seit vier bis zehn Jahren in der Downtown. Von allen Teilnehmern an der Umfrage wohnten hier 70% aller Bewohner seit mindestens vier Jahren, 34% davon sogar länger als zehn Jahre. Außerdem ist die Bevölkerung von Bunker Hill verglichen mit den anderen Stadtteilen durchschnittlich am ältesten. 56% gaben ein Alter zwischen 40 und 49 Jahren an und 23% gaben ein höheres Alter an.

Durch das Alter und die moderne Bauweise der Gebäude ist in Bunker Hill die Nutzungsmischung auch lange nicht so fortgeschritten wie in den anderen Stadtteilen. Verbesserungen dieser Situation sind jedoch im Rahmen der Revitalisierungsbemühungen durchaus zu erkennen.

Allein schon die Wiedereröffnung des Angels Flight railway im Jahre 2010 hatte Auswirkungen auf die Anbindung des Stadtteils. Durch die schnellere Verbindung zwischen Broadway und Bunker Hill kam es zu höheren Fußgängerfrequenzen zwischen den Stadtteilen. – Allerdings war dieser Erfolg nur relativ kurz, da sowohl der Angels Flight, als auch der angrenzende Park (nebenbei mit der bekannten Bank aus dem Film (500) Days of Summer) mittlerweile aufgrund von Budgetkürzungen wieder geschlossen wurden.

500 Days of Summer

Die Ansiedlung der großen Kultureinrichtungen wie der Walt Disney Concert Hall und der Cathedral of Our Lady of the Angels sorgt allerdings, in Verbindung mit dem jahrelang geplanten aber bislang immer wieder hinausgezögerten Grand Avenue Projekt dafür, dass viele Besucher nach Bunker Hill kommen und dort beispielsweise die Restaurants und Kneipen nutzen, die sich wiederum in der Nähe des Angels Flight auf der California Plaza befinden.

Faktorenanalyse Zusammenhang Entfernung Entertainment und Wohnort

Des Weiteren kann mit Hilfe der zweiten Faktorenanalyse und dem Vergleich mit dem Wohnort eine hohe Affinität zu den Freizeitmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe festgestellt werden. So besuchen die Bewohner von Bunker Hill im Mittel vier bis sechs Mal die Walt Disney Concert Hall und den Civic Park, gehen aber wesentlich seltener zu dem – in South Park liegenden – Grand Hope Park oder den L.A. Live Komplex als Bewohner anderer Stadtteile.

Womit wir allerdings schon beim nächsten Stadtteil angekommen wären.

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Sicherlich fragen sich jetzt alle, wer hier schreibt: Mein Name ist Helen Schrader, seit 2010 bin ich Diplom-Geographin (Uni Bonn) und eigentlich bin ich bei PIXUM in Köln im Bereich Online Marketing tätig. In meiner Freizeit schreibe ich an UrbanFreak und versuche der Geographie zumindest ein wenig treu zu bleiben.

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