Berufsfelder für Geographen

Wie in der „Über uns“ Rubrik zu Lesen ist, handelt es sich bei den Autoren dieses Blogs gegenwärtig ausschließlich um Diplom-Geographen. Das bedeutet, dass jeder von uns im Rahmen seines Studiums, auf Bewerbungsgesprächen und im Rahmen der Familie schon des öfteren diese eine Frage beantworten musste. „Was macht man denn, wenn man Geographie studiert hat?“

Die meisten Menschen können sich einfach nichts unter dem Studiengang vorstellen, den man auch gerne als „Stadt, Land, Fluss“, „Geologie“ oder „Erdkunde“ bezeichnet. Noch weniger können sich vorstellen, dass man mit diesem Studium dann am Ende auch einen Job bekommt. – Je nachdem, auf welche Personalerinnen und Personaler man im Vorstellungsgespräch trifft, kann dies sogar der Wahrheit entsprechen.

Der Universaldillettant

Liebevoll bezeichnen sich Geographen gerne selbst als Universaldilettanten. – Der Rest der Welt macht es in vielen Fällen ja ebenso. Einem Geographen stehen nach dem Studium eigentlich alle Arbeits- und Berufsfelder offen, die man sich so vorstellen kann. Ich meine, es gibt sogar ganze Seiten, die sich damit beschäftigen. Jeder angehende Geograph kann sich zum Beispiel unter:
http://geographie-studieren.de/arbeitsmarkt/berufsfelder/ selbst davon überzeugen, dass es jede Menge Berufsfelder für Geographen gibt. Je nach Studienschwerpunkt, Diplom-/Bachelor- oder Masterarbeit gibt es mit Sicherheit Ausschreibungen in den einzelnen Berufsfeldern wie Entwicklungszusammenarbeit, Marketing, Marktforschung, Tourismus oder Umweltschutz.

Laut Wissenschaftsladen Bonn ist eine Hauptkompetenz der Geographen, dass sie komplexe Zusammenhänge erkennen und Lösungskonzepte schnell erarbeiten können. Dinge, die am heutigen Arbeitsmarkt sicher in nahezu jeder Ausschreibung auftauchen. Noch dazu, wenn es darum geht, diese Zusammenhänge zu visualisieren. Ich meine während andere Studienfächer den lieben langen Tag in der Bibliothek sitzen und stumpfsinnig für die nächste Klausur auswendig lernen, will ein Geograph in erster Linie verstehen. Wir gehen nach Draußen und erkunden die Zusammenhänge, die sich uns präsentieren. Sei es nun auf Exkursionen oder in den verschiedenen Praktika, die zumindest während unseres Studiums Pflicht waren. Ein Geograph ist eben auch immer jemand, der sich in der Welt außerhalb geschlossener Mauern mit Problemen wie Gentrification, nachhaltiger Stadtentwicklung oder gekippten Schichten beschäftigt.

Die Berufsfelder für Geographen

Wie so schön auf der Seite Berufsfeld-Geographie angesprochen, hat zumindest laut Arbeitsamt-Statistik jeder zweite Geograph innerhalb der ersten zwei Jahre eine feste Erwerbstätigkeit gefunden. Und wer könnte dem auch widersprechen, wenn es so schöne Broschüren des Arbeitsamtes gibt. OK, aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man nach dem Abschluss leider nicht in das Programm für qualifizierte Fach- und Führungskräfte kommt sondern – man hat ja schließlich noch keine zwei Jahre gearbeitet – zum Jobcenter. Aber hey, die Broschüre ist doch wundervoll bunt und ich glaube in Mainz hätte man gegenwärtig wirklich eine Chance auf einen Job „im Schienenverkehr“ 😉

Geographen sollten also wirklich auf die Macht der Selbstinformation setzen, wenn es darum geht eine Festanstellung zu bekommen. In vielen Fällen landen die Geographen (zumindest meinen Erfahrungen nach) irgendwo in der Nähe des letzten Praktikums. – Oder eben nicht. Es ist ein wenig Sekt oder Selters. Wer es schafft schon beim Abschluss einen Job in Aussicht zu haben, der hat Glück und darf sich direkt über eine (zeitlich befristete) Festanstellung freuen. Alle anderen sorgen dafür, dass die „Statistik“ wieder stimmt und begeben sich die nächsten paar Wochen, Monate und leider auch Jahre auf Jobsuche. Außer natürlich, sie passen tatsächlich auf die „Geologe gesucht“ Pflichtbewerbungen, die man vom Jobcenter zugeschickt bekommt. – Bei mir war dies mit den Schwerpunkten empirische Sozialforschung und Stadtentwicklung zumeist etwas schwierig. – Die Professur an der Uni Koblenz habe ich nebenbei auch nicht bekommen. – Aber gut. Pflichtbewerbungen eben.

