Bike-House Bonn @ Caritas

Letztens war es endlich so weit. Nachdem mir vor sieben Wochen zunächst das Schloss (!) meines Fahrrades geklaut wurde, hat es nun (mittlerweile zum dritten Mal) mein Fahrrad getroffen. Zwar konnte ich mir besagtes Objekt nun schon 2x zurückerobern, aber nun wurde es langsam Zeit für ein Neues. Immerhin hatte ich das alte Fahrrad irgendwann in den 90ern erstanden und nun ja, die Zeiten von lila Lenkern sind mittlerweile vielleicht auch vorbei. Da ich also keine Lust mehr hatte mit dem Auto durch die Gegend zu fahren und mein altes Fahrrad zurückzuerobern (klappt überraschend häufig in Bonn-Beuel und Auerberg), habe ich mich auf die Suche nach einem neuen gemacht. – Warum ich davon erzähle? Ganz einfach, ich habe mein neues (gebrauchtes) Fahrrad nämlich bei einem Qualifizierungsprojekt der Caritas Bonn erstanden und möchte gerne auf dieses, wie ich finde hervorragende Projekt aufmerksam machen.

Qualifizierungsprojekt Bike-House

Laut eigener Homepage bietet das Bike-House gegenwärtig 17 Jugendlichen der Region die Möglichkeit Grundlagenkenntnisse in der Fahrradtechnik zu erwerben und somit die beruflichen Perspektiven dieser Jugendlichen zu verbessern, damit diese in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt integriert werden können um die Zukunftschancen zu erhöhen. Zwar bin ich, wie bereits geschrieben kein Freund des Jobcenters Bonn, aber gut, diese scheinen hier ja nur insofern beteiligt zu sein als dass die Caritas für sie hier die Arbeit macht, denn:

„Zielgruppe der Maßnahme sind langzeitarbeitslose Kunden aus dem Rechtskreis SGB II mit multiplen Vermittlungshemmnissen, insbesondere in den Bereichen Motivation, Schlüsselqualifikationen und sozialer Kompetenz.“ („Startklar für Arbeit und Ausbildung„)

Das Ziel ist, die jungen Erwachsenen innerhalb von sechs Monaten soweit fortzubilden, dass diese größere (überhaupt?) Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Die Aufgaben reichen dabei interessanterweise von den Dingen, die mir das Jobcenter Bonn nach 5 Jahren Studium ebenfalls als Kunde „ermöglicht“ hat, wie:

  • einer individuellen Feststellung von arbeitsmarktrelevanten Stärken
  • Bewerbungstraining
  • berufliche Orientierung

Punkte also, die mir nach meinem studentischen Nebenjob in einer Personalberatung und eben nach dem Studium mal so gar nicht weiterhelfen konnten, aber na ja. Für junge Erwachsene ohne Ausbildung, aus „prekären Verhältnissen“ und einem vermutlich anderen bisherigen Lebenslauf als es bei mir der Fall war, finde ich solche Maßnahmen ja durchaus sinnvoll.

Drei Module in knapp 8 Monaten

Insgesamt ist das Bike-House der erste Schritt der Integration in den Arbeitsmarkt. In den sechs Monaten der 24 Stunden (vermutlich pro Woche) umfassenden Maßnahme sollen die Teilnehmer der Begleitmaßnahme „Startklar“ sozialpädagogisch betreut und eben qualifiziert werden. Generell ein Satz, bei dem es mich sonst eher schüttelt, aber die Erklärung, dass es sich neben den Grundlagenkenntnissen im Bereich Fahrradtechnik auch um Forbildungsmaßnahmen in den Fächern Deutsch und Mathematik sowie um Maßnahmen der sozialen und persönlichen Stabilisierung handelt, haben mich dann eben doch neugierig gemacht.

Angelehnt wird die Maßnahme an die Leitlinien bzw. das Leitbild der Caritas Bonn.

Nach diesen sechs Monaten geht es für die Teilnehmer in das Modul 2: „Startklar Plus“, welches wieder eine pädagogische Begleitung und Hilfe beim Übergang in eine „richtige“ Ausbildung anbietet. Ziel ist, dass den Jugendlichen und jungen Erwachsenen z.B. bei der Stellung von Anträgen geholfen wird und eben auch für eine nachhaltige Stabilisierung der Teilnehmenden gesorgt wird. Insgesamt dauert dieses Modul 4 Wochen und geht schließlich (hoffentlich) fließend in Modul 3 „Startklar ins Praktikum“ über, die Caritas als Ansprechpartner für Betrieb und Praktikant verfügbar ist und eben dabei hilft ein Praktikum (für 3 Wochen) auf dem 1. Arbeitsmarkt zu ergattern.