Keiner weiß, was er kann

Die Wege in den Arbeitsmarkt gestalten sich also nahezu unterschiedlich wie das Studium selbst. Niemand versteht den geheimnisvollen Geographen so wie er sich selbst. Auch eine Feststellung, die ich sehr gerne im Bereich Logistik, Mobilität und Immobilien machen durfte. Besonders in diesen Bereichen durfte ich der Personalabteilung des öfteren erklären, warum ich mich denn ausgerechnet für diese Bereiche interessiere. – Wer mich also kennt, der weiß, auf wie vielen Arten man einer Diplom-Pädagogin mitteilen kann, warum man sich denn selbst als geeignet für den TÜV, die Bahn oder das größere Speditionsunternehmen interessiert. Immerhin hat man ja Geographie studiert und nicht etwas, dass auf Logistik, Mobilität, Tourismus und Immobilien passt. – Wie BWL zum Beispiel.

Immobilienobjekt Los Angeles

Aber gut. Nicht verzagen, sondern die Berufsfelder analysieren für die man sich interessiert. Und als kleiner Geheimtipp vielleicht noch von mir: Start-ups und die Internetbranche nicht gänzlich unbeachtet lassen. Nahezu jedes Vorstellungsgespräch in dem ich mich nicht rechtfertigen musste, hatte ich in Unternehmen, die irgendwie im Internet unterwegs sind. – Nebenbei auch die Unternehmen, bei denen ich bislang alle meiner unbefristeten Arbeitsverträge unterschrieben habe. Gut, beim ersten war die Anstellung nicht von einer langen Zusammenarbeit geprägt, aber dennoch will ich diese Zeit nicht missen.

Wer als Geograph also tatsächlich etwas offener in seiner Zukunftsplanung ist, sollte durchaus auch einmal die Ausschreibungen von Online- Unternehmen ansehen. Dort versteht man nämlich (zumindest meiner Erfahrung nach), dass es keinen so großen Unterschied macht, ob man seine Fragebogenerstellung nun empirische Sozialforschung genannt hat im Studium oder doch eher Marktforschung. Außerdem ist dann auch nebensächlich, ob man die Fragebögen nun an die Altersklasse der 12 bis 18jährigen „Natives“ oder der 54 – 68jährigen „Silver Surfer“ gestellt hat. Immerhin geht es in den Ausschreibungen auch immer darum „sich schnell in neue Themengebiete einzuarbeiten“.

Vorsorge ist besser als Nachsorge

Wie schon erwähnt, ist es immer besser, sich schon während des Studiums über den breuflichen Werdegang Gedanken zu machen. Allerdings erweist einem das Studium auch immer wieder neue Einblicke in das, was es dort draußen auf dem Arbeitsmarkt für Geographen zu entdecken gilt. Von daher kann ich an dieser Stelle wirklich nur noch zwei Empfehlungen geben.

1.) Man sollte sich Gedanken darüber machen, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen und an diesen Festhalten. Egal ob es nun 100, 200 oder 250 Bewerbungen dauert. Irgendwann hat man dieses „eine“ Bewerbungsgespräch in dem man merkt, dass es etwas wird und anschließend einen Job, der einen auslastet und im Idealfall sogar noch unbefristet und bezahlt ist.

2.) Wie schon ein damaliger Doktorand in einer Exkursionszeitschrift sagte: Macht Exkursionen, macht Exkursionen, macht Exkursionen. Die praktischen Einblicke aus Praktika und Exkursionen sind wirklich etwas, dass man als Geograph mitnehmen und ausnutzen sollte.

USA Exkursion 2008

Und wer ein wenig Ideen braucht um überhaupt die ganzen Berufsfelder für Geographen überblicken zu können, dem empfehle ich wirklich eher Internetseiten wie Berufsfeld Geographie anstatt der einschlägigen Arbeitsamt-Heftchen. Ein wenig Praxiserfahrung bei der Zusammenstellung von geeigneten Berufen kann sicherlich nicht schaden.

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