Kommen wir zum Fahrradkauf

Jetzt wo wir wissen, wer im Bike-House arbeitet, kommen wir doch zum eigentlichen Tehma zurück: mein neues Fahrrad. Das Bike-House Bonn befindet sich hier:

bike-house-bonn

Mackestraße 36
53119 Bonn
Karte: bike-house-bonn.de

Direkt hinter dem Alten Poststadion in der Nähe des Verteilerkreises und mit den Buslinien 604 und 605 erreichbar, befindet sich das Gelände, auf dem man aufgearbeitete und gebrauchte Fahrräder kaufen kann. Für gewöhnlich gibt es immer einige komplett fertige Räder zur direkten Mitnahme (mit Rahmen für Männer, Frauen und Kinder) sowie die Möglichkeit sich sein Fahrrad zusammenstellen zu lassen und nach zwei Wochen abholen zu können.

Je nach der Ausstattung, dem Anteil neuer Ersatzteile und natürlich der Beschaffenheit des Gebrauchtrades beginnen die Preise bei etwa 50 Euro für Kinderräder und liegen bei ca. 80 bis 300 Euro für die Erwachsenenräder.

Alle Räder werden in der Werkstatt geprüft, voll verkehrssicher ausgestattet (mein neues Rad hat jetzt sogar Licht!) und je nach Zustand nochmal generalüberholt. Außerdem besitzen alle Räder eine Gewährleistung für ein Jahr ab Kaufdatum. Hinzu kommt, dass man das Rad zwei Wochen testen und ggfs. um Änderungen bitten kann sowie innerhalb der ersten drei Monate einen kostenlosen Sicherheitscheck beim Bike-House durchführen kann.

Bevor ihr euch ein neues Fahrrad kauft, schaut doch mal vorbei

Zugegebenermaßen bin ich nicht unbedingt jemand, der täglich mit dem Rad zur Arbeit fährt, geschweige denn es in der Freizeit täglich nutzt. Daher war ich vollkommen zufrieden mit dem vorhandenen Angebot und konnte mir direkt eins der Räder in den Kofferraum packen. In meiner Größe (28er Rahmen) gab es drei fertige Räder im Bike-House, die zwischen den besagten 80 und 300 Euro lagen. Zwar waren dies „nur“ Herrenräder, aber gut, die Querstange kann ich gerade noch meistern und ich hätte mir schließlich auch ein Fahrrad selbstständig zusammenstellen können.

Innerhalb von 5 Minuten hatte ich also mein neues Fahrrad. Dabei wurde ich beraten, konnte Probefahren, Sitz und Lenker wurden anschließend angepasst und ich konnte es mit der EC-Karte inklusive neuem Fahrradschloss bezahlen. – Insgesamt war ich am Ende 130 Euro ärmer, hatte aber eigentlich alles, was ich mir vorgestellt hatte. Ein verkehrssicheres neues Fahrrad und ein Schloss, was mir vielleicht nicht mehr gestohlen wird.

Auch, wenn man ganz spezielle Anforderungen an sein neues Fahrrad hat (abgesehen von dem nun ja „neu“), dann sollte man dem Bike-House aber ebenfalls einen Besuch abstatten, bevor man sich für teuer Geld ein komplett neues kauft. Bereits ab 160 Euro bieten sie dort ein „custom bike“ aus dem vorhandenen Material an. Ihr sucht einen speziellen Rahmen, wollt unbedingt 21-Gänge oder einen total wichen Gel-Sattel? Sicherlich alles etwas, über das man mit den Verantwortlichen sprechen kann. Die Leute neben mir hatten schon recht spezifische Vorstellungen und verließen ebenfalls 10 Minuten später mit einem Abholzettel für ein cutsom bike in 2-3 Wochen den Laden.

Reparaturen, Codierungen und technische Beratungen werden ebenfalls durchgeführt, weshalb ich auch hier den gebeutelten Kunden der Fahrradläden in Bonn einen Besuch der Mackestraße 36 empfehlen kann. Zwar sind die Reparaturen in der Regel nicht „sofort“ möglich, aber das sind sie ja meistens auch nicht in den Fahrradläden der Umgebung.

Sportlich sind die Öffnungszeiten des Bike-House, die Mo-Mi zwischen 10- und 17h liegen und Freitags zwischen 10 und 14h liegen, wobei der Donnerstag der Tag mit den langen Öffnungszeiten ist. März-bis September hat das Bike-House hier von 12 bis 20h auf und im Oktober bis Februar von 10h bis 18:30h. Ideal also für Studenten und Schüler, etwas umständlich für Arbeitnehmer, aber gut. Nach drei Anläufen hatte ich es zumindest einmal ins Bike-House geschafft und bin glücklich den Tipp bekommen zu haben, weshalb ich diesen Tipp nun gerne einmal weitergeben wollte, denn bereut habe ich meinen Kauf in den letzten 2 Wochen noch nicht.

(3 votes, average: 3,67 out of 5)
Loading...

Veröffentlicht von

Sicherlich fragen sich jetzt alle, wer hier schreibt: Mein Name ist Helen Schrader, seit 2010 bin ich Diplom-Geographin (Uni Bonn) und eigentlich bin ich bei PIXUM in Köln im Bereich Online Marketing tätig. In meiner Freizeit schreibe ich an UrbanFreak und versuche der Geographie zumindest ein wenig treu zu bleiben.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar